Switzerland

Folgen von Corona: Die grosse Angst vor der Steuerrechnung

Die Pandemie brachte viele Menschen um ihr Einkommen. Trotzdem müssen sie Steuern zahlen. Experten rechnen mit einem Anstieg der Schulden.

Ein Frau füllt ihre Steuererklärung aus.

Ein Frau füllt ihre Steuererklärung aus.

Foto: Keystone

Schon als junger Erwachsener war Herr G. mit administrativen Tätigkeiten überfordert. Die Steuererklärung landet über viele Jahre im Altpapier. Jedes Jahr wird er durch das Steueramt mit einem fiktiven, zu hohen, dazu noch steigenden Einkommen eingeschätzt. Als G. schliesslich professionelle Hilfe sucht, belaufen sich seine Steuerschulden auf 63000 Franken, angehäuft über einen Zeitraum von zwölf Jahren.

Es ist dies ein typischer Fall eines Steuerschuldners, wie ihn Katharina Blessing von der Zürcher Schuldenberatung erlebt hat. Von ihren Klienten hätten rund 80 Prozent Steuerschulden, sagt Max Klemenz, Co-Geschäftsleiter der Beratungsstelle. Überraschen kann das kaum: Die Steuerrechnung bedeutet für die meisten Menschen die höchste Einzelausgabe im Jahr. Und auch wer seine Steuererklärung alljährlich pflichtgetreu ausfüllt, dem fällt es nicht immer leicht, den verlangten vier- oder fünfstelligen Betrag aufzuwerfen. Das gilt vor allem dann, wenn das Einkommen notorisch knapp ist.

«Viele haben noch keine Ahnung, wie sie die Steuerrechnung bezahlen sollen.»

Daniel Lampart, Zentralsekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds

Ein Problem schon in gewöhnlichen Zeiten. Ein noch grösseres aber in der jetzigen, aussergewöhnlichen. Woher nimmt man einen solchen Betrag, wenn man in den letzten Monaten gar kein Einkommen mehr hatte?

Corona und die Steuerrechnung: Es ist ein Thema, das die Menschen beschäftigt. Daniel Lampart, Zentralsekretär des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds, weiss das aus seinen Gesprächen. Bezügerinnen und Bezüger von tiefen Einkommen wurden durch die Krise besonders hart getroffen, wie eine SRG-Studie Anfang November zeigte. «Viele haben noch keine Ahnung, wie sie die Steuerrechnung bezahlen sollen», schreibt Lampart in seinem Blog. Seine Erfahrungen fasst er auf Nachfrage so zusammen: Erkundige man sich bei den Betroffenen nach ihrer grössten Furcht, seien die Steuern oft das Erste, was man zu hören bekomme.

Es trifft auch die Mittelschicht

Dass es sich hierbei um ein ernstes Problem handelt, darüber herrscht unter Fachleuten Einigkeit. Er gehe davon aus, dass die Steuerschulden in den nächsten Jahren aufgrund der Corona-Folgen zunehmen würden, sagt Max Klemenz. «Die Pandemie wird zu mehr Betreibungen wegen nicht bezahlter Steuern führen», vermutet auch Christoph Mattes, Schuldenexperte an der Fachhochschule Nordwestschweiz. «Und es wird alle Einkommensklassen treffen, auch die Mittelschicht.»

Verschärft wird das Problem laut Mattes dadurch, dass die Steuern der tatsächlichen Situation «hinterherhinken». Wer einen Einzahlungsschein des Fiskus vor sich hat, blickt in die eigene Vergangenheit zurück. Hat man da noch ordentlich verdient und Reserven gehabt, bekommt man dafür nun buchstäblich die Rechnung präsentiert ungeachtet allfälliger Jobverluste oder sonstiger Schicksalsschläge in der Zwischenzeit.

Im schlimmsten Fall kommt es zu einer verhängnisvollen Kettenreaktion. «Menschen mit Schulden setzen oft problematische Prioritäten», sagt Max Klemenz. «Sie zahlen zuerst dort, wo unmittelbar am meisten Druck ausgeübt wird etwa über Inkassobüros.» Auch Konsumkredite würden oft früher beglichen, weil die Schuldner fänden, dass die Bank ihnen ja mit einem Kredit «geholfen» habe. «Dafür werden dann oft die Krankenkassenprämien nicht mehr bezahlt, und sie geraten dadurch in eine Schuldenspirale», so Klemenz. Er nimmt an, dass bei den Steuern ein ähnlicher Effekt spielt wie bei den Krankenkassen.

«Eher schwierige Gläubiger»

Christoph Mattes macht ähnliche Beobachtungen. Und gibt dabei zu bedenken, dass Steuerämter «eher schwierige Gläubiger» seien. Man könne den geschuldeten Betrag nicht einfach so runterhandeln, anders als zuweilen bei Inkassobüros, die primär an «schnellem Geld» Interesse hätten.

Nun ist Steueramt allerdings nicht gleich Steueramt. Das Fiskalwesen ist in der Schweiz maximal föderalistisch organisiert. Entsprechend variiert auch der Vollzug von Kanton zu Kanton, von Gemeinde zu Gemeinde. Angefragte kantonale Steuerämter betonen, dass man Corona-Geschädigten kulant begegnen wolle. Beim Kanton Bern etwa ist man sich bewusst, dass die Steuerrechnung mitunter zu hoch sein könne. In diesem Fall genüge es, nur jenen Teil zu zahlen, der voraussichtlich geschuldet sei - mithilfe des Online-Steuerrechners lasse sich der entsprechende Betrag ermitteln.

Im Kanton Zürich wiederum verweist man darauf, dass für provisorische Rechnungen keine Mahnungen und Betreibungen eingeleitet würden. Wer also für 2020 eine zu hohe provisorische Rechnung erhalte, könne einfach entsprechend weniger einzahlen, sagt Roger Keller, Sprecher der Finanzdirektion. Heikler wäre ihm zufolge der Fall, wenn sich eine betroffene Person bereits mit Zahlungen aus den Vorjahren im Rückstand befände. Keller rät dazu, bei Schwierigkeiten immer den Kontakt zur Behörde zu suchen und auf keinen Fall einfach die Bezahlung aufzuschieben.

Steuern direkt vom Lohn abziehen?

Fest steht jetzt schon, dass das Problem der Steuerschuld, wie immer es sich entwickeln wird, ein spezifisch schweizerisches ist und bleiben wird. In den meisten Ländern werden Steuern und sonstige Abgaben automatisch vom Lohn abgezogen. Die Schweiz bildet eine Ausnahme, indem sie ihren Steuerpflichtigen die Selbstdeklaration samt eigenhändiger Einzahlung auflastet.

Schuldenexperten wie Mattes und Klemenz würden einen Systemwechsel begrüssen. «Es wäre auch für den Staat und das Gemeinwohl besser, zöge man die Steuern direkt vom Gehalt ab», sagt Mattes. Entsprechende Vorstösse sind politisch allerdings bislang immer gescheitert. In der Schweiz hat einen schweren Stand, was der individuellen «Eigenverantwortung» zuwiderzulaufen scheint.

Immerhin: Das erwähnte Beispiel von Herrn G. zeigt, dass es möglich ist, in diese Eigenverantwortung zurückzufinden. Die Schuldenberatung unterstützte ihn zunächst beim Ausfüllen der Steuererklärung, wie Katharina Blessing erzählt. Mittlerweile hatte er eine Festanstellung mit einem regelmässigen und hohen Einkommen. «Somit konnten wir mit dem Steueramt monatliche Raten vereinbaren, um die noch offenen und nicht betriebenen Steuerrechnungen zu begleichen und auch die Verlustscheine zurückzukaufen.» Die Steuererklärung wird nun jedes Jahr eingereicht, und die laufenden Rechnungen zahlt G. pünktlich.

Wenn ihm jetzt bloss nicht Corona einen Strich durch die Rechnung macht.

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