Switzerland

FC Zürich: Unvermögen und fehlendes Glück

Auch beim Remis gegen Xamax kann der FC Zürich nicht überzeugen. Das Team von Ludociv Magnin bleibt 2020 weiter ohne Sieg in der Super League.

FCZ-Trainer Ludovic Magnin: «Ich bin schon zu lange im Fussball, als dass ich mich beunruhigen liesse von einer Baisse, wie wir sie derzeit erleben»

FCZ-Trainer Ludovic Magnin: «Ich bin schon zu lange im Fussball, als dass ich mich beunruhigen liesse von einer Baisse, wie wir sie derzeit erleben»

Walter Bieri / Keystone

Ludovic Magnin wollte sich nach dem 1:1 gegen Xamax die Zuversicht nicht nehmen lassen. «Wir haben keine Chance, und genau das ist unsere Chance», sagte der FCZ-Trainer auf die Frage, mit welchen Aussichten seine Mannschaft am kommenden Samstag in Bern gegen die Young Boys antreten werde. Magnins philosophische Kapriole wirkte wie die Volte eines Galgen-Humoristen, der sich mit Gleichmut die Enttäuschung auszureden versucht. Ein Vorteil habe das Unentschieden, nun könne er auf der Flipchart für die Vorbereitung auf das nächste Spiel die Losung gleich stehen lassen, sagte Magnin noch. Sie lautet: «1. Sieg 2020».

Dieser lässt weiter auf sich warten. Keine Ausreden mehr, sie hätten genug gesehen, hatten die Fans in der Südkurve sinngemäss auf Transparente geschrieben. Nur gerade zwei Punkte gewann der FCZ in den bisherigen fünf Spielen der Rückrunde. Das entspricht nicht den Ansprüchen des FC Zürich, die sich an einer Europacup-Platzierung orientieren. Am Ende des Spiels gab es Pfiffe und andere Unmutsbekundungen von den Fans. Es war ein Abend, der trotz dem gewonnenen Punkt alles andere als gut war – aber auch nicht nur schlecht. 

Richtig schlecht war der FCZ beim 1:4 am vorletzten Sonntag in Genf gewesen. Magnin stellte deshalb seine Mannschaft gleich auf vier Positionen um: Willie Britto war neu rechter Verteidiger für Kevin Rüegg, der im Mittelfeld den gesperrten Toni Domgjoni ersetzte. Blaz Kramer spielte im Sturmzentrum für Mimoun Mahi, Nathan kam für Hekuran Kryeziu in die Innenverteidigung, und Marco Schönbächler kehrte anstelle von Benjamin Kololli an den linken Flügel zurück. Was aber brachten die Änderungen? Zunächst einmal ein «Witz-Tor».

So bezeichnete der FCZ-Trainer die Führung von Xamax. Erst sechs Minuten waren gespielt, als die FCZ-Abwehr bei einem Eckball Samir Ramizi im Rückraum vergass. Ramizi schoss den abgewehrten Ball aufs Tor. Dieser wurde noch leicht abgelenkt und landete hinter dem machtlosen Goalie Yanick Brecher im FCZ-Tor. Es war ein Start, der die Situation der Zürcher in diesem Jahr veranschaulicht: Das Unvermögen paart sich mit fehlendem Glück, und dann kommt auch noch Pech dazu. Wie soll sich die Mannschaft Selbstvertrauen und Leichtigkeit holen, wenn sie schon wieder ein Witz-Tor zulässt? Die 7700 Zuschauer schüttelten die Köpfe und atmeten tief durch.

Xamax liess die Zürcher in der Folge spielen, aber anders als in Genf und in früheren Partien warf der FCZ nicht alle Kräfte bedingungslos nach vorne, sondern kümmerte sich auch um defensive Absicherung und Stabilität. Das gelang leidlich, Magnin sah «mehr Disziplin und Ordnung». Die Neuenburger verfügten nicht über die Qualität und den Matchplan wie etwa Servette, um vehement das zweite Tor zu suchen. So gelang Blaz Kramer mit dem achten Saisontor der Ausgleich, nach Vorarbeit von Simon Sohm (26.). So plätscherte die Partie, auf beiden Seiten von Fehlern und Missverständnissen geprägt, dem Ende entgegen. Xamax hatte zwei Chancen zum Siegtreffer, der FCZ eine. Beide Trainer konstatierten, dass das Remis leistungsgerecht gewesen sei.

War der Punktgewinn für Xamax ein Erfolg, war er eine Enttäuschung für den FCZ. Wenn der FCZ den Tabellenletzten im eigenen Stadion nicht besiegen kann, wen soll Magnins Mannschaft dann bezwingen? Die Young Boys – und danach ebenfalls auswärts den FC St. Gallen? «Ich bin schon zu lange im Fussball, als dass ich mich beunruhigen liesse von einer Baisse, wie wir sie derzeit erleben», sagte Magnin. Die Chance besteht eben darin, keine Chance zu haben.