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Switzerland

Fast nirgends wird so teuer produziert wie in der Schweiz: Was es braucht, damit das trotzdem kein Unglück ist

Die Kosten für Industriebetriebe sind in der Schweiz um einen Fünftel höher als in den USA. Gut, hat das Land andere Trümpfe und treibt die Branche die Produktivität voran.

Der Werkzeugmaschinenhersteller Mikron hat die Unsicherheiten in der Automobilindustrie zu spüren bekommen.

Der Werkzeugmaschinenhersteller Mikron hat die Unsicherheiten in der Automobilindustrie zu spüren bekommen. 

Christian Beutler / Keystone

Wie wettbewerbsfähig ist die Schweizer Industrie? Eine neue Studie der Boston Consulting Group (BCG) fällt auf den ersten Blick alarmierend aus. Mit Ausnahme Frankreichs wird nirgends so teuer produziert wie in der Schweiz. Der Indexwert für die USA wurde auf 100 gesetzt. Die Schweiz kommt auf 120 Punkte, Frankreich auf 122 und ist damit am teuersten. Direkte Konkurrenten wie Deutschland (116) und Italien (118) sind immerhin in Reichweite, die Niederlande, Spanien und Polen dagegen bewegen sich alle auf dem Kostenniveau der USA. Die Studie fokussiert dabei auf die Arbeitskosten, wobei Produktivitätsunterschiede berücksichtigt sind, sowie auf die Energiekosten. Beim grossen Rest (etwa Rohmaterial und Abschreibungen) wird nicht nach Land unterschieden. Puncto Exporttätigkeit liegt die Schweizer Industrie weltweit auf Rang 15. Wenn die Schweiz aber gemäss dem Index so teuer ist, weshalb hat man nicht einen ähnlichen Niedergang im Industriesektor beobachtet wie in den USA?   

Dem starken Franken getrotzt

Die Erklärung liegt für Damon Bland auf der Hand. Der Engländer ist seit 11 Jahren bei der BCG und Spezialist für die Industriegüterbranche.  Die Schweizer Industrie stelle hochspezialisierte Maschinen her und habe Produktionsprozesse, die sich nicht so leicht imitieren liessen, sagt er. Dies gilt etwa auch für die Pharmaindustrie oder Luxusuhren. Entsprechend seien die Unternehmen in Märkten tätig, in denen der Preis nicht die einzige Variable für die Nachfrager sei. Für die ungünstige Position verantwortlich ist auch der starke Franken, da die USA als Vergleichsgrösse dienen. So hatte die Schweiz 2003 noch einen Indexwert von 107 aufgewiesen, der sch dann bis 2013 auf 128 erhöhte.

Die Schweiz ist ein teures Pflaster

Wettbewerbsindex für Kosten der Industrie, USA = 100

050100FrankreichSchweizBelgienItalienDeutschlandÖsterreichGrossbritannienNiederlandeJapanUSATschechienChinaPolenMalaysiaIndonesien

Die Schweizer Industrie hat gleichzeitig erkennbar Fortschritte gemacht, um den Effekt aus der Frankenhausse teilweise zu kompensieren. Der Mehrwert pro Arbeiter hat sich über die letzten fünf Jahre im Schnitt um 2% verbessert. Da gleichzeitig die Löhne (in Dollar gemessen) praktisch konstant blieben, hat die Schweiz im Index seit 2013 wieder einige Punkte, wenn auch kaum Positionen, gutgemacht.

Bland verweist im Gespräch zudem auf Trümpfe des Standorts, die nicht sofort ins Auge stechen und auch nicht im Index auftauchen. Wichtig sei die hohe Zuverlässigkeit der Infrastruktur, also der Kommunikationsnetze und der Transportwege. So komme man per Zug rasch von Zürich nach Genf, ohne sich Sorgen vor Ausfällen machen zu müssen. Allerdings möchte man anfügen, dass dieses Bild in letzter Zeit Kratzer bekommen hat, wenn man an die Swisscom-Ausfälle oder die Verspätungen bei den SBB denkt. Nicht zu unterschätzen sei zudem der liberale Arbeitsmarkt, womit sich die Schweiz gerade gegenüber ihren Nachbarländern abhebe. Wettbewerbsfähige Firmensteuern kommen dazu.

Ausbildungsgänge anpassen

Die Schweiz kann somit nur Hochkosten- und somit auch Hochlohnstandort bleiben, wenn sie ihre Vorteile weiter pflegt. Bland sieht hier drei Ansatzpunkte. Den kantonalen Wirtschaftsförderern empfiehlt er, bei der Ansiedlung darauf zu achten, dass es sich um Firmen handelt, die bereit sind, viel in die Verbesserung ihrer Produktivität zu investieren, um konkurrenzfähig zu bleiben. Zweitens hält er die Ausbildung an den Universitäten und Fachhochschulen für verbesserungswürdig. Es reiche jedenfalls nicht aus, japanische Herstellungsprozesse zu studieren, sondern man sollte sich in der Ausbildung stärker auf die Digitalisierung und Industrie 4.0 konzentrieren. Und als wichtig erachtet er schliesslich auch, dass die Schweiz ihre Grenzen für den Warenaustausch offenhält. Immerhin: Hier hat der Bundesrat Ende letzten Jahres vorgeschlagen, alle Industriezölle abzuschaffen, womit er einen willkommenen Akzent in einer Welt setzt, die von Abschottungstendenzen geprägt ist.

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