Switzerland

Fast 80 Firmen im Thurgau interessieren sich für die arbeitslosen Tuchschmid-Angestellten: Mega-Solidarität nach Mega-Konkurs

Die Nachricht war für die Region ein Schock: Im Dezember deponierte die Thurgauer Glas- und Metallbaufirma Tuchschmid die Bilanz. 170 Jahre lang prägte die Firma das Bild der Schweiz mit. Die Glasdecken am Zürcher Hauptbahnhof stammen aus Ostschweizer Fabrikation. Die Fassade des Zentrums Paul Klee in Bern oder die neue Glaskonstruktion am Bahnhof St. Gallen ebenso.

Jetzt das Aus. Knapp 100 Jobs sind weg. Die gute Nachricht: Viele zeigen eine grosse Verbundenheit mit den Entlassenen. 77 Firmen aus der Region haben sich in den Wochen nach der Pleite beim kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit gemeldet, wie Daniel Wessner (49) zu BLICK sagt. Sie interessieren sich dafür, die Angestellten weiter zu beschäftigen. Das Resultat: 80 der Tuchschmid-Angestellten haben einen neuen Job.

Die Pfister Metallbau AG gehört zu den Unternehmen, die ehemaligen Tuchschmid-Angestellten einen Job offeriert haben. Sechs Mitarbeiter und ein Lehrling der Traditionsfirma haben 20 Kilometer weiter östlich in Mauren TG einen Vertrag unterschrieben. Er war einer von 16 Auszubildenden, die allesamt bei einem neuen Lehrbetrieb sind.

«Wir waren lange auf der Suche»

Gerhard Huber (52) und Carmen Hayoz (47) führen den Betrieb. Sie haben 2016 das Ruder beim Industrieunternehmen übernommen und einen Wachstumskurs eingeschlagen. Das Duo war mit Pfister beim Bürgenstock-Projekt engagiert und hat bei der Milliardenbaustelle The Circle am Flughafen Zürich mitgewirkt. Dachkonstruktion, Zwischendecken, Treppen, Innenverglasungen: Die Essenz ist ausnahmslos «made in Thurgau».

«Die Geschäfte laufen gut», sagt Huber. Der Bauboom der letzten Jahre hat die Auftragsbücher gefüllt. «Wir waren lange auf der Suche nach geeigneten Fachkräften. Einige Stellen waren monatelang unbesetzt.»

Als Tuchschmid die Bilanz deponierte, zögerten die beiden keine Sekunde. Sie haben gewisse Angestellte gezielt angesprochen. Die Unternehmer sind auf gut ausgebildete Handwerker und Fachkräfte angewiesen. Diese müssen die Maschinen und Einrichtungen in der Stahlbau- und Metallbauhalle bedienen können, gute Verkäufer, Projektleiter und Handwerker sein. Projekte müssen bis ins Detail durchkalkuliert werden. Fehler sind teuer.

Mangel bei Handwerkern

Das Problem: Es herrscht ein Mangel an der Handwerkerfront. «54 Prozent der Metallbaubetriebe können offene Stellen nicht besetzen», sagt Christoph Andenmatten (63), Direktor des Metallbauverbandes AM Suisse. Fast 700 Firmen ringen vergebens um Personal. Auch der deutsche Markt ist mittlerweile ausgetrocknet.

Obendrauf gibts ein handfestes Nachwuchsproblem. Die Zahl der Lehrlinge stagniert bei knapp über 2500. Zuletzt zeigte sich sogar ein leichter Negativtrend. Der Grund: Die Attraktivität des Berufsbildes hat in der Vergangenheit stark gelitten.

Das liegt auch an der täglichen Arbeit. In der Pfister-Werkhalle liegt eine feine Schicht Metallstaub. Die Handschuhe der Arbeiter sind schmutzig, der Lärmpegel ist hoch. Es wird geschweisst, gehämmert, geschliffen, geschraubt und gemessen.

«Gute Leute sind essenziell»

In dieser Umgebung ist Erfahrung besonders wichtig. Huber und Hayoz wissen das. «Wir haben keine Bedenken bei älteren Mitarbeitern», sagen die beiden Co-Geschäftsführer. Sie haben auf einen guten Altersmix geachtet. Von ganz jung bis sehr erfahren: Alles ist dabei. «Gute Leute sind essenziell», so Huber.

Und wie steht es um die Gläubiger und Geschäftspartner? Sie hatten bis Mitte Februar Zeit, ihren Anspruch beim Konkursamt anzumelden. Wie viele das gemacht haben, ist nicht bekannt. Das Amt gibt keine Zahlen bekannt. Angesichts der Dimension der Pleite dürften sich die Forderungen aber auf einen Millionenbetrag summieren.

Tuchschmid unterm Hammer

Ein Stahlkern und ein Stahlmantel, dazwischen Füllbeton. Das Ganze ist in Säulenform gegossen und hat einen Durchmesser von etwas mehr als einem Meter. Es ist ein Produkt der Firma Tuchschmid, verbaut als Brandschutzstütze in Dutzenden Gebäuden, zum Beispiel im Kantonsspital in Frauenfeld.

«Atlant» ist der Name. Die Marke ist patentrechtlich geschützt und Teil der Tuchschmid-Konkursmasse. Die Firma war kaum pleite, da meldete sich bereits ein Interessent für das Produkt. Für zahlreiche andere Gegenstände des Unternehmens fehlt aber noch ein Abnehmer. Das Konkursamt hat eine Inventarliste der ganzen Fahrhabe erstellen lassen. Der Erlös aus dem Verkauf soll einen Teil der Forderungen der Gläubiger decken. So war es auch schon in anderen Fällen. Der bekannteste ist der Erb-Konkurs, die zweitgrösste Pleite in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte.

Anders als beim Erb-Fall werden aber keine Liegenschaften verhökert, wie das Konkursamt bestätigt. Der Grundbesitz bleibt im Eigentum des ehemaligen FDP-Politikers Richard Nägeli, der bis 2012 bei Tuchschmid tonangebend war. Nägeli hat das Unternehmen 28 Jahre lang geführt. Anschliessend gab er die Aktienmehrheit ab – zumindest vorübergehend. Zum Schluss übernahm er das Ruder wieder. Da war es aber schon zu spät. Und zu versilbern bleibt nur, was in den Hallen war. Das Grundstück, auf dem Tuchschmid arbeitete, gehört der Langfeld AG, einer Immobilienfirma unter Führung von Nägeli.

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