Switzerland

Falsche Gehörlose auf Spendenfang: SBB passen Sicherheitsdispositiv an

Mit einer besonders perfiden Masche versuchen Betrüger, Passanten Geld aus der Tasche zu ziehen. Seit Ende des Lockdowns sei die Zahl der Fälle explodiert, sagt ein Hilfswerk, dessen Logo missbraucht wird.

In der Westschweiz probiert die Bahnpolizei einen Fokus auf die missbräuchlichen Sammelaktionen zu legen.

In der Westschweiz probiert die Bahnpolizei einen Fokus auf die missbräuchlichen Sammelaktionen zu legen.

Laurent Gillieron / EPA

Das Vorgehen ist immer das gleiche: Ohne ein Wort zu sprechen, suchen sich die Betrüger Passanten aus, deren Herz sie zu erweichen erhoffen. Sie strecken ihnen ein Papier unter die Nase, auf dem explizit zu Spenden zugunsten von Gehörlosen aufgerufen wird. Anders, als sie es vortäuschen, leiden die Bittsteller aber nicht unter einer Behinderung, sondern sie wollen mit dieser Masche lediglich Mitleid erhaschen.

Die Aufrufe kommen oftmals in Form eines Unterschriftenbogens daher, auf dem Logos von bekannten Hilfsorganisationen prangen – etwa von Handicap International (HI), einer in Genf beheimateten Nichtregierungsorganisation, die Menschen mit Behinderungen unterstützt. Das «nationale und internationale Zentrum für Kinder mit Behinderung», für welches das Geld angeblich verwendet wird, existiert schlicht nicht. «Seit einigen Wochen explodiert die Zahl der Fälle regelrecht», sagt die Kommunikationsverantwortliche von HI, Marie Bro. Die Betrügereien würden im ganzen Land festgestellt, im Fokus stünden aber die Westschweiz und insbesondere das Genferseebecken.

HI hat sich dazu entschieden, konsequent Anzeige zu erstatten, wenn ihr Fälle gemeldet werden – teilweise gegen Unbekannt. Während des partiellen Lockdowns gingen fast keine Hinweise ein, jüngst habe man im Schnitt aber zwischen fünf und zehn Anzeigen pro Woche formulieren müssen, sagt Bro. Da sich wohl nur ein Bruchteil der angegangenen Passanten mit der Organisation in Verbindung setzt, dürfte es sich bei den Fällen mit juristischen Konsequenzen nur um die Spitze des Eisbergs handeln. Die Betrüger stellten sich wohl auch gehörlos, um zu kaschieren, dass sie über die angeblichen Hilfsprojekte keine Auskunft erteilen könnten und möglicherweise auch nicht einer Landessprache mächtig seien, vermutet Bro.

«Wir sammeln nie auf der Strasse»

Durch ihre regen Anzeigen versucht HI die moralisch verwerfliche Praxis zu unterbinden, und sie sorgt sich auch um ihren Ruf – schliesslich ist sie selbst stark auf Spenden aus der Bevölkerung angewiesen. «Wir sammeln aber ganz bewusst nie Geld auf der Strasse, sondern beschränken uns auf Informationsstände. Dort wird niemals Bargeld angenommen, sondern auf Wunsch ein Einzahlungsschein ausgehändigt», sagt Bro.

Die Kantonspolizei Waadt bestätigt die verschiedenen Anzeigen von HI und schreibt, man müsse davon ausgehen, dass nur wenige Fälle überhaupt bei der Polizei landeten. Zahlen nennt sie keine, sie erkennt aber ebenfalls einen klaren Rückgang des Phänomens – so wie bei der gesamten Strassenkriminalität – während des Lockdowns und einen Wiederanstieg danach, was unter anderem auf die Grenzschliessungen zurückzuführen sei. Gemäss Schilderung von Passanten stammen die Täter oftmals aus osteuropäischen Banden.

Handicap International ist nicht die einzige Organisation, die auf die Betrügereien aufmerksam macht. Der Schweizerische Gehörlosenbund hat erst vor wenigen Tagen ein Communiqué verschickt, in dem er zur «Vorsicht vor falschen Gehörlosen» mahnt. Es habe jüngst zahlreiche Meldungen aus der Bevölkerung gegeben.

Die Mediensprecherin Sandrine Burger präzisiert auf Anfrage, dass die Hinweise oftmals von den Kindern oder Enkeln der Geschädigten kämen, da die Betrüger betagte Personen besonders im Visier hätten. Die falschen Spendensammler trieben nicht nur auf der Strasse, sondern auch in öffentlichen Transportmitteln vermehrt ihr Unwesen – notabene rund um den Genferseebogen.

Durchsagen im Zug

Die Westschweizer Medienstelle der SBB bestätigt, dass sich die Hinweise aus den Zügen in den letzten Wochen gehäuft hätten. Es gehe um Fälle von klassischem Betteln (was ebenfalls verboten ist), aber vermehrt eben auch um den Gehörlosentrick. Die Zunahme vor den Sommerferien entspreche den langjährigen Erfahrungen.

Die SBB reagieren nun auf die ungebetenen Fahrgäste. «Wir haben unser Sicherheitsdispositiv entsprechend angepasst», sagt der Sprecher Frédéric Revaz. Konkret bedeute dies, dass die rund sechzig in der Westschweiz aktiven Bahnpolizisten einen Fokus auf die missbräuchlichen Sammelaktionen legen würden. Man rufe die Passagiere dazu auf, entsprechende Beobachtungen den Zugbegleitern zu melden. Diese wiederum bleiben gemäss Angaben der SBB bei Hinweisen nicht inaktiv: Sie warnten die Passagiere mittels Lautsprecherdurchsage, so Revaz.

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