Switzerland

Faktencheck zu Vogts Vorschlag: Dann würde das Gesundheitssystem vollends kollabieren

Der Arbeitgeber-Präsident Valentin Vogt hält 30'000 Neuinfektionen pro Tag für verkraftbar. Wir haben das Szenario überprüft.

Wurde für seine Aussage heftig kritisiert: Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands.

Wurde für seine Aussage heftig kritisiert: Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands.

Foto: Peter Schneider (Keystone)

«Wenn die Risikopatienten geimpft sind, werden etwa drei Viertel der Hospitalisationen wegfallen. Das heisst, wir könnten dann mit Fallzahlen von 20’000 bis 30'000 pro Tag leben, ohne dass die Spitäler an den Anschlag kämen», sagte Valentin Vogt, Präsident des Arbeitgeberverbands, gegenüber SRF.

Wären so viele bestätigte Fälle am Tag tatsächlich kein Problem für das Gesundheitssystem? Schauen wir uns die Zahlen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zu den Hospitalisierungen für die Schweiz in der Woche vom 29. März bis 4. April an. In diesem Zeitraum wurden im Durchschnitt pro Tag 34 Spitaleintritte bei Personen unter 65 Jahren verzeichnet und 33 bei Älteren, also total 67.

Gemäss dem BAG-Wochenbericht haben rund 30 Prozent der 18- bis 64-jährigen Personen, die eine Spitalbehandlung benötigen, keine relevanten Vorerkrankungen, gehören also nicht zu den gefährdeten Personen, die sich früh impfen lassen können. Ausserdem gehen wir in unserer Berechnung von der Annahme aus, dass sich 75 Prozent der Risikogruppen impfen lassen. Berücksichtigt wurde auch , dass bereits rund 50 Prozent der über 80-Jährigen vollständig durch eine Impfung geschützt sind.

Mit diesen Eckwerten kämen wir pro Tag in einem Szenario, in welchem ein Grossteil der über 65-Jährigen und jungen Vorerkrankten geimpft ist, in besagter Woche auf täglich 28 Spitaleintritte, also rund 60 Prozent weniger als tatsächlich gemeldet wurden. Bestätigte Fälle gab es in dieser Woche pro Tag im Schnitt 1751.

Bei 20’000 bis 30’000 Fällen würde das also täglich 320 bis 480 Hospitalisationen bedeuten. Zum Vergleich: Den höchsten 7-Tages-Schnitt erreichten wir mit 239 Spitaleintritten am 31. Oktober 2020 in der Herbstwelle. Wegen der bundesrätlichen Massnahmen sank dieser Wert aber dann kontinuierlich, was in Vogts Szenario ohne Einschränkungen nicht der Fall wäre.

Und unsere Modellrechnung ist wohl noch massiv unterschätzt, da erstens von einer sehr hohen, unrealistischen Impfbereitschaft bei den Risikogruppen von 75 Prozent ausgegangen wird. Der Kanton Appenzell Innerrhoden meldete beispielsweise am Freitag, dass sich von den über 75-Jährigen lediglich 54 Prozent haben impfen lassen. Zweitens bringt die nun dominierende Corona-Variante B.1.1.7 auch vermehrt Personen ins Spital, die keine Vorerkrankungen haben. Drittens sind die Zahlen zu den Hospitalisationen in der von uns betrachteten Woche aufgrund von Meldelücken und Meldeverzug unterschätzt. Und viertens schützt die Impfung auch nicht hundertprozentig vor einem schweren Verlauf.

Infektionsgeschehen wäre ausser Kontrolle

Vogts Durchseuchungsvorschlag würde also bei 20’000 Fällen das Spitalsystem wieder über die Kapazitätsgrenze wie im Herbst bringen, mit den katastrophalen Folgen von abgesagten OPs und einem stark belasteten Gesundheitspersonal, punktuell würden auch wieder Triagen notwendig und Patienten müssten in den Gängen ausharren. Und bei 30’000 Fällen pro Tag? Dann würde das Gesundheitssystem vollends kollabieren.

Diese Einschätzung teilt auch Urs Karrer, Vizepräsident der wissenschaftlichen Taskforce des Bundes. Mit 30'000 Neuansteckungen pro Tag würde es zu einer Überlastung der Spitäler kommen und das Infektionsgeschehen wäre nicht mehr kontrollierbar, auch wenn die Risikogruppe geimpft sei, sagte der Chefarzt am Kantonsspital Winterthur.

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