Switzerland

Europa League: Den Young Boys gelingt der langersehnte europäische Exploit

Die Berner besiegen Bayer Leverkusen auswärts 2:0 und ziehen erstmals überhaupt in den Achtelfinal der Europa League ein.

Ausgelassener Jubel: Die Young Boys freuen sich über ihren Coup in der Europa League.

Ausgelassener Jubel: Die Young Boys freuen sich über ihren Coup in der Europa League.

Foto: Ina Fassbender (Keystone) 

Erinnerungen an das Hinspiel vor einer Woche in Bern werden wach. Die Young Boys führen in Leverkusen, sie finden jetzt Räume vor. Und Meschack Elia bittet Jonathan Tah zum Tanz – nur der leichtfüssige YB-Stürmer sieht dabei gut aus.

Es läuft die zweite Halbzeit. Und es läuft für YB. 1:0 steht es nach einer Stunde, der Gegner braucht schon zwei Tore zum Weiterkommen. Ein Gegner, den die Berner mehrheitlich im Griff haben, auch wenn dieser sein erstes Tor nun vehementer sucht. Jeremie Frimpong flankt. Leon Bailey schliesst per Hacke ab. YB-Goalie David von Ballmoos reagiert stark.

Die Young Boys bestätigen die Form

Die Frage war ja, welche Schlüsse Leverkusen aus der unterirdischen ersten Halbzeit in Bern ziehen würde, als es 0:3 in Rückstand gelegen war.

Geht Trainer Peter Bosz mit einer defensiven Dreierkette wie in der zweiten Halbzeit in Bern ins Spiel? Setzt er in der Abwehr auf Jonathan Tah, den deutschen Nationalspieler, der zum Sinnbild für die Überheblichkeit wurde? Und beordert Bosz wieder den selten überzeugenden Niklas Lomb ins Tor? Fragen über Fragen, ein Indiz, dass es nicht läuft.

Ganz anders die Young Boys: Sie sind seit Wochen in Form, eilen in der Meisterschaft von Erfolg zu Erfolg und besiegten die Werkself im Hinspiel 4:3.

Das alles kommt im Spiel zum Ausdruck. Die Berner beginnen besser, sie werden diesmal vom 3-4-3 des Gegners nicht überrascht. Es vergeht eine Viertelstunde, bis YB-Goalie Von Ballmoos ein erstes Mal gefordert wird. Der viel gescholtene Tah erobert den Ball, Bailey zieht ab. Fast im Gegenzug bietet sich Michel Aebischer im Strafraum die Chance, sein Schuss wird geblockt. Mit dem Hinspiel hat das Gezeigte nichts zu tun. Die Teams haben aus ihren Fehlern gelernt und sind auf Kontrolle bedacht. Im Westen Deutschlands geht es nicht wild zu und her.

Das freut Seoane, der YB-Trainer hat einen konzentrierten und solidarischen Auftritt gefordert. Als das Heimteam kurz vor der Pause einmal Räume hinter der Berner Abwehr vorfindet, rettet Silvan Hefti mit einem Sprint und einer Grätsche im letzten Moment gegen Patrik Schick.

Leverkusens Trainer muss sich erneut ärgern

Die Berner sind ohne die gesperrten Stützen Mohamed Camara und Jean-Pierre Nsame zur Pause auf Kurs. Und Bosz? Dessen Stimmung nähert sich spätestens in der 47. Minute dem Tiefpunkt an. Es ist eine harmlose Szene, doch Goalie Lomb lässt Elias Flankenball fallen. Jordan Siebatcheu staubt wie im Hinspiel ab. Im neunten Spiel von Beginn an für YB ist es sein elftes Tor.

Wie die Young Boys den Vorsprung verwalten, zeugt von Reife. Sie stehen kompakt und müssen dem Gegner wenig zugestehen, auch wenn Bosz nun die gefährlichen Offensivkräfte Demarai Gray und Lucas Alario bringt. Alario ist es, der in der 77. Minute eine der wenigen Chance vergibt. Kurz darauf pariert Von Ballmoos den Kopfball von Schick erneut stark.

Am Freitag kommt der Achtelfinalgegner aus

Auf der anderen Seite trifft der eingewechselte Marvin Spielmann mit einem Freistoss den Aussenpfosten. Und kurz darauf lanciert er Fassnacht, dieser schliesst den Konter herrlich mit einem Lupfer zum 2:0 ab. Es ist der passende Abschluss eines nahezu fehlerfreien und eindrücklichen Auftritts der Berner. Und die Entscheidung: Erstmals überhaupt ziehen die Young Boys in der Europa League in den Achtelfinal ein.

Am Freitagmittag erfahren sie, auf wen sie im Achtelfinal treffen. Sie werden wohl erneut Aussenseiter sein, aber eines ist sicher: Nach dem langersehnten europäischen Exploit sind sie auf den Geschmack gekommen.

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