Switzerland
This article was added by the user . TheWorldNews is not responsible for the content of the platform.

EU und USA starten mit Partnern «historisches» Schiffs- und Zugprojekt

G20-Gipfel in Buenos Aires

1 / 12

G20-Gipfel in Buenos Aires

quelle: epa/aap / lukas coch

Das könnte dich auch noch interessieren:

Sergio Ermotti ist als Lenker XXL-UBS mehr als nur ein Banker: Er entscheidet auch über das Schicksal von Museen, Fussballstadien und Kulturfestivals. Die Schweiz hat sich in eine enorme Abhängigkeit der einzig verbliebenen Grossbank gegeben. Der Wochenkommentar.

Fünf Minuten Ruhm ist Politikern gewiss, die bekannt geben, auf eine Bundesratskandidatur zu verzichten – selbst jenen, die nie ernsthaft in Betracht gezogen wurden. Im Jahr 2017 liess eine besondere Verzichtserklärung aufhorchen. Sie wurde von keinem Politiker, sondern von einem Wirtschaftsführer abgegeben. Bankchef Sergio Ermotti teilte mit: «Ich habe eine Aufgabe als CEO der UBS, die ich gerne mache, und ich strebe kein politisches Amt an.» Vorausgegangen waren Gerüchte sowie ein Bericht der «Weltwoche», die auf der Frontseite titelte: «Sergio Ermotti in den Bundesrat!» Gewählt wurde dann ein anderer Tessiner, Ignazio Cassis.

Die Europäische Union, die USA und weitere Partner haben ein riesiges Schienen- und Schifffahrtsprojekt gestartet. Es soll Europa, den Nahen Osten und Indien besser miteinander verbinden, wie die Beteiligten am Samstag beim G20-Gipfel in Neu Delhi ankündigten. «Das ist nichts anderes als historisch», sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. sie sprach von der bisher direktesten Verbindung zwischen Indien, dem Persischen Golf und Europa – mit einer Eisenbahnverbindung, die den Handel zwischen Indien und Europa um 40 Prozent beschleunige. Das Vorhaben gilt auch als Antwort auf Chinas Initiative für eine «Neue Seidenstrasse».

U.S. President Joe Biden, right, and President of the European Union Ursula von der Leyen attend Partnership for Global Infrastructure and Investment event on the day of the G20 summit in New Delhi, I ...

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident Joe Biden: Beide bezeichnen das neue Schienen- und Schifffahrtsprojekt als «historisch».Bild: keystone

Auch US-Präsident Joe Biden nannte das Vorhaben «historisch». Es eröffnene unedlich viele neue Möglichkeiten. Die Vereinigten Staaten, Indien, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Europäische Union haben sich demnach auf eine entsprechende Absichtserklärung verständigt. Das Nachrichtenportal «Axios» hatte zuvor berichtet, dass es sich um eine der «wichtigsten Initiativen» Washingtons handle, die darauf abziele, Chinas Einfluss im Nahen Osten einzudämmen.

Mit der «Neuen Seidenstrasse» unterstützt China Infrastrukturprojekte weltweit und will neue Handelswege nach Europa, Afrika, Lateinamerika und in Asien erschliesst. Dabei hat es zahlreiche Abkommen mit fast allen arabischen Staaten geschlossen.

Wachstumsförderung und verbesserte Integration

Mit dem Projekt solle das Wachstum in mehreren kritischen Regionen der Welt gefördert werden, sagte Bidens Berater Jake Sullivan. Ausserdem werde es die Integration im gesamten Nahen Osten verbessern – involviert seien «einige unwahrscheinliche Partner» in der Region. Indien solle ausserdem auf eine Weise mit Europa verbunden werden, die nicht nur «einen effizienteren Warentransport» ermögliche, sondern auch die Zusammenarbeit in den Bereichen Energie und Digitales stärke. «Wir sind der Meinung, dass das Projekt kühn und transformativ ist», sagte Sullivan. Er gehe davon aus, dass es weltweit Nachahmer finden werde.

Finanziert werden soll das Vorhaben unter anderem über die EU-Initiative Global Gateway. Sie sieht vor, in den nächsten Jahren bis zu 300 Milliarden Euro in die Infrastruktur von Schwellen- und Entwicklungsländern zu investieren. Das Projekt macht Chinas «Neuer Seidenstrasse» Konkurrenz, an der die Volksrepublik schon seit Jahren in vielen Ländern arbeitet. Schon jetzt geplant sind beispielsweise Projekte zur Energieerzeugung mit klimaneutralem Wasserstoff in Afrika und eine neue Unterwasserkabelverbindung zum Datentransport zwischen der EU und Lateinamerika.

Ausbau von Stromnetzen und Energieprojekten

Teil des jetzt angekündigten Vorhabens ist auch der Ausbau von Stromnetzen und Energieprojekten. Auch Hochgeschwindigkeitsdatenkabel gehören zu dem Plan. Mit Stromkabeln und einer Pipeline für sauberen Wasserstoff soll den Angaben nach auch der Handel mit sauberer Energie zwischen Asien, dem Nahen Osten und Europa gestärkt werden. Dem Weissen Haus zufolge sollen Pipelines, die von Israel nach Europa verlegt werden, sauberen Wasserstoff nach Europa liefern.

Dass Israel Teil der Initiative ist, ist interessant. Zuletzt hatte es Berichte über Bewegung bei einer möglichen Annäherung zwischen Saudi-Arabien und Israel gegeben. Biden-Berater Jake Sullivan betonte jedoch, dass dies kein Vorläufer für eine Normalisierung der Beziehung der beiden Länder sei. Es sei aber «bezeichnend, dass Israel Teil dieser Vision ist».

Die G7-Gruppe führender demokratischer Industriestaaten hatte bereits vor gut zwei Jahren eine globale Infrastruktur-Initiative ins Leben gerufen, um China Konkurrenz zu machen. Das Projekt geht auf Bidens Initiative zurück und gilt als Rahmen für das jetzt verkündete neue Vorhaben. Ziel ist es, Hunderte Milliarden Dollar für Infrastruktur-Investitionen zu mobilisieren. Dabei soll auch in neue Eisenbahnlinien in Afrika investiert werden. (sda/dpa)