Switzerland

«Es war grusig»: Mann masturbierte im Intercity nach Zürich

Zuerst war alles wie immer, als Joy am Donnerstagmorgen den Zug IC5 von St. Gallen nach Zürich nahm, wo sie im Detailhandel arbeitet. In Winterthur stieg ein Mann ein und setzte sich ins Nebenabteil. Erst beachtete sie ihn nicht, da sie noch am Telefonieren war. Doch plötzlich entdeckte sie, dass der Mann ungewöhnliche Handlungen an sich vornahm, während er ein Sexheftli anschaute. Der Mann war im Zugabteil am Masturbieren.

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«Ich konnte es kaum glauben», sagt Joy. «Es war grusig.» Angst habe sie keine gehabt, sie sei ja nicht in einem Alter, wo einen so etwas am Boden zerstört. «Zum Glück waren wegen des Coronavirus keine Schüler im Zug.» Es habe generell wenig Leute im Zug gehabt, sie sei wohl die einzige gewesen, die den Vorfall mitbekommen hatte. Sie filmte die Szene und ging später mit der Aufnahme zu den SBB und zur Polizei, wo sie Anzeige gegen den geschätzt 40 Jahre alten Mann erstattete.

Noch bevor der Zug die Haltestelle Zürich Flughafen erreichte, sei der Mann «fertig» gewesen. Er habe sich mit einem Taschentuch greeinigt und dieses dann in den kleinen Abfalleimer unter dem Tischchen entsorgt. «Das fand ich dann fast noch ekliger», sagt Joy. Als der Zug in Zürich ankam, habe sie dem Mann alles Wüste gesagt und was sie von seinem Verhalten halte. Doch das habe diesen nicht gross interessiert.

Exhibitionismus ist eine Machthandlung

Doch warum masturbiert jemand in der Öffentlichkeit? Sexualwissenschaftlerin Andrea Burri von 20 Minuten One Love sieht in der Beschreibung des Vorfalles den Vollzug einer exhibitionischen Handlung. «Exhibitionismus ist eine Sexualpräferenz, bei der durch Entblössung der sonst verdeckten Genitalien oder Brüsten; oder mit sexuellen Aktivitäten vor der Öffentlichkeit, sexuelle Lust gewonnen wird», sagt Burri. Ob das beim Vorfall vom Donnerstag der Fall ist, sei dahingestellt, da man debattieren könne, ob der Mann das überhaupt wahrgenommen hat, dass er beobachtet wird oder einfach so sehr in seinem eigenen Film war.

Grundsätzlich könne man sagen, dass solche Handlungen oft mit Macht zu tun haben. «Studien zeigen, dass viele Exhibitionisten in der Regel einen geringen Selbstwert haben. Das Entblössen der Genitalen ist dann quasi eine Art Kompensationsstrategie, mit der sie eben Macht über das ‹schwächere› Gegenüber ausüben und sich aufdrängen können», sagt Burri. Der Schock des Gegenübers vermitte den Männern das Gefühl, eine imposante und beeindruckende Person zu sein, und soll das Minderwertigkeitsgefühl «reparieren».

Ruhe im Zug freut Exhibitionisten

Dass der Mann im Zug masturbiert hat, könnte mit dem Coronavirus zu tun haben. Aufgrund er Pandemie sind die Züge derzeit alles andere als überfüllt. Das sind gute Umgebungsfaktoren für einen Exhibitionisten. Es gibt Publikum, aber nicht im Übermass. «Man kann sitzen und sich das pornographische Material in Ruhe anschauen. Zudem ist man sich ziemlich sicher, dass jemand vor Ort sein wird und das ganze also beobachtet», so Burri.

Exhibitionismus entwickle sich in der Regel in der Pubertät. Kommt es deswegen zu einer Straftat, kann eine Psychotherapie angeordnet werden. «Dann wird versucht, das Vergnügen auf andere, angemessenere sexuelle Fantasien umzuleiten», sagt Burri. Auch Selbsthilfegruppen können helfen. In manchen Fällen setze man auch Medikamente ein, die den Testosteronspiegel senken. Burri weist jedoch darauf hin, dass die Rückfallraten relativ hoch sind.

(jeb)

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