Switzerland

Erinnerung an eine grosse Tragödie im Schweizer Sport: Schwinger Gasser hatte weniger Glück als Eriksen

Der Zusammenbruch des dänischen Fussballers Christian Eriksen hat die Welt schockiert. Ein durchtrainierter Sportler erleidet einen Herzstillstand. Im Schweizer Sport werden da Erinnerungen wach ans Eidgenössische Schwingfest in Aarau im Jahr 2007. Auch bei Peter Imfeld. Er hat damals mit Peter Gasser seinen besten Freund verloren. «Ich habe das Spiel von Dänemark nicht gesehen, aber den Vorfall natürlich mitbekommen», sagt Imfeld. Peter Gasser hatte nicht so viel Glück wie Christian Eriksen. Er ist in Aarau an einem Herz-Kreislauf-Stillstand gestorben. «Man vermisst seinen besten Freund ein Leben lang», sagt Imfeld heute. Imfeld hat ein halbes Jahr danach sein aufwühlendes Wochenende geschildert. Aus aktuellem Anlass druckt SonntagsBlick diese Reportage auszugsweise noch einmal nach.

Der 25. August ist ein wunderbarer Tag. Strahlender Sonnenschein. 30 Grad soll es werden, und schon frühmorgens strömen die Besucher des Eidgenössischen Schwingfests in Aarau vom Bahnhof in Richtung Schachen. Es ist eine eigentliche Prozession, die sich durch die Strassen bewegt. Ruhig, unaufgeregt, geradezu andächtig marschieren die Männer und Frauen mit festem Schuhwerk und gefülltem Rucksack durch Aarau.

In aller Herrgottsfrühe, so gegen 5 Uhr, steigen auch Peter Imfeld und Peter Gasser (damals beide 28) im obwaldischen Lungern ins Auto. Peter und Peter, das sind zwei wie Pech und Schwefel. Sie waren gemeinsam im Kindergarten, später gemeinsam in der Primarschule, und wenn der Lehrer «Peter» gerufen hat, haben beide die Hälse gereckt.

Der Bauernbub Peter Imfeld und der Metzgersohn Peter Gasser fahren im Winter Ski, solange der kleine Skilift, den es damals im Dorf noch gab, läuft. Oder bis es dunkel wird. «Nach der Schule heim, eine Suppe essen und dann auf die Bretter», sagt Imfeld. Später sind sie beide Jungschwinger beim Schwingklub Lungern. Imfeld, eines von vier Kindern vom Bauernhof oberhalb von Lungern, macht eine Landwirtschaftslehre und lernt später noch Maurer und ist Füsilier in der Schweizer Armee.

Gasser, einer von drei Buben des Dorfmetzgers an der Brünigpassstrasse, macht eine Metzgerlehre, absolviert seine Rekrutenschule als Trainsoldat in St. Luzisteig und geht später ein Jahr nach Kanada. Imfeld, der grosse, gutmütige, eher etwas phlegmatische, ein wenig selbstzufriedene, aber bärenstarke junge Mann. Ein sanfter Riese. Gasser, der gewitzte, gewiefte, immer neugierige Pfiffikus, der für einen Spitzenschwinger aber etwas zu leicht und zu kurz geraten ist.

Der Trauzeuge

Peter und Peter, nicht nur der Schwingsport verbindet sie. Sie sind Freunde. Keiner ohne den andern. Als Imfeld heiratet, ist Gasser Trauzeuge. Gasser betreibt den Sport jahrelang konsequenter als sein Freund. Er ist Technischer Leiter beim Schwingklub Lungern, und er treibt seinen Freund an, motiviert ihn, mehr aus seinen Möglichkeiten zu machen. «Ohne Peter Gasser», sagt Peter Imfeld, «wäre ich nie so weit gekommen. Ich habe in meinem Leben noch nie so einen korrekten, ehrlichen Menschen gesehen, der für meinen Erfolg all seine Erfolge hergegeben hätte.»

Das Eidgenössische in Aarau ist für beide das grosse Ziel. Im Oktober 2006 beginnen sie mit dem harten Training. Praktisch täglich schuften sie im Trainingskeller, und im Frühling 2007 sind sie in Form. Beim Ob- und Nidwaldner Kantonalen sowie beim Urner Kantonalen gewinnen beide den Kranz. Und haben sich damit für das Eidgenössische qualifiziert. Für Gasser, der seit 2000 keinen Kranz mehr gewonnen hat, geht ein Traum in Erfüllung.

Mit im Gepäck nach Aarau haben sie auch die Schlafsäcke. Nach dem Schwingfest am Sonntagabend wollen sie so richtig feiern und dann unter freiem Himmel in Aarau übernachten.

Gemeinsam gehen Imfeld und Gasser in Aarau zwischen dem zweiten und dem dritten Gang zum Mittagessen. Der zuversichtliche Imfeld und der ungewohnt ruhige Gasser. «Da hat er mir zum ersten Mal gesagt, dass ihm nicht so wohl sei», sagt Imfeld. Gedanken macht er sich keine, «denn einige Monate zuvor mussten wir beide in der Feuerwehr einen medizinischen Check und ein EKG machen. Da war alles in Ordnung.» Als Imfeld nach dem dritten Gang ins Zelt der Innerschweizer kommt, sagt ihm ein Betreuer: «Peter Gasser musste ins Spital.» Dass Gasser aber selbständig in den Krankenwagen eingestiegen ist und noch gerufen hat: «Holt mich bald wieder raus, ich will den vierten Gang nicht verpassen!», beruhigt Imfeld. Vorerst.

Zwanzig Minuten verstreichen. Nun wird Imfeld ungeduldig. Er wählt die Handynummer seines Freunds, aber keiner nimmt ab. Gasser kämpft wenige hundert Meter entfernt in der Hirslanden-Klinik um sein Leben. Imfeld wählt die Nummer noch einmal. Und noch einmal. Und ein viertes Mal. Und dann ruft er Didi Schmidle an, den Arzt des Innerschweizer Schwingerverbands. «Komm ins Spital», sagt der mit belegter Stimme. Imfeld eilt los, bahnt sich den Weg durch die Zuschauermassen, ist besorgt. Kurz vor dem Spital kommt ihm Schmidle entgegen. «Sag, ist es doch schlimmer, als wir angenommen haben?», fragt Imfeld. «Er ist tot», sagt Schmidle.

Ein Häuflein Elend

Jetzt steht Imfeld da, ein 1,87 Meter grosses und 106 Kilogramm schweres Häuflein Elend. «Was ich in diesem Moment gefühlt habe? Dafür habe ich keine Worte, das kann ich nicht erklären», sagt Imfeld. Er geht ins Spital, ruft Gassers Bruder, Mutter und Schwester an. Die sind alle auf dem Festplatz und geniessen dieses monumentale Fest. Dann eilen auch sie in Richtung Spital. Gemeinsam gehen sie ins Zimmer, in dem Peter Gasser liegt. Imfeld: «Für mich war es wichtig, dass ich ihn nochmals sehen konnte.»

Auf dem Schwingplatz und rundherum fängt das grosse Volksfest an. Noch am Totenbett seines Freundes ist Imfeld klar, dass er am Sonntag weiterschwingen wird. «Ich weiss, dass Peter das so gewollt hätte. Er hatte zwei sportliche Träume. Zum einen, dass er einmal an einem Eidgenössischen teilnimmt. Und sein anderer Traum war, dass ich, sein Freund, einmal einen Kranz bei einem Eidgenössischen gewinne.» Dafür hatten die beiden trainiert.

Imfeld hat den Boden unter den Füssen verloren. Um Mitternacht ist er in seinem Haus in Lungern. Zum ersten Mal in seinem Leben schluckt er eine Schlaftablette. Die hat ihm der Mannschaftsarzt mitgegeben.

Um 4 Uhr früh gehts am Sonntag wieder Richtung Aarau. Imfeld muss den vierten Gang nachholen. Gegen Toni Rettich. 100'000 Augen sind auf ihn gerichtet. Er spürt die Unterstützung der Leute, ihr Mitgefühl, die Solidarität der Schwingerfamilie. Er riskiert aber nichts und «stellt» diesen Gang. Danach flüchtet er, abgeschirmt von einem Securitas-Wachmann, ins Zelt und will allein sein. Er gewinnt danach den fünften Gang gegen Hansueli Knöpfel und legt auch Michael Nydegger ins Sägemehl.

Der emotionalste Moment

Dann kommt es zu einem der emotionalsten Momente in der Schweizer Sportgeschichte. Im siebten Gang wartet der grosse Favorit Jörg Abderhalden. Es wird ruhig im Stadion. Mit einem Sieg hätte Imfeld gar die Chance auf den Schlussgang, auf den Königstitel. Imfeld, mit roten und geschwollenen Augen, verliert. Und wird wieder überwältigt von seinen Emotionen. Weinkrämpfe plagen ihn. Eine halbe Stunde lang. Im letzten Gang gewinnt er erneut, er holt den ersten eidgenössischen Kranz seiner Karriere. Die Ob- und Nidwaldner machen die Welle vor ihrem Publikum. Mittendrin der schluchzende Imfeld. Auf dem Höhepunkt seiner sportlichen Laufbahn.

«Ich denke jeden Tag an ihn», sagt Imfeld. Die Sinnfrage, die stellt er sich aber nicht. Er respektiert das Schicksal, ihm hilft der Glaube. Er kommt aus einer Gegend, wo man weiss, dass der Tod zum Leben gehört. «Ich weiss, dass ich ihn wiedersehe.» Für ihn gibt es nur immer wieder denselben Zwiespalt. «Ich weiss nicht, ob ich weinen oder lachen soll, wenn ich an ihn denke.»

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