Switzerland

Erfolgs-Cheftrainer greift STV-Bosse an: «Ich fühle mich vom Verband ausgenützt»

Knall bei den Schweizer Kunstturnern! Der erfolgreiche Männer-Cheftrainer Bernhard Fluck (64) ist bald nicht mehr im Amt – obwohl er das Team bis Olympia 2021 in Tokio betreuen wollte.

«Als bekannt wurde, dass die Olympischen Spiele wegen der Corona-Pandemie auf 2021 verschoben werden, habe ich dem Verband mitgeteilt, dass ich gerne weitermachen würde», sagt Fluck.

Der Erfolgs-Cheftrainer der Kunstturn-Männer (8 EM-Medaillen, zweimal EM-Gold), seit 2009 im Amt, wird im Mai 2021 pensioniert. «Ich hätte meine Pensionierung gerne um drei Monate verschoben, damit die Athleten ideal vorbereitet zu den Olympischen Spielen fahren können.»

Geheime Pressekonferenz

Das darf er aber nicht, erklärt Fluck am Dienstagnachmittag an einer im Alleingang einberufenen Pressekonferenz. Der STV weiss davon nichts! Fluck ist sauer. «Man hat mich am 19. Juni nach Aarau ins Büro bestellt und mir gesagt, dass man meinen Vertrag nicht bis zu den Spielen 2021 verlängern werde.» Seither hat er geschwiegen. Und gelitten. «Mich plagen seither schlaflose Nächte, ich habe Kopfschmerzen, und ich frage mich in der Trainingshalle die ganze Zeit: ‹Was mache ich eigentlich noch hier?›»

Nach elf Jahren als Chefcoach und acht Jahren als Nachwuchschef hätten ihn Zentralverbands-Präsident Erwin Grossenbacher, Geschäftsführer Ruedi Hediger und Felix Stingelin, Chef Spitzensport beim STV, einfach abgesägt. «Was der Verband mir gegenüber gemacht hat, ist respektlos», sagt Fluck. «Ich fühle mich ausgenutzt.»

«Ich mache mir Sorgen um die Nationalmannschaft»

Weil mit Laurent Tricoire, der Ende Jahr nach Belgien wechselt, bereits ein Assistenzcoach den STV verlässt, gerate die Vorbereitung auf Olympia 2021 in Gefahr. «Ich mache mir Sorgen um die Nationalmannschaft für die Spiele», sagt er. «Acht Monate vor dem Höhepunkt zwei von drei Trainern auszuwechseln, das ist nicht optimal in der Vorbereitung.»

Die Erklärung, die der Chef der EM-Gold-Turner Oliver Hegi und Pablo Brägger bekommen habe: Man plane schon den Olympia-Zyklus bis Paris 2024. «Es scheint, als ob sie beim Verband Olympia 2021 einfach auslassen.»

Er dagegen fühle sich den aktuellen Athleten verpflichtet. «Das sind Top-Athleten, die auch etwas erreichen können.»

Der Verband schreibt am Dienstagabend vorerst nur: «Da die definitive Durchführung der Olympischen Spiele in Tokio 2021 zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sicher ist und gleichzeitig die Planung und der Aufbau für Paris 2024 in Angriff genommen werden muss, entschied der STV nach dem Abwägen der verschiedenen Faktoren, dass er am Zeitplan der Nachfolgeregelung festhalten will.»

Zoff mit Spitzensport-Chef Felix Stingelin

Dem Knall geht ein Knatsch mit Spitzensport-Chef Stingelin voraus: Bei Olympia 2016 in Rio musste Fluck zuhause bleiben, weil Stingelin für die Spiele akkreditiert wurde und für den Cheftrainer keine Akkreditierung mehr übrig war. «Ich musste damals entscheiden, welche zwei Männer-Trainer nach Rio reisen», sagt Fluck.

Er habe sich daraufhin geopfert und die beiden Geräte-Spezialisten Laurent Tricoire und Laurent Guelzec mitgeschickt. «Aber natürlich wäre die sportliche Betreuung noch besser gewesen, wenn ich auch dabei gewesen wäre. Ich kenne diese Athleten seit Jahren, arbeite intensiv mit ihnen. Wenn ich am Morgen mit ihnen rede, sehe ich sofort, wie sie geschlafen haben. Ich rieche, welches Deo sie heute aufgetragen haben. Der Chef Spitzensport sitzt dagegen 100 Kilometer von Magglingen entfernt.»

Fluck über Stingelin: «Er muss sein Ego in den Hintergrund rücken»

Nach Rio war das Zerwürfnis so gross, dass eine Mediation helfen sollte. Sie ergab, dass Fluck sich künftig nicht mehr um die Selektion der Trainer kümmern müsse. Das hätte künftig Stingelin tun sollen – in Bezug auf Tokio 2020 habe es aber danach ausgesehen, als ob die Aufgabe wieder an ihm hängen bliebe und wieder nur zwei Trainer-Plätze frei sein würden.

Was sich Fluck von seinem Alleingang erhofft? «Mir geht es um den Turnsport in der Schweiz.» Und in der STV-Führung müssten gewisse Herren etwas demütiger werden. Vor allem den Chef Spitzensport, Felix Stingelin: «Er müsste sein Ego in den Hintergrund rücken.»

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