Switzerland

Er schreibt schnell und viel

Der in Berlin lehrende Kulturphilosoph Byung-chul Han hat einen international beachteten Artikel geschrieben, in dem er erklärt, warum asiatische Länder im Kampf gegen das Coronavirus erfolgreicher sind als westliche.

«Europa scheitert»: Der Philosoph und Zivilisationskritiker Byung-chul Han.

«Europa scheitert»: Der Philosoph und Zivilisationskritiker Byung-chul Han.

Foto: S. Fischer Verlag

Ein Mann verlässt in China einen Bahnhof, eine Kamera filmt ihn, misst seine Körpertemperatur, und falls er Fieber hat, schickt sie eine Warnung auf die Handys all seiner Mitreisenden. Eine Frau nähert sich in Südkorea einem Gebäude. Bevor sie es betritt, warnt eine App sie, dass darin kürzlich jemand positiv auf das Coronavirus getestet wurde.

Mit diesen und anderen Beispielen erklärt der in Berlin lebende und lehrende Philosoph Byung-chul Han, weshalb asiatische Länder bei der Eindämmung des Erregers so viel erfolgreicher sind als westliche: weil sie auf digitale Überwachung setzen, bedingungslos und ohne jede Scheu davor, die Privatsphäre ihrer Bürger zu verletzen. Als gebürtiger Südkoreaner kann es sich der 61-Jährige in seinem von mehreren internationalen Medien publizierten Text auch erlauben, einige Dinge zu sagen, die bei einem Westler etwas klischiert klängen, um nicht zu sagen rassistisch: «In asiatischen Ländern herrscht eine autoritäre Mentalität, die kulturell bedingt ist (Konfuzianismus). Die Leute sind weniger widerspenstig und gehorsamer als in Europa, und staatsgläubiger

Der böse Neoliberalismus

Eigentlich habe er vorgehabt, in Seoul Metallurgie zu studieren, erzählt Han in einem Interview mit der «Zeit», aber dann habe sich beim Basteln und Experimentieren eine gewaltige Explosion ereignet. Er sei fast erblindet und trage noch heute Narben. So habe er sich für die Geisteswissenschaft entschieden, denn: «Auch Denken ist Basteln. Und das Denken kann zu einer Explosion führen.»

Han studierte in Freiburg und München Philosophie, Germanistik und Theologie, habilitierte sich in Basel und ist heute Professor für Philosophie an der Universität der Künste in Berlin. Manche nennen ihn Pop-Philosoph. Han schreibt unglaublich schnell und viel, aber er gilt als öffentlichkeitsscheu und asketisch. Die Liste seiner Publikationen besteht grösstenteils aus schmalen Bänden mit Analysen zu Gegenwart und Zeitgeist, stets mit kulturpessimistischem Unterton, stets zivilisationskritisch wehklagend über Marktwirtschaft, Neoliberalismus und Konsumismus.

Charakteristisch für die heutige Gesellschaft ist die Beseitigung jeder Negativität.

Byung-chul Han

Han erörtert Globalisierung, Buddhismus, Pornografie, Entschleunigung, Müdigkeit, Aufmerksamkeit, Burn-out. Er kommt zum Schluss, es herrsche heute «der Terror des Gleichen», der «alle Lebensbereiche erfasst» und «den Anderen» auslösche. Äusserer Zwang sei im Kapitalismus durch inneren ersetzt worden. Oder: «Charakteristisch für die heutige Gesellschaft ist die Beseitigung jeder Negativität.»

Die Verheerungen und Gefahren der Corona-Krise müssen indessen nicht herbeiphilosophiert werden, sie stehen allen in ihrer ganzen Schrecklichkeit vor Augen. Vielleicht ist das der Grund, weshalb Hans Text über das Coronavirus für einmal anschaulich und konkret daherkommt. Seine Schlussfolgerung: Wenn die asiatischen Länder mit ihrer digitalisierten Rundumüberwachung das Virus erfolgeich eindämmen, dann wird ihr Vorgehen auch bei uns vielen berechtigt erscheinen. Selbst dann noch, wenn die Krise vorüber ist. Und das wäre schrecklich.

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