Switzerland

Einst als Spinner abgestempelt – jetzt feiern die Naturfreunde ihr 100-jähriges Jubiläum

«Die Sektion Lenzburg darf die Hütte nicht bauen.» An einem Samstag im Herbst 1936, zu vorgerückter Stunde, erteilt die Bezirksleitung an ihrer Sitzung im Aarauer Naturfreundehaus in der Schafmatt dem Anliegen der Lenzburger eine Abfuhr. Die Begründung: Das finanzielle Risiko sei viel zu hoch. Zudem wurde die politische Grosswetterlage gegen Ende 1936 als viel zu unsicher eingeschätzt.

Die zwei Teilnehmer der Lenzburger Naturfreunde gaben sich vom Verdikt der Bezirksleitung unbeeindruckt. Die Teehütte im Tellmätteli oberhalb von Oberflachs, wie die Lenzburger ihr erstes Haus nannten, stehe bereits, beschieden sie den verdutzten Anwesenden. Just an diesem Samstag sei sie aufgebaut worden und bleibe dort auch stehen. Anschliessend ergriffen die zwei Lenzburger ihre Rucksäcke, wünschten eine gute Nacht und machten sich zu Fuss auf den Heimweg. So ist die Episode überliefert.

Die Naturfreunde Lenzburg sind eine von 15 Sektionen im Kanton Aargau. Dem Verein wird eine gewisse Umtriebigkeit nachgesagt. Trügt dieses Bild? Vereinspräsident Peter Heimgartner lacht. «Wir schauen gut zu unserem Haus, wenn Sie das meinen. Es ist das Herzstück der Lenzburger Naturfreunde.» Das Angebot werde geschätzt, das beweise auch «die Gastig, die regelmässig zu uns auf die Gislifluh kommt». 52 Mal im Jahr, jeweils am Sonntag, wird das Naturfreundehaus zur Besenbeiz; bei jeder Witterung. Dann kommen Suppe, heisse Würstli und selbst gebackener Kuchen auf den Tisch. Das blieb im Volk nicht unbemerkt, und mit der Zeit ist das Naturfreundehaus Gislifluh zu einem beliebten Ausflugsziel geworden. So ist es bis heute geblieben.

Verein in düsterer Zeit gegründet

In diesem Jahr feiern die Lenzburger Naturfreunde ihr 100-jähriges Bestehen. Am 20. November 1920 trafen sich 15 Männer im Restaurant Sternen und gründeten die Ortsgruppe der Naturfreunde. Die Gründungsmitglieder kannten sich von der Gewerkschaft und aus der Sozialdemokratischen Partei. Nebst dem politischen Gedankengut vereinte die Genossen die Freude an der Natur und deren Schutz. Auch das Gesellige sollte nicht zu kurz kommen. Der Jahresbeitrag betrug acht Franken. Lenzburg zählte damals 3500 Einwohner.

Lange war das Verhältnis zur Bevölkerung im Schenkenber­gertal angespannt. Zu dieser Zeit seien die Naturfreunde nicht überall gerne gesehen gewesen, schon allein der politischen Gesinnung wegen, weiss Präsident Heimgartner. Auch im Tal habe man sich die Mäuler zerrissen über «die Roten» auf der Gisli­fluh. Die Lenzburger hätten mit einer gewissen Überheblichkeit darauf reagiert, erzählt Heimgartner, der diese Zeit teilweise sogar miterlebt hat. Der 68-Jährige ist seit einem Vierteljahrhundert Mitglied der Naturfreunde und präsidiert den Verein seit zehn Jahren. Das sei nicht mehr so: Heute setze man sich gemeinsam an den Tisch.

1950 konnten die Lenzburger das Land, auf welchem die Teehütte stand, erwerben. Für die 16 Aren Land mussten sie 1600 Franken auf den Tisch legen. 1970 erfolgte der Spatenstich zum heutigen Naturfreundehaus Gislifluh. Die Vereinsmitglieder packten tüchtig an und leisteten unzählige Stunden Fronarbeit. Im September 1972 wurde das Haus eröffnet. Bei der feierlichen Einweihung hielt der damalige Regierungsrat Arthur Schmid, ebenfalls begeisterter Naturfreund, in seiner Grussbotschaft fest, dass die Naturfreunde in den Anfängen als Spinner abgestempelt worden seien. Und zwar deshalb, weil sie den Schutz der Natur schon früh hochhielten, lange bevor das Thema ins öffentliche Interesse rückte. Der Bauerei wegen ging 1970 sogar das 50-Jahre-Jubiläum des Vereins vergessen.

Jubiläumsfest fiel Corona zum Opfer

Zu den Vereinsaktivitäten sagt Peter Heimgartner: «In den vergangenen zwanzig Jahren haben sich diese stark verändert: Mehrtageswanderungen, Berg- und Klettertouren sind der intensiveren Betreuung des Naturfreundehauses gewichen. Das Vereinsleben findet grossenteils im Schenkenbergertal statt.» Dort wurden in dieser Zeit rund 300000 Franken investiert und unzählige Stunden ehrenamtlich geschuftet. «Wir sind finanziell gut aufgestellt.» Darauf ist der Vereinspräsident stolz. In der Kasse sehe es sogar so gut aus, dass man die finanzielle Corona-Unterstützung aus Bern habe ausschlagen können.

Das Naturfreundehaus Gislifluh ist geräumig: In der Gaststube im Erdgeschoss hat es Platz für 60 Personen und eine grosse Küche, im Cheminéeraum im Untergeschoss sind 30 Plätze, eine kleine Küche und Nebenräume. Im Dachgeschoss befinden sich 4 Schlafräume mit 26 Betten (Massenlager) und eine WC-Anlage. Das Haus kann gemietet werden.

Corona macht einen dicken Strich durchs Jubiläumsjahr. Das geplante grosse Fest im August wurde kürzlich abgesagt. Die Enttäuschung war gross. Inzwischen macht sich wieder Optimismus breit. Nach den jüngsten Lockerungsmassnahmen des Bundes will der Vereinsvorstand nächste Woche das Datum für die Wiedereröffnung des Hauses festlegen.

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