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Switzerland

«Einschränkung ihrer Freiheit»: Darum drehen Autofahrer wegen Tempo 100 durch

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von B. Zanni - Künftig nur noch mit 100 statt mit 120 km/h über die Autobahn zu brettern, ist für viele Lenker unvorstellbar. Ein Verkehrspsychologe erklärt, warum.

Nach dem Vorbild der Niederlande sollen auch Schweizer Lenker das Gaspedal etwas weniger herunterdrücken. So sympathisiert der Verkehrsclub mit einer Tempolimite von 100 Kilometern pro Stunde auf Schweizer Autobahnen. Tempo 100 sei eine der wenigen sofort und direkt wirkenden Klimamassnahmen, argumentiert der Projektleiter Verkehrspolitik beim VCS. Leser haben sich in über 1000 Kommentaren zum Vorhaben geäussert.

Umfrage

Könnten Sie sich mit Tempo 100 auf der Autobahn anfreunden?

Viele wehren sich mit Händen und Füssen gegen die Tempolimite. «Gehen wir doch wieder zurück in die Welt der Maulesel und Pferde», empört sich ein Leser. Ein weiterer Leser findet: «Dann brauchts keine Autobahnen mehr.» Andere zeichnen eine düstere Zukunft: «Dann geht’s nicht lange und wir dürfen nur noch 80 fahren.» Verkehrspsychologe Urs Gerhard erklärt, warum die vom VCS vorgeschlagene Reduktion von 20 km/h Lenker auf die Palme bringt.

Herr Gerhard, woran liegt es, dass sich viele Lenker mit Tempo 100 auf der Autobahn nicht anfreunden können?
Es ist eine natürliche Reaktion, dass sich der Bürger gegen alles wehrt, was seine Freiheit einschränkt. Viele Leute reagieren auf jede Einschränkung ihrer Freiheit extrem. Das war auch früher schon so.

Zum Beispiel?
Als vor 50 Jahren Tempo 60 innerorts eingeführt wurde, gab es eine Welle der Entrüstung. Dasselbe passierte 1985 bei der Reduktion von Tempo 130 auf 120 auf der Autobahn. Auch, als die Sicherheitsgurtpflicht 1971 eingeführt wurde, opponierten Bürger massiv. Heute hingegen käme es niemandem mehr in den Sinn, diese Änderungen zu bekämpfen.

Sind die Schweizer stur?
Nein. Wir sind lediglich alle Gewohnheitstiere. Ein gutes Beispiel dafür ist auch die Arbeitswelt. Sobald in einer Firma Änderungen angekündigt werden, stehen erst einmal alle Mitarbeiter Kopf. Aber sobald die Änderungen umgesetzt wurden, redet keiner mehr davon.

Wie kommt es aber, dass eine Temporeduktion von gerade einmal 20 Prozent zum Beispiel für einen Leser die Autobahn bereits überflüssig macht?
Die grüne Welle nach den Eidgenössischen Wahlen löst bei einigen Bürgern viel Skepsis aus. Sie befürchteten deshalb, dass der Staat ihre Freiheit zugunsten der Umwelt zusehends beschneidet.

Dabei würde der Autofahrer aber selber auch profitieren: Optimal läuft der Verkehr auf einer vierspurigen Schweizer Autobahn laut dem Bundesamt für Strassen bei einem Tempo zwischen 80 und 90.
Darüber macht sich der empörte Autofahrer keine Gedanken mehr. Er weiss auch kaum, wie viel Zeit er verliert, wenn er 20 km/h weniger schnell unterwegs sein darf. Bei einer Temporeduktion steht für ihn einzig und allein das Prinzip der Freiheitsberaubung im Vordergrund. Sobald aber Tempo 100 umgesetzt wäre, würden die empörten Stimmen rasch verstummen. Die Gewöhnungsphase dauert nicht lange. Danach betrachtet man die neue Regeln als selbstverständlich. Ein gutes Beispiel ist das Rauchverbot in Restaurants. Wer wollte heute noch zurück zu verqualmten Restaurants beim Essen?

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