Switzerland

Einer wie er: Ivan Glasenberg übergibt bei Glencore das Zepter an Gary Nagle

Ivan Glasenberg, der langjährige Chef des Rohstoffkonzerns Glencore, zurrt seine Nachfolge fest. Er bezeichnet das Unternehmen als «gut aufgestellt». Auf seinen Nachfolger Gary Nagle warten einige Baustellen.

Ivan Glasenberg, abtretender CEO von Glencore, Anfang 2020 am WEF in Davos.

Ivan Glasenberg, abtretender CEO von Glencore, Anfang 2020 am WEF in Davos.

Simon Dawson / Bloomberg

Nun ist die Katze aus dem Sack: Der Rücktritt von Ivan Glasenberg als Chef des schweizerischen Rohstoffkonzerns Glencore war bereits seit langem erwartet worden. Doch wer auf ihn folgt, war offen – bis jetzt. Er werde in sechs Monaten als Konzernchef und aus dem Verwaltungsrat zurücktreten, sagte Glasenberg an einer Online-Investorenkonferenz am Freitag. Nachfolger von Glasenberg, der seit 2002 dem Rohstoffkonzern vorsteht, wird Gary Nagle, der derzeit in Australien Chef der Kohleförderung im Unternehmen ist.

Generationenwechsel an der Spitze

Als Glasenberg im vergangenen Jahr gefragt worden war, welche Qualitäten der Nachfolger haben solle, antwortete er: «Er soll so sein wie ich.» Unter den drei Kandidaten, die am meisten genannt wurden, trifft dies bei Nagle bereits bei den biografischen Daten zu: Wie Glasenberg ist er gebürtiger Südafrikaner, hat an der Universität von Witwatersrand in Südafrika Rechnungswesen studiert und ist beruflich in der Kohleabteilung gross geworden. Neben Nagle waren auch Kenny Ives, der den Bereich Nickel leitet, und Nico Paraskevas, der für den Kupferhandel zuständig ist, als mögliche Nachfolger im Rennen gewesen.

Dass Glasenberg Glencore geprägt hat, ist eine Untertreibung. Im Jahr 1984 begann er als Kohlehändler bei der Vorgängerfirma von Glencore, der Marc Rich + Co., war dabei, als der legendäre Gründer Marc Rich ausbezahlt wurde, stieg unaufhaltsam zum Konzernchef auf, gleiste den Börsengang des Rohstoffriesen 2011 auf, führte die Übernahme des Bergbauunternehmens Xstrata durch und hält knapp mehr als 9% der Aktien des Unternehmens. Glasenberg ist einer der letzten Händler der alten Garde, die der Branche ihren Stempel aufgedrückt haben.

Der Generationenwechsel war bei Glencore bereits vor einiger Zeit eingeleitet worden. Die meisten alten Mitstreiter Glasenbergs, die immer noch grosse Aktienpakete am Unternehmen halten, haben in den vergangenen zwei Jahren das Unternehmen verlassen. Einzig Tor Peterson, der Chef des Kohlehandels, hat sich noch gehalten. Der Wechsel vom 63-jährigen Konzernchef zum 45-jährigen Nagle ist der Abschluss des Prozesses an der Spitze. Die Covid-19-Pandemie hat wohl den Stabwechsel verzögert, weil Glasenberg seinen Nachfolger persönlich bei den Kunden einführen möchte, wie er im Gespräch mit der NZZ sagte. Offenbar geht man bei Glencore davon aus, dass ab der ersten Hälfte des nächsten Jahres weltweites Reisen wieder vermehrt möglich sein wird.

Festhalten an der Firmenkultur

Für Kontinuität ist trotz dem Generationenwechsel gesorgt. Alle drei Kandidaten sind zwar in ihren Vierzigern, sie haben jedoch schon etliche Jahre im Unternehmen auf dem Buckel. Nagle kann bereits auf eine Karriere von 21 Jahren beim Rohstoffkonzern blicken. Für Glasenberg war eine interne Berufung wichtig. «Wer einen von aussen holen muss, der hat seinen Job nicht richtig gemacht», sagte Glasenberg, was durchaus auch als Seitenhieb auf die Schweizer Grossbanken verstanden werden kann.

Am Freitag betonte Glasenberg, dass Nagle die Firmenkultur erhalten werde. Glencore gilt innerhalb der Branche als aggressiv, was teils bewundernd, teils kritisch gemeint ist. Das Unternehmen sieht sich nach dem Börsengang und der vollständigen Übernahme des Bergbaukonzerns Xstrata als ein Zwitter zwischen einem traditionellen Bergbauunternehmen und einem schnell agierenden Rohstoffhändler. Kritisch wird die Firmenkultur von einigen Nichtregierungsorganisationen gesehen, die dem Konzern Menschenrechtsverletzungen, Umweltschäden und Korruption vorwerfen. Die am vergangenen Sonntag an der Urne gescheiterte Konzernverantwortungsinitiative hatte auch den Spitznamen «Lex Glencore».

Über die Jahre und unter der Führung von Glasenberg hat sich jedoch das Gesicht des Unternehmens verändert: Aus dem reinen Händler wurde ein Konzern mit einem breiten Portfolio an Minen. Der Charakter von Glencore als Bergbaukonzern wurde auch mit der vor zwei Jahren neu geschaffenen Stelle aufgewertet, in der zentral alle Bergbauaktivitäten koordiniert werden und die vom erfahrenen Peter Freyberg besetzt wird.

Der Umstand, dass Nagle aus dem Bergbaubereich kommt, verstärkt diese Wahrnehmung noch. Der Südafrikaner begann zunächst in der Kohleabteilung des Unternehmens in der Schweiz. Vor Australien leitete er Prodeco, die Kohletochter in Kolumbien, und die Ferrochrom-Förderung in Südafrika.

Langer Abschied von der Kohle

Glasenberg bezeichnete am Freitag den Konzern als «gut aufgestellt». Auf Nagle warten aber einige Baustellen. Vor zwei Jahren hatten zunächst amerikanische und dann auch britische und Schweizer Behörden damit begonnen, Untersuchungen wegen des Verdachts auf Bestechung und Korruption in Kongo-Kinshasa, Nigeria und Venezuela einzuläuten. Auch das Geschäftsgebaren in Brasilien wird untersucht. Seit dem Börsengang hat sich der Aktienkurs halbiert. Glencore konnte nie ein bedeutendes Eisenerzgeschäft aufbauen, das die Grundlage für die grössten Konkurrenten wie BHP, Rio Tinto oder Vale ist.

Seit dem Börsengang hat sich der Aktienkurs halbiert

Aktienkurs von Glencore, in Pence

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Viele Investoren sehen zudem Glencores Kohleförderung kritisch. Um diesen Stimmen den Wind aus den Segeln zu nehmen, kündigte das Unternehmen an, bis 2050 das Ziel von Netto-null-Emissionen anzustreben. Der Konzern will seinen CO2-Ausstoss bis 2035 um 40% senken, verglichen mit 2019. Dies soll vor allem dadurch erreicht werden, dass die Vorkommen ausgebeutet und erschöpft werden.

Für die grüne Revolution sieht sich Glencore durch die Förderung von Metallen wie Kobalt, Kupfer, Nickel oder Zink gut gerüstet, die für Elektroautos und Batterien benötigt werden. Investitionen sollen vor allem in diese Bereiche fliessen. Dass ausgerechnet der derzeitige Kohlechef als Konzernleiter über den Abbau des Kohlegeschäfts wachen soll, ist eine ironische Randbemerkung.

Nagle wird Anfang des nächsten Jahres in die Schweiz ziehen. Glasenberg beteuerte, sich auch aus dem Verwaltungsrat zurückziehen zu wollen. Gleichzeitig stellte er klar, dass er seine Glencore-Aktien nicht verkaufen werde. Er habe volles Vertrauen, dass Nagle gut auf seine Investition aufpassen werde, sagte Glasenberg, der 2010 Schweizer Staatsbürger geworden ist. Im Gespräch mit der NZZ deutete er jedoch an, dass er seinen Einfluss durchaus geltend machen könne: «Als Aktionär mit einer Beteiligung von fast 10% habe ich ohnehin genug Gewicht, um falls nötig direkt mit dem neuen Chef zu sprechen. Dafür muss ich nicht im Verwaltungsrat sitzen.»

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