Switzerland

Eine Demütigung so heftig wie noch nie – Frauennati zittert nach 0:4 um EM-Teilnahme

Wieder jubelt eine Belgierin, während die Schweizerinnen bedient sind. Bild: www.imago-images.de

Zwei schlimme Fehler von Torhüterin Elvira Herzog, Captain Lia Wälti mit einer Hirnerschütterung verloren und die Qualifikation für die EM-Endrunde in Gefahr. Die Schweiz erlebt in Belgien einen Abend zum Vergessen.

Etienne Wuillemin, David Umiker / CH Media

Irgendwann blieb nur noch das Staunen. Kann das wirklich sein? Sind das tatsächlich die Schweizer Nationalspielerinnen, die da auf dem Rasen­ stehen? Die sich ohne erkennbare Gegenwehr ihrem Schicksal fügen? Die nur noch das Ende dieser Demütigung ersehnen?

Ja, die Schweiz verliert das letzte EM-Qualifikationsspiel der Gruppenphase in Belgien gleich 0:4. Es ist ein schlimmer Abend. Einer, der viele Fragen aufwirft. Und viele bittere Erkenntnisse liefert.

Torhüterin Elvira Herzog erlebte einen rabenschwarzen Abend. Bild: www.imago-images.de

Natürlich, es half nicht, dass die 20-jährige Ersatztorhüterin Elvira Herzog zwei schlimme, entscheidende Fehler machte, die zum 0:1 und zum 0:3 führten. Natürlich, es half nicht, dass Captain Lia Wälti bereits nach 40 Minuten ausgewechselt werden musste, weil sie bei einem Zusammenprall eine Hirnerschütterung erlitt. Trotzdem ist es rätselhaft, wie sehr das Schweizer Team auseinanderfiel. Wie wenig Lust und Energie und Auflehnung zu sehen waren.

Die kritischen Worte nach der Ernüchterung

Überzeugend war nur eines: die Analyse nach dem Spiel. ­Dafür zuständig war Ana-Maria Crnogorcevic. «Wir haben alles vermissen lassen, was es für ein solches Topspiel braucht. So eine Leistung reicht einfach nicht, egal gegen welchen Gegner. Wir hatten kein Durchsetzungsvermögen, gewannen keine Zweikämpfe, ­waren immer einen Schritt zu spät. Wir waren einfach richtig schlecht.»

Nationaltrainer Nils Nielsen sagte derweil: «Belgien war besser, das müssen wir anerkennen. Wichtig ist, dass wir wieder aufstehen, zurückkommen und zeigen, wie stark wir als Team sind.» Auch er verbarg seine Enttäuschung nicht. Ist aber überzeugt von einer starken Reaktion im nächsten Jahr. Es ist die erste Niederlage für Nielsen, seit er 2019 das Schweizer Team übernommen hat. Doch diese fällt so heftig aus, dass man sich kaum an einen schlimmeren Auftritt in der Vergangenheit erinnert.

Direkt nach dem Schlusspfiff erfolgt eine erste Manöverkritik. Bild: www.imago-images.de

Nun folgt wohl die nervenaufreibende Barrage

Eigentlich wollten sich die Schweizerinnen direkt für die EM qualifizieren. Ein Unentschieden in Belgien hätte dafür bereits gereicht. Und im Vorfeld der Partie war bei den Schweizer Spielerinnen die Überzeugung gross, die Reifeprüfung in Belgien zu bestehen. Nur: Das Team wirkte mit dem Ziel vor Augen blockiert. Und darum beginnt nun das grosse Zittern.

Zwei Varianten gibt es noch, dass die Schweizerinnen die Endrunde in England im Juni 2022 bestreiten dürfen. Die eine ist: sie gehören nach Abschluss aller Qualifikationsgruppen doch noch zu den drei bestklassierten Zweitplatzierten, dann, wenn die wegen Corona verschobenen Spiele nachgeholt sind. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall eintritt, ist sehr klein. Darum muss die Schweiz aller Voraussicht nach mit Variante zwei rechnen und im April 2021 eine Barrage mit Hin- und Rückspiel bestreiten. Die Siegerinnen belohnen sich mit der EM.

Es würden bestimmt Erinnerungen wach an 2018. Damals verpasste die Schweiz in letzter Sekunde die WM-Qualifikation. Nun geht es für Trainer Nielsen darum, die Dämonen von ­damals gar nicht erst zuzulassen. Das ist ihm, trotz der grossen Enttäuschung von gestern, durchaus zuzutrauen.

Stromausfall nach 40 Sekunden bezeichnend fürs Schweizer Spiel

Der Beginn des Spiels war für die Schweiz irgendwie bezeichnend. Nach 40 Sekunden ging im Stadion das Licht aus, wegen eines Stromausfalls musste die Partie für mehrere Minuten unterbrochen werden. Den Schweizerinnen fehlte auch danach jede Energie. Keine einzige Chance erspielten sie sich.

Und so wurde Torhüterin Herzog zur tragischen Figur. Sie kam nur deshalb zum Einsatz, weil Gaëlle Thalmann positiv auf Corona getestet wurde. Und konnte ihre Nervosität nie verbergen. Vielleicht auch, weil ihr letzter Ernstkampf bereits gut fünf Monate zurückliegt. Es ist zu befürchten, dass sie sich noch lange an diesen Abend erinnert.

DANKE FÜR DIE ♥

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren

(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

5 CHF

15 CHF

25 CHF

Anderer

Tierische Störenfriede im Sport

11 Drinks, die du garantiert falsch aussprichst

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Zum Tod von Diego Maradona: Wie die «Hand Gottes» zur Legende wurde

Diego Armando Maradona stirbt im Alter von 60 Jahren. Kein anderer Spieler hat je eine WM so dominiert wie Diego Maradona 1986. Die beiden Treffer gegen England haben ihn nicht nur in Argentinien zum Fussballgott gemacht.

Diego Maradonas Augen waren noch glasig, sagen diejenigen, die ihn an diesem 22. Juni 1986 in der Kabine haben sitzen sehen. Sein Lächeln sei steinern gewesen. Er war sich bewusst, dass er mit seinem Tor zum 2:0 gegen England einen Akt sublimer Kunst vollbracht hatte. Sublime Kunst bedeutet, etwas Grosses, Überwältigendes, das nur mit dem Gespür für das Aussergewöhnliche überhaupt verstanden und nicht wiederholt werden kann.

Das war sein sublimes Kunststück: Er startete in der eigenen …

Link zum Artikel

Football news:

Real ist zuversichtlich, dass PSG 150 Millionen Euro für Mbappé verlangen wird. Madrid ist nicht bereit, so viel zu bezahlen, weil Real Madrid glaubt, dass die übernahme von PSG-Stürmer Kilian Mbappé problematisch sein wird. Der Madrider Klub ist überzeugt, dass die Pariser für den Fußballer rund 150 Millionen Euro verlangen werden. Real Madrid werde solche Forderungen nicht erfüllen können, sagte der Journalist José Pedrérol in der übertragung von Jugones auf El Chiringuito
Arteta über Özil: es Ist immer traurig, wenn Eine solche Figur verschwindet
Alaba wechselt im Sommer zu Real Madrid. Ein Vertrag über 4 Jahre ist vereinbart, ein Gehalt von rund 11 Millionen Euro (Marca)
Stefano Pioli: In der Tabelle sehen wir uns im April an. Für Milan ist jedes Spiel das wichtigste
Zlatan Ibrahimovic: zusammen mit Mandzukic werden wir Milan-Gegner erschrecken. Nach dem 2:0-Sieg über Cagliari Calcio hat Milan-Stürmer Zlatan Ibrahimovic im Team von Neuzugang Mario Mandzukic einen Vertrag unterschrieben
Milan erzielte 43 Punkte in 18 Runden-das beste Ergebnis seit der Saison 2003/04. Das Team von Stefano Pioli führt die Tabelle der Serie A an, hat 43 Punkte in 18 spielen und liegt 3 Punkte vor dem Zweitligisten Inter Mailand
Aubameyang hat zum ersten mal in der Saison einen Doppelpack erzielt. Paris (dpa)-Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang hat den ersten Assist für Arsenal geholt