Switzerland

Ein Wolfsgraben zieht sich durch die Schweiz

Dem Wolf geht es nicht an den Kragen. Eine knappe Mehrheit aus den städtischen Kantonen des Mittellandes hat das Jagdgesetz abgelehnt und damit die Bergkantone marginalisiert.

Präventive Abschüsse von Wölfen bleiben nach dem Nein zum Jagdgesetz verboten.

Präventive Abschüsse von Wölfen bleiben nach dem Nein zum Jagdgesetz verboten.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Der Krimi um das revidierte Jagdgesetz dauerte lange und nahm erst ganz am Schuss die entscheidende Wende. Lange lagen die Befürworter einer Lockerung des Wolfsschutzes leicht vorn. Doch als nach der Waadt im letzten Schub noch die bevölkerungsreichen Kantone Bern, Zürich und Aargau ihre Resultate lieferten, kippte das Resultat ins Nein. Mit einem Anteil von knapp 52 Prozent Nein-Stimmen scheiterte die Revision des Jagdgesetzes schliesslich, obwohl sich in 15 Kantonen Mehrheiten dafür ergeben hatten. Am deutlichsten war die Ablehnung in städtischen geprägten Kantonen des Mittellandes wie Basel-Stadt, Schaffhausen, Genf mit mehr als 60 Prozent Nein-Stimmen, gefolgt von den Agglomerationskantonen wie Zürich, Basel-Landschaft, Solothurn, Aargau, Bern, Waadt mit zum Teil deutlich über 55 Prozent Nein-Anteil.

Nein × 1 653 873

1 530 811 × Ja

26/26 Kantone ausgezählt

letztes Update vor 3 Stunden

53.0% Ja

ja

70.8% Ja

ja

42.6% Ja

nein

36.1% Ja

nein

36.7% Ja

nein

Auf der andern Seite fanden sich die kleinen, wenig besiedelten, ländlichen und alpin geprägten Kantone. Appenzell Innerrhoden erbrachte mit über 70 Prozent Ja-Stimmen die höchste Zustimmung. Hohe Werte erzielte das Gesetz in den zwei Kantone mit den meisten Wölfen: Im Wallis waren es 68,6 Prozent ja, und in Graubünden 67,3 Prozent Ja. Spitzenwerte mit über 90 Prozent Ja lieferten Gemeinden in abgelegenen Tälern wie Embd im Mattertal, Mathon im Hinterrheintal und Spiringen am Klausenpass in Uri.

Ein Riss entlang der Voralpen

Damit ist klar: Die Schweiz ist vom Bodensee bis an den Genfersee entlang der Voralpen gespalten. Je ländlicher und je weiter oben die Leute leben, und je eher sie mit dem Wolf in Berührung gekommen sind oder kommen könnten, desto wolfsfeindlicher sind sie eingestellt. Und umgekehrt gilt: Je flacher, urbaner und dichter die Bevölkerung lebt, und je weniger sie Wölfe in der Nachbarschaft erwarten muss, desto höher gewichtet sie den Schutz des Wolfes.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga betonte in ihrer Reaktion, dass sich das Nein zur Lockerung des Wolfsschutzes nicht gegen die Berggebiete, die Schafzüchter und Älpler richte. Es bedeute, dass die Mehrheit an den heutigen Regelungen nichts ändern wolle. Damit seien präventive Eingriffe in Wolfsrudel nicht zulässig, und der Bund behalte das letzte Wort, wenn es um Abschüsse gehe. «Es ist dem Bundesrat bewusst, dass es gerade in den Berggebieten, wo viele Menschen auf ein Ja gehofft haben, jetzt eine gewisse Enttäuschung da ist», sagte sie. Das Nein sei vielmehr eine Rückmeldung der Stimmberechtigten an den Bundesrat und das Parlament, dass die Vorlage knapp nicht überzeugt habe. Es sei eine Erinnerung daran, dass es immer wieder einen Ausgleich der Interessen brauche. Gemeinsam sei der Wille zum Schutz der Natur und der Artenvielfalt, hier brauche es zusätzliche Anstrengungen. Ein anderes Anliegen sei, dass keine Region abgehängt werde. Was dies nun für den Umgang mit einer sich ausbreitenden Wolfspopulation heisst, liess Sommaruga offen. Es sei nicht am Bundesrat, Signale zu geben, dies müssten jene tun, welche das Gesetz bekämpft hätten.

Berggebiete fühlen sich im Stich gelassen

Die Verlierer reagierten enttäuscht und warfen den siegreichen Naturschutzverbänden vor, mit einer millionenschweren Kampagne das Stimmvolk getäuscht und ein fortschrittliches Jagdgesetz auf Jahre hinaus verhindert zu haben. «Mit diesem Entscheid hat es die Stimmbevölkerung heute verpasst, den Tier- und Artenschutz zu stärken und klare Regeln für das Nebeneinander von Wolf und Nutztieren zu setzen», teilten JagdSchweiz, der Schweizer Bauernverband und die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Berggebiete mit. Die Konflikte würden zunehmen und die Alp- und Bergwirtschaft vor grosse Herausforderungen stellen, gerade sie, die einen wichtigen Beitrag zur Pflege der Kulturlandschaft und zur nachhaltigen Landwirtschaft leiste.

Der Bündner CVP-Ständerat Stefan Engler, der die Gesetzesrevision vor Jahren mit einer Motion angestossen hatte, sagte am Fernsehen SRF, es sei offensichtlich nicht gelungen, die Nöte der Bergbevölkerung in den Städten im Mittelland bewusst zu machen. «Und es ist nicht gelungen, aus den Köpfen hinaus zu bekommen, dass es nicht um die Ausrottung der Wölfe geht.» Die Bergler fühlten sich im Stich gelassen. Man müsse sich nun fragen, ob es in den Bergen nur noch reine Wildnis geben solle oder ob hier auch Menschen leben und arbeiten sollen.

Sieger versprechen «Jagdgesetz mit Augenmass»

Die Umwelt- und Naturschutzverbände zeigten sich nach ihrem Sieg bestärkt. Sie hatten in der Kampagne von einem «missratenes Abschuss-Gesetz» gesprochen und ein Nein als Chance für einen Neuanfang bezeichnet. Nun kündigten sie an, bereits in der kommenden Wintersession einen Vorstoss für ein «Jagdgesetz mit Augenmass» einzureichen. In welche Richtung es gehen soll, machten sie auch gleich klar: Bedrohte Arten wie Feldhase, Birkhahn, Schneehuhn und Waldschnepfe sollen unter Schutz gestellt werden. Luchs, Biber und weitere geschützte Arten sollen wie heute geschützt bleiben. Beim Wolf gaben die Naturschutzverbände nun im Nachhinein zu, dass es eine Regulierung der Wolfsbestände braucht. Wörtlich heisst es: «Wo nötig massvolle Regulierung des Wolfes, welche die Bestände und Rudel sichert und zugleich Anliegen der Bevölkerung aufnimmt.»

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