Switzerland

Ein Tankstellennetz der anderen Art: Wasserstoff erobert die Schweiz

Den Batch dieser Veranstaltung werde er behalten, sagt der Solarflug-Pionier Bertrand Piccard an der Eröffnung der ersten Wasserstoff-Tankstelle der Avia in St.Gallen. Und zwar als Erinnerung an einen historischen Tag, an dem sich ein neuer, umweltfreundlicher Energieträger seinen Weg bahnt, der einen Systemwechsel ermöglichen soll. «Vielleicht bin ich gestern zum letzten Mal mit Benzin von Lausanne nach St.Gallen gefahren», sagt Piccard.

Als er den Flugzeugkonstrukteuren seine Idee eines Solarflugzeugs vorgestellt habe, hätten ihm diese gesagt, sie bräuchten nur eine Minute, um zu erklären, dass das unmöglich sei. Piccard hat das Gegenteil bewiesen. Es brauche immer Menschen, die nicht in einem Dogma gefangen seien, sondern an das Unmögliche glaubten – und auch handelten. So wie die Vertreter verschiedener Firmen, die zur Eröffnung der Tankstelle der Firma Osterwalder in St.Gallen auf dem Podium sitzen. Diese haben die Huhn-und-Ei-Frage durchbrochen. Denn gibt es keine Tankstellen, kauft niemand ein Wasserstoffauto. Kauft niemand ein solches Auto, investiert auch keiner in die Infrastruktur.

Ingesamt sechs Tankstellen bis Ende Jahr

Nun werden nach der Inbetriebnahme dieser Tankstelle über die Schweiz verteilt noch dieses Jahr vier weitere dazukommen, in Rümlang (ZH), Zofingen (AG), Bern und Crissier (VD). Im aargauischen Hunzenschwil steht seit 2016 die bisher einzige H2-Tankstelle der Schweiz. So wird eine Fahrt mit einem Brennstoffzellenauto, das Wasserstoff als Energie nutzt, vom Bodensee bis zum Genfersee möglich werden. «Die Schweiz ist das erste Land, das eine Wasserstoff-Lastwagenflotte einsetzen kann», sagt Rolf Huber, Chairman der H2 Energy AG. Diese gehört zusammen mit dem Förderverein H2 Mobilität Schweiz und verschiedenen Firmen zu den Initianten des Wasserstoffsefforts, der komplett privatwirtschaftlich organisiert ist.

Aufgebaut wird die Infrastruktur durch die Nutzung von Wasserstoff-Lastwagen, die im Moment von Hyundai in die Schweiz geliefert werden. Mit diesen Lastwagen, welche Firmen wie Migros, Coop und Galliker bestellt haben, ist ein bestimmter Umsatz für die Tankstellen garantiert. Bereits im nächsten Jahr werden 150 ­Wasserstofflastwagen in der Schweiz im Betrieb sein. Zudem wird erwartet, dass auch der Verkauf von Brennstoffzellenautos mit der verbesserten Infrastruktur ansteigen wird.

1. Wird grüner Wasserstoff verwendet oder wie in anderen Ländern, einer, der bei der Produktion viele CO2-Emissionen verursacht?

«Wir haben uns in der Schweiz verpflichtet, ausschliesslich grünen Wasserstoff zu nutzen», sagt Martin Osterwalder. Das bedeutet, dass bei der Produktion nur erneuerbare Energie genutzt wird. Diese wird in Power-­to-Gas-Anlagen erstellt. In St.Gallen entsteht nächstes Jahr eine neue Produktionsanlage, die mit Strom aus einem Flusskraftwerk gespiesen wird und direkt über ein Camionsystem die Wasserstofftankstelle beliefert.

2. Ist Wasserstoff sicher?

Wasserstoff ist physikalisch betrachtet ein sicherer Energieträger als Benzin. Wasserstoff ist 14-mal leichter als die Luft, steigt bei einem allfälligen Austritt sofort empor, sodass es gar nicht zu einer Konzentration kommen kann, die so explosiv wäre wie Benzindampf. Zudem liegt der Wasserstoff in karbongefaserten Stahltanks, welche die Industrie schon lange kennt. Das Wasserstoffauto Nexo von Hyundai hat die höchste Sternenzahl bei der europäischen Crashtestbewertung erhalten.

3. Was kosten 100 Kilometer Wasserstoffautofahren?

Für 100 Kilometer Fahrt mit einem Brennstoffzellenauto braucht es ein Kilogramm Wasserstoff, das 11 Franken kostet, also etwa gleich viel wie Benzin.

4. Wie lange braucht das Tanken?

In zwei bis drei Minuten ist der Tank voll. Damit kommt man 650 Kilometer weit.

5. Hat es genug grünen Wasserstoff, wenn die Lastwagenflotte wie geplant ausgebaut wird?

Ja. Das lässt sich gut berechnen, da die Zahl der Lastwagen exakt bekannt ist. Lastwagen brauchen so viel Wasserstoff wie 60 Personenwagen. Die Routen der Lastwagen sind sternenförmig und planbar. Bis mehr Wasserstoffpersonenwagen auf der Strasse sind, wird es mehr Tankstellen wie auch Produktionsanlagen geben. Wasserstoff ist zudem ein geeignetes Speicherelement für überschüssigen Strom aus Sonnen- und Wasserenergie, der dann jederzeit gebraucht werden kann.

6. Sind Wasserstofftankstellen laut?

Bei der Kompression des Wasserstoffs wird Lärm erzeugt, der sich aber durch Schallisolation mindern lässt. Das Tanken selbst erzeugt keinen Lärm.

Football news:

Liverpool steht kurz vor dem Kauf von Verteidiger Olympiakos Tsimikas. Ärztliche Untersuchung-diese Woche
Barcelona will Bernard Silva Unterschreiben. City kann Semeda bekommen
Real plant, Dibalou zu kaufen und ist bereit, in den deal Kroos oder Isco (Sport Mediaset) aufzunehmen
Conte über Inter vor der Europa League: Weitermachen, stärker werden
Piontek ist für Fiorentine Interessant. Hertha will etwas mehr als 20 Millionen Euro
Bardzagli oder Grosso werden Pirlo bei Juventus U23 ersetzen
Daudov über Achmat: ich bin Sicher, mit jedem neuen Spiel wird die Mannschaft besser zusammenarbeiten