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Ein bisschen Magie und viel Wahnsinn

Selbst eine offizielle Verlängerung wäre bald vorbei. Es läuft die 99. Minute zwischen St. Gallen und YB, eine echte Verlängerung ist in diesem Liga-Spitzenkampf natürlich nicht vorgesehen, nur die Intensität der Partie verleitet zum Cup-Vergleich. Es sind 99 Minuten Kampf und Attraktion und auch ein bisschen Irrsinn, spätestens jetzt, als Guillaume Hoarau zum zweiten Penalty binnen Minuten anläuft, weil sich St. Gallens Goalie Lawrence Zigi beim ersten zu früh von der Linie weg bewegt hat. Erst pariert Zigi, dann trifft Hoarau, 3:3, YB holt spät den Punkt. Frust und Jubel treffen in einer intensiven Nachbearbeitung aufeinander.

«Es ist nicht unsere Aufgabe, Schiedsrichterleistungen zu kommentieren», sagt St. Gallens Trainer Peter Zeidler später, um zu einer zweiminütigen Sinnfrage über die Regelauslegung und den VAR anzusetzen. YB-Trainer Gerardo Seoane schafft es, sich eines Kommentars zur Entscheidung des Tages zu entziehen, attestiert dem Referee später einen «ruhigen Kopf in einem hitzigen Spiel».

Hoarau tritt gegen St. Gallens Goalie Zigi zum zweiten Mal an. (Quelle: SRF)

Es ist kein Spiel für Trainer. Vielmehr ist es eines für den Zuschauer, weil vogelwildes Abwehrverhalten auf unbändige Angriffslust trifft, weil die Dramaturgie einen unfassbaren Spielverlauf bereithält. Am Anfang treten die Young Boys vor allem als Zuschauer in Erscheinung. Sie schauen zu, wie St. Gallen sein Tempospiel aufzieht, schauen zu, wie Betim Fazliji nach heillosem Durcheinander früh zur Führung trifft. Zwei, drei Tore für das Heimteam könnten es nach den ersten 20 Minuten sein. Es bleibt bei einem. «Wir konnten unsere spielerische Linie nicht durchziehen», meint Seoane. «Unsere Energie hat mich beeindruckt», sagt Zeidler.

Und dann erwacht YB. Ligatopskorer Jean-Pierre Nsame kann endlich mal einen Ball festmachen, nach schönem Solo von Nicolas Ngamaleu ist er wieder zur Stelle, trifft zum Ausgleich. Es ist der erste YB-Schuss aufs Tor – und der zweite folgt sogleich. Felix Mambimbi legt auf Ngamaleu ab, in einem Anflug von Magie lässt der mit der eleganten «Roulette» den jungen Tim Staubli aussteigen, bevor er in die weite Ecke trifft.

Zweimal Hands, einmal VAR

Die Pausenführung ist für YB ein vorab sehr guter Deal, aber dass es in diesem Spiel beim 1:2 bleibt, ist unvorstellbar. YB versucht früh, Tempo aus dem Spiel zu nehmen, die St. Galler Energie irgendwie zu bremsen. Das misslingt, Seoane merkt das, will seine Mannschaft weiter vorne sehen und treibt an. Eine Viertelstunde vor Schluss fällt das 2:2, es ist Ermedin Demirovic, der sich gegen Jordan Lefort durchsetzt.

YB spielt jetzt mit Dreierkette, greift wieder an, einmal springt der Ball im St. Galler Strafraum an die Hand von Jeremy Guillemenot. Noch schweigt der VAR. Das Spiel wogt hin und her, in der 91. Minute jubelt St. Gallen. Das 3:2 scheint das Schlusswort zu sein, Lukas Görtler trifft nach einem Corner, Trainer Zeidler hüpft.

Doch weiter geht es, das Hands von Miro Muheim, der erste Penalty für YB. Zigi hält, das Stadion bebt. Dann kommt der VAR. «Ich verstand die Welt nicht mehr», gesteht Zeidler. 3:3 endet der Wahnsinn, 2:2 spielt Basel gegen Servette. Alles bleibt gleich. Aber alles bleibt anders – nach 99 Minuten Wahnsinn.

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