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Ein anspruchsvoller Job der glücklich macht: Der Leiter des Alterszentrums am Hungeligraben geht in Pension

Wie andere Heime blieb das Alterszentrum am Hungeligraben von Corona nicht verschont. Genauso wie in Rupperswil (die AZ berichtete) ist der Ausbruch des Virus auch in Niederlenz auf einen Spitalbesuch eines Bewohners zurückzuführen. Doch das Virus hat Maurice Humard nur noch am Rande beschäftigt. Ende dieses Monats geht der Zentrumsleiter ordentlich in Pension. Die Stabübergabe hat er jedoch schon länger vorbereitet, seinen Nachfolger Thomas Loew im letzten halben Jahr beim Einarbeiten begleitet. Ein schöner, anspruchsvoller Job sei es gewesen, blickt Humard zurück. Mit einem sinnvollen Ziel, «nicht gewinnorientiert», ergänzt er lachend.

Maurice Humard hat als Banker gearbeitet, war Geschäftsführer in der Industrie und hat lange Jahre als Selbstständigerwerbender eine Informatikfirma geführt. Von seiner letzten Tätigkeit als Leiter des Alterszentrums am Hungeligraben sagt er: «Ich bin dankbar, dass ich diese Aufgabe erfüllen durfte.» Nachdem sein Berufsleben lange Jahre eher wirtschaftlich geprägt war, mag diese Aussage etwas irritieren. Humards Erklärung leuchtet jedoch ein: «Betagten Menschen einen schönen Lebensabend zu gestalten, macht Freude. Hingegen in einer Firma ständig an der Optimierungsschraube zu drehen und Leute entlassen zu müssen, wird mit der Zeit zu einer Belastung.»

Mit politischer Arbeit führte beruflich in neue Bahnen

Maurice Humard hat 2014 die alleinige Leitung des Alterszentrums übernommen. Zu dieser Zeit war er bereits eng verknüpft mit dem Hungeligraben. «Ich habe mich mein halbes Arbeitsleben mit dem Hungeligraben beschäftigt», sagt Humard und lacht. Tatsächlich begann die «Liaison» bereits 1995. Hu­mard, damals frischgebackener Niederlenzer Gemeinderat (und später 16 Jahre Gemeindeammann bis 2013), zuständig für das Ressort Gesundheit und Soziales, kam als Mitglied des Vereins Alterszentrum am Hungeligraben (VAN) zum ersten Mal mit der Institution in Berührung. Mit diesem Schritt habe sich für ihn eine bisher unbekannte Welt eröffnet, nämlich die Begegnung mit dem Alter, erzählt er. «Die Betreuung der Betagten unseres Dorfes und deren würdevolle Begleitung im letzten Lebensabschnitt beeindruckten mich nachhaltig.» Das blieb nicht ohne Folgen: Im Verlaufe der Jahre übernahm Maurice Humard, mittlerweile mit einem IT-KMU selbstständig, für den Hungeligraben eine Aufgabe nach der andern: Er begleitete die Erweiterung des Altersheims zum Alters- und Pflegeheim im Jahr 1999, nahm drei Jahre später in einem Mandat die Betriebsbuchhaltung mit dem Personal- und Lohnwesen an.

Als Humard dann 2003 während vier Jahren die Geschäftsführung der Aargauer Sektion des Heimverbandes Curaviva bis zu Fusion mit dem Gesundheitsverband Aargau (VAKA) innehatte, war dies gleichzeitig ein Schritt, der ihn endgültig in neue berufliche Bahnen leitete. Praktisch mit dem Ende der politischen Arbeit in Niederlenz übernahm Humard Führungsaufgaben im Alterszentrum an der Seite der langjährigen Leiterin Ursula Schaffner. «Ihr guter Geist, ihr humanistisches Weltbild und ihr Glaube haben den Hungeligraben zum familiären Zuhause für die Alten unter uns gemacht», ist er überzeugt.

Hofft auf Kostendebatte nach Coronakrise

Sorgen bereitet dem scheidenden Zentrumsleiter die Kostenentwicklung im Heimwesen. Die Institutionen kämen zunehmend unter Druck, weil sie aufgrund der gesetzlichen Vorgaben nicht mehr kostendeckend arbeiten können. «Auf der einen Seite sind die Pflegetarife durch den Kanton gedeckelt, anderseits sind Auflagen bezüglich teurere Fachkräfte da, sodass die Schere auseinanderdriftet.» Gerade für kleine Heime wie der Hungeligraben mit 42 Betten sei das ein Riesenproblem. Alterszentren würden zu kreativen Lösungen gezwungen, um die gesetzlichen Auflagen zu erfüllen und dabei die Kosten nicht aus dem Ruder laufen zu lassen. Doch sei es verpönt, dass die Altersinstitutionen mit der Gastronomie versuchten, etwas Geld zu verdienen, es habe gar zu einem Rechtsfall geführt im Kanton. Humard hofft, dass der aktuellen Krise die Kostendiskussion auf der politischen Ebene folgen wird.

Genugtuung nach gescheiterter Gemeindefusion

Welchen Entscheid bedauert er am meisten? Maurice Humard muss nicht lange überlegen. «Ich bedaure, dass das Projekt mit den Alterswohnungen am Hübelweg an den Kosten gescheitert ist.» Nicht zuletzt mit Blick auf die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner der Alterswohnungen war 2014 beim Erweiterungsbau des Altersheims ein Restaurant mit 24 Sitzplätzen gebaut worden.

Was hat Maurice Humard als Alterszentrumsleiter verwirklichen können, das ihm als Gemeindeammann verwehrt geblieben ist? Humard lacht. Er muss nicht lange überlegen. «Das Zusammenleben von Niederlenzern und Lenzburgern, das auf der politischen Ebene nicht zu Stande gekommen ist, habe ich hier umsetzen können. Rund ein Drittel der Bewohnerinnen und Bewohner kommen aus Lenzburg.» 2009 war eine Fusion der Einwohnergemeinden Lenzburg und Niederlenz bereits in den Anfängen gescheitert.

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