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«Eigentlich ist das ein Berufsverbot»: Zürcher Klubs wollen Zwangsschliessung und Staatsgelder

Seit Montag gilt in Bars und Klubs eine Sitzpflicht bei Konsumation. Für Klubs ergebe das keinen Sinn, sagt der Betreiber des «Hive». Eine angeordnete Schliessung würden darum viele begrüssen.

Wer in einem Klub etwas trinken will, muss sich seit Montag hinsetzen.

Wer in einem Klub etwas trinken will, muss sich seit Montag hinsetzen.

Imago

Sitzpflicht. Maskenpflicht. Registrationspflicht. Pflichtabstand. Personenobergrenze. Seit heute Montag werden die Zügel in der Gastronomie wieder angezogen. Während in Restaurants neu überall ausser am Tisch Masken getragen werden müssen, gilt in den Klubs und Bars nun eine Sitzpflicht, wenn Getränke konsumiert werden. Lässig an die Bar gelehnt einen Campari Soda schlürfen ist somit vorerst passé.

Für Nicola Schneider, den Betreiber des «Hive», ist klar: Auf diese Weise ergibt es keinen Sinn. «Schon so, wie es jetzt war, hat es sich finanziell nicht gelohnt, offen zu haben.» Aber die Stimmung sei gut gewesen, die Atmosphäre habe gestimmt. Und dadurch, dass Schneider noch an weiteren Projekten beteiligt ist, vermochte er sich über zu Wasser halten.

In letzter Zeit konnten etwa 300 Personen seinen Nachtklub besuchen. Nun könnte er vielleicht noch 50 Gäste bedienen, wenn er entlang der Wand Stühle aufstellen würde, meint Schneider. «Niemand will es sagen, aber die neusten Massnahmen sind eigentlich ein Berufsverbot.» Wenn es sich vorher finanziell nicht gelohnt hat, dann tut es das jetzt erst recht nicht mehr. «Lieber würde man die Klubs wieder schliessen und die Leute entschädigen.» Denn dadurch, dass man theoretisch offen haben kann, wird sich keine Versicherung zuständig fühlen.

Mehrmals habe die Branche dem Kanton angeboten, die Massnahmen zusammen auszuarbeiten, um sinnvolle Regelungen festzulegen. Einbezogen wurde sie laut Schneider, der auch im Vorstand der Bar- und Club-Kommission ist, jedoch nie.

Kanton will sich nicht beraten lassen

Darüber ärgert sich ebenfalls Urs Pfäffli, Präsident von Gastro Zürich-City. Etliche Vorschläge, zum Beispiel die Kontrolle der Schutzkonzepte zu vereinheitlichen, habe die Regierung abgelehnt. Es bestehe kein Bedarf, lautete die Begründung. «Dabei gäbe es sehr viel Bedarf», sagt Pfäffli am Telefon. Je nachdem würden die Wirte sehr streng bis gar nicht kontrolliert werden; jeder Kontrolleur entscheide für sich, ob er die Schutzkonzepte für genügend umgesetzt halte.

Das Problem sieht Pfäffli in der vage gehaltenen Verordnung. Sind Ausnahmen bei der Abstandsregel zulässig oder nicht? Und ab welchem Punkt wird der Abstand gemessen: der Schulter oder dem Tisch? «Vieles wurde nicht fertig gedacht.»

Die neuen Regelungen des Bundes tangieren Restaurants in Zürich zwar nur am Rande. Doch Pfäffli spürt die Angst der Leute. Viele hätten deswegen ihre Weihnachtsessen abgesagt. «Dabei sind die Menschen bei uns am sichersten. Wir haben Schutzkonzepte, hier lässt sich das Virus nachverfolgen.»

Immerhin ein Stück weit aufatmen darf die Zürcher Salsa-Community: Nachdem es dort zu einer Ansteckungsserie gekommen war, verbot die Zürcher Gesundheitsdirektion Salsa-Klubs vorübergehend, Tanzveranstaltungen und Tanzschulkurse durchzuführen. Die Verfügung endete in der Nacht auf Montag und wird nicht verlängert, wie die Gesundheitsdirektion auf Anfrage mitteilt. Es gälten dort künftig dieselben Bestimmungen wie für alle Klubs im Kanton Zürich.

Stehbars erwägen Schliessung

Neben den Klubs treffen die neuen Massnahmen vor allem Barbetreiber. Die Gruppe Raumzuerich ist für das bekannt, was seit dieser Woche verboten ist: Stehen an der Bar. Der Gruppe gehören die Betriebe La Stanza, Hotel Rivington And Sons, Café Lang, Silosilo, Bar 45 und Bar Campo.

Die neuen Massnahmen seien für sie aufwendig umzusetzen und wirtschaftlich sehr einschneidend, sagt Co-Geschäftsleiter Livio Notaro. «Wir rechnen mit hohen Einbussen von 30 bis 50 Prozent.» Einzelne Lokale temporär zu schliessen, will sich Raumzuerich darum vorbehalten.

Auch die fehlende Planungssicherheit sei sehr schwierig für die Betriebe, da mit Bund und Kantonen wieder zwei Instanzen am Hebel seien. «Klare Lösungen wären einfacher zu managen», sagt Notaro. Er bemängelt insbesondere die Undifferenziertheit der Massnahmen auf Bundesebene.

«Als Bars werden wir eher zu den Tanzlokalen und Klubs als zur Gastronomie gerechnet», sagt Notaro. Dabei unterschieden sich die Konzepte stark. Raumzuerich gehe davon aus, dass die zu erwartenden kantonalen Verordnungen strenger ausfielen als die des Bundes. Nataro schliesst eine Verschlimmerung der Lage nicht aus: «Eine erneute Schliessung der Zürcher Gastronomie ist für uns ein Szenario, auf das es sich vorzubereiten lohnt.»

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