Switzerland

Ehre, wem Ehre gebührt – Schweizer Vermögensverwalter meistern 2020 glänzend

Im vergangenen Jahr gab es genug Anlässe, um Fehler bei der Vermögensanlage zu machen. Umso erstaunlicher sind die Resultate der meisten Anbieter hierzulande.

Der Bulle hat im vergangenen Jahr an den Börsen die Oberhand behalten. Banken, die darauf gesetzt haben, können ihren Kunden mehrheitlich erfreuliche Ergebnisse präsentieren.

Der Bulle hat im vergangenen Jahr an den Börsen die Oberhand behalten. Banken, die darauf gesetzt haben, können ihren Kunden mehrheitlich erfreuliche Ergebnisse präsentieren.

Peter Juelich / Bloomberg

Selten ist ein Jahr an den Finanzmärkten so verrückt verlaufen wie das kürzlich zu Ende gegangene. Schon der dramatische Absturz der Börsen im Februar hat unzählige Anleger auf dem falschen Fuss erwischt. Ebenso überraschend waren für viele der rasche Trendwechsel und die eindrucksvolle Erholung. Dass trotz dem grössten Konjunktureinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg und weltweit hohen Corona-Infektionszahlen die wichtigsten Aktienmärkte das Jahr teilweise deutlich im Plus schlossen, ist manchem Anleger heute noch ein Rätsel.

Ein Marktumfeld nach dem Geschmack der Profis

Eigentlich sollte ein solches Umfeld im Sinn jener Profis sein, die ihre Portfolios aktiv verwalten, denn es bietet grundsätzlich grosse Chancen, um einen spürbaren Mehrwert zu erzielen. Allerdings ist auch bekannt, dass sich im vergangenen Jahr Privatanleger in grosser Zahl panikartig von den Märkten verabschiedet und dann den Wiedereinstieg verpasst haben.

Und dass auch Profis nicht gegen von Emotionen ausgelöste Fehler gefeit sind, hat das Jahr 2018 eindrücklich gezeigt. Auch damals kam es im Februar zu einem Kurseinbruch. Etliche Vermögensverwalter reagierten darauf mit einer Reduktion der Risiken. Die defensive Positionierung behielten sie jedoch zu lange bei und verpassten dadurch einen Teil der Kurserholung. Die Frage lautet also, ob die Anlagestrategen die Lektion verinnerlicht haben.

Die kurze Antwort lautet Ja. Natürlich hat eine Reihe von Vermögensverwaltern auch 2020 enttäuschende Ergebnisse abgeliefert. Diese Gruppe war im Vergleich von Franken-Strategien von über 100 Banken und Vermögensverwaltern laut der unabhängigen Beratungsfirma Zwei Wealth aber weitaus kleiner als in den Vorjahren, und einer klaren Mehrheit ist es gelungen, einen Mehrwert gegenüber dem Markt zu erwirtschaften. In Kenntnis der überwiegend schwachen Resultate in den Vorjahren und angesichts der nicht ganz einfachen Ausgangslage mag das überraschen, Anlass zur Freude ist es auf jeden Fall.

Mit aktienlastigen Strategien wurden gute Ergebnisse erzielt

Das pauschale Lob ist jedoch nicht für alle Anlagestrategien gleichermassen gültig. Die guten Ergebnisse wurden vor allem in Portfolios mit einem spürbaren Aktienanteil erzielt. Aber schon bei der Strategie «Rendite» mit einer Aktienquote von 25% lieferte der mittlere Anbieter (Median) eine um fast 2 Prozentpunkte (PP) über dem neutralen Richtwert (Benchmark) liegende Rendite von 1,1% ab.

Die Verwalter haben mehrheitlich sehr gut gearbeitet

In 2020 mit Franken-Strategien erzielte Renditen, in %

012345678Festverzinslich (0%)Einkommen (10%)Rendite (25%)Ausgewogen (45% )Wachstum (65%)Aktien (90%)

Wer die Nettorendite seines eigenen Portfolios einordnen will, sollte von der Benchmark-Rendite der jeweiligen Strategie die individuell gezahlte Gebühr für die Vermögensverwaltung abziehen. Diese Gebühr ist im Gegensatz zu einer Pauschale von 0,7% für die Kosten der eingesetzten Anlageinstrumente in den Benchmark-Zahlen noch nicht berücksichtigt.

Für die Strategien «Ausgewogen» (45% Aktien), «Wachstum» (65%) oder «Aktien» (90%) durfte man aufgrund der Entwicklung der Anlageklassen 2,0%, 2,7% bzw. 5,0% erwarten. Die Hälfte der Verwalter übertraf den jeweiligen Richtwert sogar um beachtliche 2,5 bis 3,2 PP. Anders sah es bei den defensiven Strategien «Festverzinslich» und «Einkommen» aus. Dort verfehlte der mittlere Verwalter den Benchmark um 0,5 bzw. 1 PP.

«Es sind doch schon etliche Jahre, seit wir diese Auswertung machen, aber noch nie waren die relativen Ergebnisse der Vermögensverwalter so gut», resümiert Patrick Müller, Geschäftsleiter von Zwei Wealth. Bei den Strategien «Rendite» bis «Wachstum» hätten es jeweils mehr als drei Viertel der Anbieter geschafft, den Benchmark zu übertreffen. Bei reinen Aktienstrategien habe der Anteil nur leicht darunter gelegen.

Die Fehler von 2018 wurden weitgehend vermieden

Das Rezept für diese beachtliche Erfolgsquote habe aus drei «Zutaten» bestanden, so Müller. Erstens seien die Portfolios der guten Verwalter in der Regel sehr einfach konstruiert gewesen. «Üblicherweise haben sie nur in Aktien, Obligationen, Liquidität und teilweise in Gold investiert und auf andere Rohstoffe, Hedge-Funds oder strukturierte Produkte verzichtet.»

Als zweiten wichtigen Faktor sieht Müller ein konsequentes Rebalancing. Damit ist eine Anpassung des Portfolios auf die ursprüngliche Allokation gemeint. Brechen die Aktienkurse ein, sinkt dadurch die Quote der Dividendenpapiere in einem Depot. Wird das durch den Zukauf von Aktien wieder ausgeglichen, profitiert der Kunde überproportional von der anschliessenden Kurserholung.

Im Gegensatz zum Jahr 2018, in dem viele Verwalter mit dem Rebalancing zu lange gewartet haben, seien sie dieses Mal deutlich entschlossener vorgegangen. «Viele haben den Kurseinbruch als grosse Chance wahrgenommen, und mancher Manager hat zudem die Zeichen richtig gedeutet und den Ausgang der US-Wahlen, die lockere Geldpolitik der Notenbanken, die nahenden Covid-19-Impfstoffe und die umfangreichen Konjunkturpakete zum Anlass genommen, die Aktienquote auf ein überdurchschnittliches Niveau anzuheben», sagt Müller.

Schon frühzeitig wurde auf Technologietitel gesetzt

Drittens hätten zahlreiche Verwalter im vergangenen Jahr stark auf Technologieaktien gesetzt. Dies sei teilweise schon vor der Corona-Pandemie der Fall gewesen. Die betroffenen Portfolios hätten den aussergewöhnlichen Lauf dieser Titel ab März voll mitgemacht – der US-Technologieindex Nasdaq Composite beendete das Jahr mit einem Plus von 45%. So lässt sich auch erklären, dass aktienlastige Strategien teilweise Gewinne deutlich über 20% verzeichneten.

Dass die Verwalter bei den von Anleihen dominierten Strategien weniger gut abschnitten, führt Müller auf die vor Jahresfrist vorherrschende Erwartung eines Anstiegs der Renditen zurück. Viele Banken und Vermögensverwalter hätten deshalb auf kurzlaufende Papiere gesetzt, die unter einem Renditeanstieg weniger stark gelitten hätten, oder auf hochverzinsliche Bonds, die mit vergleichsweise üppigen Renditen lockten.

Wie in den Jahren zuvor kam es aber anders als gedacht. Die langfristigen Renditen sind vielerorts nochmals gesunken und die Kurse der entsprechenden Obligationen gestiegen. Diese waren aber in den Portfolios unterrepräsentiert, während die stärker vertretenen Hochzinsanleihen wegen der Corona-Pandemie unter die Räder kamen.

Mit einer Value-Strategie kam man auf keinen grünen Zweig

Noch grösser als in den Vorjahren waren die Differenzen zwischen den schlechtesten und den besten Ergebnissen. Bei den defensiven Strategien betrug die Spannweite immerhin 10 PP, bei den risikofreudigen sogar enorme 33 PP. Das sei dem unruhigen Verlauf an den Märkten geschuldet, erklärt Müller. In Jahren, in denen sich die Kurse gleichförmiger entwickeln, rücke das Feld der Anbieter enger zusammen.

Riesige Spannweite zwischen den besten und schlechtesten Verwaltern

In 2020 mit Franken-Strategien erzielte Renditen, in %

–10–5051015202530Festverzinslich (0%)Einkommen (10%)Rendite (25%)Ausgewogen (50% )Wachstum (70%)Aktien (90%)

Nicht durcheinandergewirbelt hat das aussergewöhnliche Anlagejahr anscheinend die Hackordnung unter den Vermögensverwaltern. «Wer in den vergangenen Jahren zu den besten zählte, hat auch 2020 nicht versagt. Wer allerdings von Haus aus einen stringenten Value-Ansatz verfolgt, also auf Substanztitel setzt und nicht auf Wachstumstitel, die oft im Technologiebereich zu finden sind, konnte gar nicht auf den vorderen Plätzen landen, selbst wenn er keine handwerklichen Fehler beging», erläutert Müller.

Ob es sich bei den erfreulichen Ergebnissen nun um die sprichwörtliche Schwalbe handelt, die noch keinen Sommer macht, oder um den Start in eine neue Ära, in der sich die Vermögensverwalter gegenseitig mit Höchstleistungen überbieten werden, muss die Zukunft weisen. In einem Jahr, in dem die Entwicklungen viele Kunden verunsichert haben, waren sie auf jeden Fall besonders wertvoll. Nicht vergessen darf man zudem, dass sich die Vermögensverwalter schon 2019 achtbar geschlagen haben. Darauf kann man aufbauen.

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