Switzerland

Duftende Erinnerungen

Nach der kalten Frischluft an einem nebelverhangenen Tag, nach verblühten Rosen und verwesendem Walnusslaub am Boden, Kaminholz, rot gefärbtem Wald und Anrührpunsch mit zu viel Konservierungsstoffen. Die geniale Vernetzung zwischen Nase und Gehirn, zwischen Sinnesorgan und Erinnerungsarchiv ermöglicht es uns, nur durch die Wahrnehmung einer Duftnote zwischen Ort und Zeit zu springen.

Einmal an der Sonnencrème vom letzten Urlaub gerochen, und schon sind wir zurück am Strand. Beseelt von der maritimen Atmosphäre und ein paar Mimosas blicken wir auf die brechenden Wellen, schmecken die salzige Meeresluft, spüren den Sand zwischen den Zehen und den drohenden Sonnenbrand auf den Schultern. Herrlich. Und ebenso funktioniert es mit jedem Ort, Charakter oder Anlass, der durch einen abgespeicherten Geruch Bekanntschaft mit dem Hippocampus gemacht hat. Zimt, Tannengrün und leicht angesengte Lichterketten, das ist Weihnachten. Ringelblumenhandcrème, Bastelkleber, Früchtetee – die ehemalige Kindergärtnerin.

Im Grunde gibt es keine geruchlose Erinnerung, weil zu jedem Bild ein Duft gehört. Gestärkte Leinenblusen zum Maitanz, gebrauchte Arbeitshandschuhe zum Holzen, ein Tulpenbeet im Stadtpark, die Schulflure oder verbrannte Milch auf Omas Herdplatte. Nur müssen geruchsassoziierte Erinnerungen nicht unbedingt anrührend sein, manchmal geben sie auch Anlass zur Ablehnung. So sind mir gewisse Personen von vorneherein unsympathisch, nur weil sie ein für mich negativ konnotiertes Parfüm auflegen. Gleich wie bei Duftnote Patschuli verhält es sich bei Ammoniak, Gerichten mit Koriander und Entkalkungstabs für Kaffeevollautomaten. Was wir riechen können und was nicht, hat die ulkigsten Gründe.

Doch das unangefochtene Paradebeispiel kennen die meisten: Dieser eine Alkohol, der den jugendlichen Übermut in einer Überdosis zum ersten Mal in die Knie zwang. Fortan braucht man nicht mal mehr davon zu trinken. Lediglich ein Schnuppern an der Flasche wird reichen, um die Informationen über die identifizierten Geschmacksmoleküle durch unsere Synapsen zu feuern und den Hippocampus dazu veranlassen, uns schon mal prophylaktisch in die Kniekehlen zu treten.

Den Generationen, die dieses Jahr erlebten, wird dazu wohl eine eher aussergewöhnliche Alkohol-Antipathie in Erinnerung bleiben. Diese hat nichts mit Rausch und Kater zu tun, sondern mit Desinfektionsmittel und Pandemie. Ich bin nämlich garantiert nicht die Einzige, die wohl zeit ihres Lebens nie wieder unbehelligt an Zwetschgenschnaps oder Kirschwasser wird riechen können, ohne dabei, durch ein Wirkungsmuster gleich jenem des Phantomschmerzes, auch Glyzerin und Wasserstoffperoxid wahrzunehmen. So hat jede Krise auch ihr Gutes.

Unterm Strich schlage ich vor, wir machen uns dieses System der olfaktorischen Erinnerung zunutze, indem wir bewusst wahrnehmen, wie das Leben um uns herum riecht. Denn ein Bild sagt zwar mehr als tausend Worte, aber eine Flasche Sonnencrème mehr als ein ganzes Fotoalbum.

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