Switzerland

Drohnen spüren für die Zürcher Feuerwehr Glutnester auf

Die Zürcher Feuerwehr setzt seit einigen Monaten Drohnen ein. Die Feuertaufe erlebten die fliegenden Späher beim Brand in der Sihlpost Ende November.

Bereit zum Abheben: Eine der Feuerwehrdrohnen im Innenhof der Wache Süd von Schutz und Rettung.

Bereit zum Abheben: Eine der Feuerwehrdrohnen im Innenhof der Wache Süd von Schutz und Rettung. 

Karin Hofer / NZZ

Am Donnerstag ist der Innenhof der Wache Süd von Schutz und Rettung Zürich für eine halbe Stunde zum Kleinstflugplatz geworden. Die grösste Feuerwehr der Schweiz hat nämlich im vergangenen Jahr für rund 25 000 Franken zwei Drohnen samt zwei kleineren Reservemaschinen und Ladeinfrastruktur angeschafft. An diesem eisigen Wintervormittag wird erstmals einer dieser fliegenden Späher den Medien präsentiert.

Feuerprobe Sihlpostbrand

Der Versuchsbetrieb mit den Drohnen startete bereits Ende Oktober. Die Feuertaufe erfuhren die Maschinen beim Brand in der Sihlpost vom 25. November, als eine von ihnen den Einsatzkräften mit der Wärmebildkamera den Weg zum Brandherd im Pizzaofen eines Restaurants wies. Von dort waren die Flammen durch einen Lüftungsschacht aufgestiegen.

Auch beim Grossbrand einer Lagerhalle an den Gleisen der SBB in Dietikon vom frühen Morgen des 5. Februar war eine der Drohnen von Schutz und Rettung in der Luft. Selbstverständlich eile man mit den Geräten auch anderen Korps zu Hilfe, erklärt der Feuerwehrkommandant Peter Wullschleger. Allerdings müssten die Witterungsbedingungen passen. Beim Grossbrand in einem Weiler in Bauma vom Montag dieser Woche zum Beispiel liess das Wetter keinen Drohnenflug zu; die Geräte können nur bis zu einer Windgeschwindigkeit von 43 km/h eingesetzt werden.

Zwar arbeiteten auch andere Korps gelegentlich mit Drohnen, sagt Wullschleger, doch dies hänge oft davon ab, ob gerade jemand mit einer Affinität dazu vor Ort sei und ob entsprechende Fluggeräte zur Verfügung stünden. Schutz und Rettung Zürich dagegen sei seines Wissens die einzige Organisation, die ein fixes System aufgezogen habe und die fliegenden Kameras jederzeit und überall einsetzen könne.

Bis es so weit war, musste laut dem zuständigen Offizier Basil Brühlmann viel Vorbereitungsarbeit erledigt werden. Im Kanton Zürich gibt es mehrere Flughäfen, Flugplätze und Heliports mit Flugverbotszonen. Für jeden einzelnen musste eine eigene Einsatzvereinbarung mit Spezialbewilligung getroffen werden. Zudem sind die beiden 6 Kilogramm schweren Fluggeräte des Typs DJI Matrice 210 V2 mit Flarm-Verkehrsinformations- und Kollisionvermeidungssystemen für kleine Flugapparate ausgerüstet.

Flugbegeisterte Spezialisten

Auch die neun Drohnenpiloten, die sich im einwöchigen Pikettdienst abwechseln, mussten geschult werden. Die Männer – Frauen meldeten sich keine – wurden neben der mehrtägigen flugtechnischen Ausbildung samt Fliegen bei Nacht und bei Rauch auch mit der Rechtslage im Luftraum und den Anmeldungs- und Bewilligungsverfahren vertraut gemacht. Sie sind mit dem Pikettauto innerhalb von höchstens 30 Minuten vor Ort. Alle arbeiten in den rückwärtigen Diensten von Schutz und Rettung; die Feuerwehrleute haben bei Bränden ihre eigenen Aufgaben an der Front.

Yannick Herger ist einer dieser Drohnenpiloten. Er arbeitet in den Werkstätten im Stützpunkt Triemli und lässt an diesem Morgen eines der Fluggeräte steigen. Wie die anderen Pikettmänner fliegt Herger auch privat gerne Drohen. Er besitzt ein Modell mit einer Kamera sowie mehrere kleine Renndrohnen, die er mit Videobrille in geschlossenen Hallen fliegt. Sein Hobby sei fast schon eine Sucht, gesteht er.

Es mache Spass, statt der 200 Gramm leichten Boliden einen 6-Kilogramm-Brummer zu steuern, sagt der langjährige Hobbyflieger. Wenn sie einmal Einsatzort und -höhe erreicht hat, hält das integrierte GPS-System die Feuerwehrdrohne automatisch an ihrem Standort. Herger macht den Vergleich zum Aufhängen einer Lampe; wenn diese montiert sei, müsse man sich auch nicht mehr um sie kümmern.

Dank seitlichen Sensoren kann die Drohne nirgends anstossen. Sie ist mit einer optischen Kamera mit sehr starkem Zoom sowie einer Wärmebildkamera ausgerüstet. Der Spezialist bedient die Geräte nach Anweisung des Einsatzleiters. Die Bilder werden auf einen Monitor gesendet. Die ideale Beobachtungshöhe liegt ungefähr 70 Meter über Boden, und 100 Meter sind ein guter Abstand, um ungefährdet von der Hitze detailreiche und aussagekräftige Aufnahmen zu machen.

Breit einsetzbar

Kommandant Wullschleger sieht vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Bei Wald- und Flächenbränden gewinnt man aus der Luft schnell einen Überblick, und es lassen sich Glutnester aufspüren. Dies gilt auch für Brände von Gebäuden. Die Wärmekamera erkennt, wo das Feuer so heiss ist, dass es Nachbarhäuser bedroht, und sie kann auch die Personensuche im Inneren des Gebäudes unterstützen. Letztere funktioniert allerdings nur bei offenen Fenstern; Glasscheiben machen den Hitzedetektor blind.

Bei Gewässerverschmutzungen lassen sich Strömung und Verbreitung von schädlichen Stoffen erkennen, was Informationen für das Errichten von Sperren liefert. Natürlich leistet der ferngesteuerte Quadrokopter auch bei grossen Unfällen wie Flugzeugabstürzen oder Zugsentgleisungen gute Dienste. Und zumindest im Winter kann die fliegende Wärmekamera auch die Suche nach vermissten Personen unterstützen.

Für das Auslösen des Drohnenpiketts ist die Einsatzleitzentrale zuständig. Geflogen wird grundsätzlich nur auf Sicht. Die Geräte verfügen über einen Notfallschirm sowie über eine Blitzlichtanlage. Die horizontale Distanz zum Piloten sowie die Flughöhe sind bei 400 beziehungsweise 120 Metern abgeriegelt; theoretisch könnte eine solche Drohne über eine Distanz von bis zu 10 Kilometern eingesetzt werden.

Kein Vergleich mit Drohnen der Post

Die beiden Abstürze von automatisierten Drohnen, mit denen die Post Laborproben zwischen dem Zentrallabor am Zürichberg und der Klinik Hirslanden im Park transportierte, hat bei manchen Leuten eine gewisse Skepsis gegenüber den Einsätzen solcher Flugapparate ausgelöst. Wann die Postdrohnen wieder zum Einsatz gelangen werden, ist noch nicht genau bekannt. Doch anders als jene Maschinen fliegen die Drohnen von Schutz und Rettung bei ständigem Sichtkontakt des Piloten. Die Gefahr, dass jemand zu Schaden kommen könnte, ist daher viel geringer.

Gleich schaut es bei den Drohnen aus, welche die Kantonspolizei seit letztem Frühling beim Unfallfotodienst, bei der Seepolizei, bei den Sondereinheiten, dem sicherheitspolizeilichen Einsatzdienst, dem Multimediadienst oder fürs forensische Institut verwendet. Auch hier werden nach Auskunft der Mediensprecherin Carmen Surber die Maschinen von gut geschultem, auf die polizeispezifischen Einsätze trainiertem Personal gesteuert.

Dasselbe gilt für die Stadtpolizei Zürich, die seit einigen Jahren mit ausgebildeten Drohnenpiloten eine kleine Anzahl Multikopter betreibt. Laut der Mediensprecherin Judith Hödl kommen diese Geräte bis anhin lediglich beim unfalltechnischen Dienst für Übersichtsaufnahmen zum Einsatz. Zurzeit würden aber auch andere Anwendungsmöglichkeiten geprüft.

6 Kilogramm Hightech fliegen zur Unterstützung der Zürcher Feuerwehr.

6 Kilogramm Hightech fliegen zur Unterstützung der Zürcher Feuerwehr.

Karin Hofer / NZZ