Switzerland

Drei Wochen mit Corona – wie es sich wirklich anfühlt: «Als würde der Kopf in einem Plastiksack stecken»

Am Tag, als der Bundesrat landesweit die Schulen schloss, schnappte ich nach Luft. Zum letzten Mal fühlte ich mich vor zehn Jahren so, damals hatte es wohl mit den vielen selbst gedrehten Zigaretten zu tun. Diesmal lagen die Dinge anders: Ich bin seit Jahren Nichtraucher.

Es musste also die Höhenluft sein. Das Jungfraujoch, wo mich SonntagsBlick für einen Bericht hingeschickt hatte, liegt auf fast 3500 Metern über Meer. Manche Touristen leiden hier oben unter Schnappatmung und Atemnot, die Einheimischen scherzen dann jeweils etwas mitleidig über die sensiblen Flachländer.

Bei der Rückfahrt meldeten sich weitere Symptome: Die Augen brannten, das Kreuz stach. In der Bergbahn lehnte ich meinen Kopf abgekämpft an die Fensterscheibe. Ein indischer Tourist schenkte mir misstrauische Blicke.

Am Abend kam leichtes Fieber dazu, um die 38 Grad. Tags darauf wich es einer Atemlosigkeit, die mehrere Tage anhielt. Als würde mein Kopf in einem Plastiksack stecken. Schon kurze Unterhaltungen raubten mir den Schnauf.

Anruf im Spital. Mechanisch spult die Frau am Telefon den Fragebogen des BAG herunter: Patient Mitte dreissig, ohne Vorerkrankungen. Also kein Angehöriger einer Risikogruppe. Ein Test sei leider ausgeschlossen. Sie wünschte mir noch einen milden Verlauf und ­legte auf.

Heisse Getränke gegen Corona

Irgendwo hatte ich gelesen, der bekannte Immunologe Beda Stadler, ein vertrauenerweckend gemütlich wirkender Herr, empfehle heisse Getränke gegen das Virus. Die Seuche verbrühen und runterschwemmen. Logisch!

Also trank ich brüllend heissen Tee. Literweise. Ich fühlte mich gleich besser, aber auch ein bisschen wie ein Dromedar in der Oase.

Passend dazu steckte meine Partnerin gerade in Marokko fest. Der König, in Corona-Panik, hatte über Nacht den internationalen Flugverkehr stillgelegt. Tausende Touristen strandeten, auch das noch.

Irgendwann – niemand wusste, warum – gab der Monarch grünes Licht für die Ausreise. Vielleicht hatte er die Anzahl der für Touristen benötigten Spitalbetten durchgerechnet. Die Partnerin kehrte heim. Auch meine Teekur schien zu nützen. Glück im Unglück.

Als ich eine Woche nach den ersten Symptomen mit Fieber und Gliederschmerzen erwachte, war klar, dass es mich doch schwerer erwischt hatte.

Das Fieber hörte nicht auf zu steigen: gegen 40 Grad – drei Tage in Folge. Mein Vertrauen in Hausmittel war futsch. Ich konnte die Teetasse sowieso kaum mehr halten, Schüttelfrost und rasende Kopfschmerzen plagten mich.

Partnerin krank, Kinder wohlauf

Der Geschmackssinn verabschiedete sich. Irgendwann wurde auch die Partnerin krank. Dafür ging es den beiden Kindern blendend, sie schauten nun sehr viel Fernsehen.

Dann kehrte das Plastiksack-Gefühl zurück. Nur tauchte ich mit dem Ding diesmal auch noch unter Wasser. Normalerweise atmet ein gesunder Mensch 30-mal pro Minute ein und aus. Ich hechelte. Doppelt so schnell. Aber da kam kaum Luft. In schwachen Stunden, nachts, mitten in einer Panikattacke, muss man aufpassen, nicht durchzudrehen.

Ich atmete flach, meine Partnerin redete mir gut zu, allmählich beruhigte ich mich wieder.

Nun endlich gab es einen Termin beim Arzt. Die ganze Familie hatte sich – mit Masken und Handschuhen geschützt – in der Notfallpraxis einzufinden. Die Ärztin dort schien direkt aus Nordita­lien angereist zu sein: Ganzkörper-Schutzanzug, Maske, riesige Plexiglasbrille, ­Latex-Handschuhe. Ich erklärte meinen Fall, die Partnerin hustete derweil wie ein Bergmann mit Staublunge. Die Ärztin zückte ihr Stethoskop. «Ihre Lunge quietscht», sagte sie zu mir. Ich musste als Einziger zum Röntgen.

«Wie sieht es aus?», fragte ich, als sie wieder auftauchte. «Machen Sie sich keine Sorgen», antwortete die Medizinerin. Nun machte ich mir ernsthaft Sorgen. Sie habe da was auf der Lunge gefunden, erklärte sie. Weisse Schatten, die Corona bedeuten könnten. Leise starb meine Hoffnung auf einen milden Verlauf.

Dann kam der Test: Die Ärztin bohrte den Watteabstrich tief in meine Nase, als wolle sie das Virus aus dem Schädel schaben. Sie verschrieb mir noch einen Asthma-Spray und schickte die ganze Patientenschar zurück in die heimische Quarantäne. Mehr konnte sie nicht tun.

Kein Fall zum Hospitalisieren

Tags darauf rief sie an. Das Ergebnis war wenig überraschend: Corona-positiv. «Sie sind aber noch kein Fall zum Hospitalisieren», sagte sie. Wohl um ihren Patienten noch ein bisschen weiter aufzumuntern, schlug sie vor, ich könne ja über die Krankheit schreiben. Klar, sagte ich und atmete schwer.

Das ist jetzt zwei Wochen her, die Virus-Wirt-Beziehung bleibt unberechenbar. Auf einen Tag ohne Symptome folgen neue Beschwerden. Akute Atemnot spüre ich nicht mehr. Meine Partnerin aber hat mittlerweile auch Schatten auf der Lunge. Und die Kinder bekamen Fieber. Die Seuche zieht sich.

Bleibt die Frage, wo wir das Virus aufgeschnappt haben. Nun, ich weiss es nicht. Vorhin traf ich einen Nachbarn. Als wir uns das letzte Mal sprachen, waren die Schulen noch geöffnet.

Er schilderte seine Atemnot der vergangenen Wochen und wie irgendwann der Notarzt anrückte. Es war eindrücklich. Und kam mir verdächtig bekannt vor. Vielleicht hatte ich ihn angesteckt. Oder umgekehrt. Vorsorglich entschuldigte ich mich.

Coronavirus

Das Coronavirus hält aktuell die Welt in Atem. Viele Länder ergreifen Massnahmen wie das Schliessen von Schulen oder Grenzen und schränken öffentliche Veranstaltungen ein, um die Verbreitung zu verhindern. Auch in der Schweiz grassiert das Virus. Alle aktuellen Informationen und Zahlen rund ums Thema gibts es im Coronavirus-Ticker.

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Hygienemassnahmen

Kontakt minimieren

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Wann soll man zum Arzt?

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