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Dramatische Lage in Wolfsburger Pflegeheim

In einem Heim für Demenzkranke in Niedersachsen hat sich die Hälfte der 165 Bewohner infiziert. 17 sind bereits am Coronavirus gestorben.

Pflegeeinrichtungen werden auf eine ernste Probe gestellt: Hanns-Lilje-Pflegeheim in Wolfsburg.

Pflegeeinrichtungen werden auf eine ernste Probe gestellt: Hanns-Lilje-Pflegeheim in Wolfsburg.

Foto: Getty

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nannte die Lage im Hanns-Lilje-Heim am Wochenende dramatisch: «Das Geschehen führt uns die Unerbittlichkeit dieses Virus vor Augen.» Dies gelte vor allem für die Schwächsten der Schwachen: alte und demenzkranke Menschen.

In dem Wolfsburger Pflegeheim hatte ein Test aller Bewohner erschreckende Ergebnisse erbracht: 79 von rund 165 Insassen sind mit dem Coronavirus infiziert. Innert einer Woche sind bereits 17 Heimbewohner gestorben. Die Verstorbenen waren zwischen 76 und 100 Jahre alt, viele von ihnen waren demenzkrank. «Es tut uns unendlich leid», sagte der Wolfsburger Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD). «Wir versuchen alles, um die anderen Menschen noch zu schützen.»

Heikle Arbeit mit Dementen

Die Wolfsburger Behörden und die Heimleitung erwogen zunächst, das Gebäude zu evakuieren, um infizierte und gesunde Patienten voneinander zu trennen. Schliesslich verzichtete man darauf: Man werde stattdessen die Trennung auf verschiedenen Stockwerken des Gebäudes vollziehen. Schleusen und rigorose Hygienemassnahmen sollen verhindern, dass Infizierte Gesunde anstecken.

Demenzkranke Menschen seien meist verwirrt, fürchteten sich vor Ortswechseln und vor vermummten Gestalten, sagte Heimleiter Torsten Juch. Deswegen hätte eine Evakuation die Bewohner vermutlich mehr belastet als eine Neuorganisation an Ort. Schon seit Ausbruch der Krise waren Besuche im Pflegeheim verboten. Angehörige konnten sich von ihren sterbenden Vätern oder Müttern, Geschwistern, Grossmüttern oder Grossvätern nicht mehr verabschieden.

Die Wolfsburger Behörden und der Betreiber des Heims, der Wohlfahrtsverband der evangelischen Kirchen, beklagten, dass es an Schutzmaterial für die Pflegekräfte und an Personal fehle. Da man Demenzkranke nicht dazu anhalten könne, sich selbst zu schützen, seien Masken, Schutzbrillen und -anzüge für das Personal in solchen Einrichtungen noch wichtiger als anderswo.

Am Montag ging bereits eine Anzeige wegen fahrlässiger Tötung ein. Ein Wolfsburger Anwalt erhebt darin schwere Vorwürfe gegen die Leitung: Im Hanns-Lilje-Heim herrschten «katastrophale hygienische Zustände». Das Pflegepersonal verfüge über keine Masken, um Bewohner und sich selbst zu schützen. Auch der Besucherstopp sei zu spät gekommen.

33 infizierte Pfleger in Würzburg

In Deutschland gibt es fast 12’000 Pflegeheime und 15’000 Pflegedienste, um die 3,6 Millionen Bedürftigen zu versorgen. Viele Einrichtungen werden durch die Epidemie auf eine ernste Probe gestellt. Im Altenheim St. Nikolaus im bayerischen Würzburg etwa hat sich ein Viertel der rund 160 Bewohner infiziert, zudem 33 Pfleger. 13 Bewohner sind bereits gestorben. Ärzte und Pflegekräfte arbeiten seit Tagen an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Auch in Würzburg erwog man eine Evakuation und verwarf sie. Bei den Tests hatte sich zur Verblüffung der Ärzte auch herausgestellt, dass viele alte Menschen infiziert waren, aber keinerlei Symptome zeigten.

Politiker und Behörden reagierten alarmiert auf die dramatische Lage. Man brauche dringend mehr Schutzausrüstung, mehr Testkapazitäten und Pfleger, die auch bereit seien, das Risiko einer Infektion einzugehen. «Menschen mit Demenz zu pflegen, bedeutet Körperkontakt – beim Waschen, beim Anziehen, beim Verabreichen von Medikamenten», sagte der ärztliche Leiter des Würzburger Krisenstabs, Michael Schwab. In Wolfsburg wie in Würzburg riefen Behörden und Politiker Freiwillige auf, in den Pflegeheimen zu helfen.

Die Pflegeversicherungen sagten umfassende finanzielle Unterstützung zu. Mehrkosten für Ausrüstung und Personal würden vollumfänglich übernommen. «Wir haben einen Pflegerettungsschirm aufgespannt, der sofort hilft», sagte ein hoher Vertreter des Versicherungsverbands der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

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