Switzerland

Doppelnamen sollen in der Mottenkiste bleiben

2013 wurde das Schweizer Namenrecht geändert. Das neue Gesetz sieht vor, dass bei einer Heirat beide Personen ihren Nachnamen behalten. Endlich herrschte Gleichstellung. Während früher der Name des Mannes automatisch zum Familienname und Nachname der Kinder wurde, müssen die Eheleute heute einen ihrer Namen zum Familiennamen bestimmen. Beiden steht offen, den Familiennamen anzunehmen.

Doch die jahrhundertealte, patriarchale Hochzeitskultur hat Spuren hinterlassen. Noch immer scheint es für die meisten Paare eine romantische Vorstellung zu sein, wenn die Frau bei der Hochzeit einen Teil ihrer Identität abstösst und den Namen des Mannes annimmt.

Jetzt soll das Namenrecht schon wieder geändert werden. 2017 reichte der damalige SVP-Nationalrat Luzi Stamm eine parlamentarische Initiative ein, mit der er die Rückkehr des Doppelnamens forderte. Nun hat sich die Rechtskommission des Nationalrates für eine Revision ausgesprochen. Diese Revision wäre ein Rückschritt, denn sie würde den Weg wieder frei machen für folgende Konstruktion: Peter Muster und Petra Weber Muster. Natürlich ist auch die umgekehrte Version möglich.

Aber genau wie auch heute über 90 Prozent der Männer ihren Namen weiterführen, werden auch mit einer Revision kaum mehr Frauennamen zum Familiennamen gewählt. Männer können auf ihrem Namen beharren und die Frau kann auf den Doppelnamen ausweichen, wenn sie ihren Ledignamen weiterhin sichtbar haben möchte. Der Gleichstellung wird so auch nicht geholfen.

Im Initiativtext steht, dass das Namengesetz von 2013 seinen Zweck nicht erreicht hat. Das so zu sagen, ist falsch. Endlich ist der Nachname der Frau gleich viel wert wie derjenige des Mannes. Die Gleichstellung ist einfach in den Köpfen noch nicht angekommen. Ein Test dazu kann in jeder beliebigen Runde gemacht werden.

Einfach mal die Männer fragen, ob sie sich vorstellen könnten, ihren Nachnamen abzugeben. Zudem ist die Wiedereinführung von Doppelnamen gar nicht nötig, wenn es darum geht, gegen aussen als vereinte Union aufzutreten: Bereits heute können Paare im Alltag den Allianznamen – beide Nachnamen mit einem Bindestrich verbunden – verwenden und auch im Pass eintragen lassen.