Switzerland

Doktor? No!

Der österreichische Plagiat-Experte Stefan Weber hat eine Regierungspolitikerin zu Fall gebracht, die eine skurrile Doktorarbeit verfasst hatte. Jetzt nimmt er weitere Kabinettsmitglieder ins Visier – und erhält Drohungen.

Rund 300 wissenschaftliche Arbeiten hat Stefan Weber bereits untersucht, getrieben von «detektivischer Neugier».

Rund 300 wissenschaftliche Arbeiten hat Stefan Weber bereits untersucht, getrieben von «detektivischer Neugier».

Joachim Bergauer

Es ist Sonntag, der 29. November 2020, als Stefan Weber bei sich zu Hause in Salzburg auf dem Sofa sitzt, sich ein Fernsehinterview im ORF anschaut und denkt: «Da stimmt etwas nicht.» Die österreichische Arbeitsministerin Christine Aschbacher spricht über die Corona-Krise. Und wie sie das tut, amüsiert Weber, einen 50-jährigen Kommunikationswissenschafter. Dann aber macht es ihn misstrauisch. Die ÖVP-Politikerin Aschbacher gibt roboterhafte Antworten, die nicht zu den Fragen passen, und verhaspelt sich, als der Moderator nachhakt. Irgendwann sagt Webers Freundin, die neben ihm auf dem Sofa sitzt: «Du, gibt’s von der Frau eigentlich eine Magisterarbeit?» Es gibt eine, sogar auch eine Doktorarbeit, angenommen an der Universität Bratislava. Und die ist so skurril, dass ganz Österreich heute über sie spricht.

Weber hat die Arbeiten analysiert und spricht am Telefon von Abgründen von «Kauderwelsch, Unsinn und Plagiat». Österreich, das Land, das so viel Wert legt auf Titel und Anreden, hat seinen Fall Karl-Theodor zu Guttenberg. Guttenberg war deutscher Verteidigungsminister und musste 2011 wegen einer Plagiatsaffäre um seine Dissertation von allen Ämtern zurücktreten. Der Fall Aschbacher ist wie eine Causa Guttenberg auf Österreichisch: weniger prominent zwar, aber so krud, dass sich selbst Komödianten mit Klamauk und Häme auf ihn stürzen.

Am letzten Samstag tritt Christine Aschbacher zurück. Nicht einmal 48 Stunden zuvor hatte Weber seine Untersuchungsergebnisse veröffentlicht. Es ist der vermutlich schnellste Rücktritt einer Politikerin in der Geschichte Österreichs. Aschbacher bestreitet die Vorwürfe. Sie demissioniere, um ihre Familie vor Anfeindungen und Beleidigungen zu schützen, sagt sie.

Detektivische Neugier

Anfang Januar bestellt Weber Aschbachers Arbeiten und überprüft sie so, wie er das immer macht. Seit über fünfzehn Jahren untersucht er mit einer Software akademische Schriften auf Plagiate, seit 2007 hauptberuflich, auf Auftrag und gegen Bezahlung. Diesmal fliesst kein Geld, es ist eine Mischung aus «persönlichem Interesse und detektivischer Neugier», die ihn antreibt. Sie hat ihm früher schon den Vorwurf eingetragen, er sei ein Kopfgeldjäger und Schnüffler, der es vor allem auf Prominente abgesehen habe. Zwölf Plagiatoren hat er schon zu Fall gebracht, ihnen wurden aufgrund von Webers Recherchen die Titel aberkannt. Andere wie der Jurist und Moderator Mario-Max Schaumburg-Lippe durften ihre Doktortitel behalten, obwohl Weber dessen Dissertation als «dreistes und ordinäres Plagiat» bezeichnet hatte. Seine Jagd auf die «Dr. No» der akademischen Welt geht immer weiter. Er will sie als «no Doktor» entlarven. Rund dreihundert Arbeiten hat Weber in den letzten Jahren untersucht.

Aber der Fall Aschbacher ist anders als alle anderen. Zunächst meint Weber, er befinde sich in einer Art «Truman Show» oder in einem bizarren Kunstprojekt, weil er nicht glauben kann, was er da liest. Er entdeckt in Aschbachers Werk mit dem Titel «Entwurf eines Führungsstils für innovative Unternehmen» Sätze wie:

«Aufgrund der teilweise bewährten Führungsstile entsprechen die bisherigen Ergebnisse teilweise für Führungsstile oder Innovation in Industrieunternehmen.»

Oder: «Annahmen sind wie Seepocken an der Seite eines Bootes; sie verlangsamen uns.»

Oder die Übersetzung eines Zitats des britischen Unternehmers Richard Branson: «Was mich ärgert ist, dass in 90 Prozent der Fälle, wie, was diese Person wirklich sagen will, ist: Okay, dann, glaube ich nicht mit Ihnen einverstanden, aber ich werde rollen und tun es weil sie sagen mir zu.»

Der Pranger

Das alles konnte unmöglich jemand in einem akademischen Büro gelesen und schon gar nicht für gut befunden haben. Weber sagt, es gebe bei Aschbachers Arbeiten mehrere Probleme: ihr fehlerhaftes Deutsch, unkorrekte Zitate oder gar keine Zitate, wo sie angebracht gewesen wären. Sowie falsche oder falsch zusammengesetzte Übersetzungen. Bei 21,5 Prozent der Textstellen handle es sich um Plagiate. Das sind die nüchternen Feststellungen. Weber aber geht noch weiter. Er ist ein Wissenschafter, aber er spricht nicht wissenschaftlich. Weber redet von einer «Bullshit-Dissertation», von einem «dadaistischen Machwerk» oder von «Deutsch auf Volksschüler-Niveau». Er stellt Aschbacher damit an den Pranger und macht sie lächerlich. Weber sagt, es sei ein trauriger Fall, aber gleichzeitig sei er so schräg, «dass ich lachen muss». Auch die Parodien, die im Internet über Aschbacher kursieren, findet er lustig.

Weber hat Aschbacher vor der Veröffentlichung nicht mit seinen Resultaten konfrontiert. Er sagt: «Ich weiss, dass es journalistisch geboten wäre, sich an sie zu wenden. Ich habe es nicht gemacht.» Er sei ein Blogger und Aufdecker, «eine Person des öffentlichen Lebens wird von mir in der Regel nicht vorab über die Vorwürfe in Kenntnis gesetzt.» Ein ertappter Plagiator sei der Aufklärung nicht dienlich. Weber hat in der Affäre den harten Ton gesetzt. Gleichzeitig sagt er, er sei auch empathisch und habe Mitleid. Er habe auch schon einmal einen Job verloren, weil er die Prokuristin einer Firma in einem Rundmail angegriffen habe. Danach habe er eine «grosse Leere» verspürt. «Der Frau Aschbacher geht es sicher auch nicht gut.» Trotzdem sagt er: «Über die Schärfe der Angriffe kann man medienethisch zwar reden, doch in dieser Reflexionsphase sind wir alle noch nicht. Ich auch nicht.» Jemand, der seine Arbeiten wie Aschbacher publiziere und ein öffentliches Amt bekleide, müsse mit Zuspitzungen leben.

«Die Rolle des Spürhundes»

Weber war selber einmal Opfer eines Betrugs. Das erklärt, warum er sich dem Kampf gegen Plagiatoren und der «ehrlichen Akademie» verschrieben hat. 2005 hatte ein Gymnasiallehrer aus Deutschland etwa die Hälfte seiner Doktorarbeit aus Webers Dissertation kopiert. Damit begann Webers Mission erst so richtig. Er arbeitet bis heute allein. Wie weit er dabei geht, ist umstritten. Webers Doktorvater Peter Bruck schrieb 2007 in der Zeitung «Der Standard» über ihn: «Er hat die Rolle des Spürhundes übernommen und Dinge gefunden, die viele in der Öffentlichkeit überraschten, in den Universitäten aber auch vielen bekannt waren.» Aber Bruck kritisierte auch: «Weber hat ein Medien-Halali erzeugt und sich vom Spürhund zum Jäger und vom Jäger zum Richter gewandelt. Das ist illegitim.»

Weber hat gelernt, auch mit Kritik und Anfeindungen zu leben. Es soll in der Vergangenheit wiederholt vorgekommen sein, dass ihm ein Stellenangebot mit der Bedingung unterbreitete wurde, er solle mit seiner «Schnüffelei» aufhören. Und gerade in diesen Tagen, mit dem Fall Aschbacher, ist das Echo auf seine Arbeit besonders gross. Weber hat viel Zuspruch, aber auch zwei Todesdrohungen erhalten, eine war sogar mit dem Namen des Absenders unterzeichnet. Dieser schrieb: «Mein Sohn ist beim Jagd-Kommando, leider gibt er mir seine Waffe nicht, sonst wäre ich schon auf dem Weg zu Ihnen.» Weber hat Anzeige erstattet, macht aber weiter wie bis anhin.

Er fragt sich, wie das möglich ist: Wie Christine Aschbacher einen Doktortitel bekommen konnte, was im akademischen System schiefläuft und warum Politiker wie Aschbacher anfällig sind, sich selbstverschuldet in Schwierigkeiten zu bringen. Weber antwortet: Profilierungssucht, Eitelkeit, Selbstüberschätzung. «Ich würde sogar eine Art Machtrausch attestieren.»

Stefan Weber hat in diesen Tagen begonnen, ein Screening weiterer österreichischer Regierungsmitglieder durchzuführen. Die Abschlussarbeit des Innenministers Karl Nehammer hat er bereits untersucht und geurteilt: «Qualitativ nicht gut, aber kein Plagiat». Zwei weitere Berichte werden folgen.

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