Switzerland

Disziplin, Leidenschaft und ein Ex-NFL-Spieler – im Aargau will ein neues Football-Team durchstarten

Kenny Austin ist ein Mann der grossen Worte: «I will put the food on the plate for the new players, but they have to eat it», lautet eines seiner wichtigsten Mottos. Kraftfutter kann der 73-jährige American-Football-Coach – der bereits bei neun verschiedenen Schweizer Teams beschäftigt war – nämlich in Form von Wissen mehr als genügend auftischen.

Womöglich hat er auch deshalb sein Team nach der schnellsten Raubkatze des Planeten benannt: dem Gepard. Dass die Zofingen Cheetahs im vergangenem Herbst zu ihrem Namen kamen, hat aber auch noch einen anderen Grund: «Wer gewinnen will, der muss schnell rennen können», lautet die einfache Erklärung des Trainers.

Kenny Austin hat in der Schweiz viel Erfahrung als Coach.

Austin hat eine genaue Vorstellung davon, wie sein Team zu funktionieren hat. Werte wie Disziplin, Leidenschaft und Lernbereitschaft sind Grundvor­aussetzungen, die er von seinen Spielern verlangt. Diese teilt mit ihm auch der 38-jährige Präsident Simon Fasano, der den Coach schon lange kennt: «Er sprach mich vor ein paar Jahren am Bahnhof an, ob ich in seinem Team spielen wolle. Seither sind wir befreundet.»

Absage der Sportstadt

Die beiden teilen die gleiche Mentalität, was den Sport anbelangt. Dies kommt nicht von ungefähr. Fasano hat ursprünglich in den Vereinigten Staaten neun Jahre Basketball gespielt und weiss genau, woher Austins Ansprüche kommen.

Für den gebürtigen Oltner war deshalb klar, dass er den Coach beim Aufbau des Teams unterstützen möchte. «Auf der Suche nach geeigneten Plätzen suchten wir zuerst in der Region Olten. Die Stadt hat aber aus Platzgründen abgeblockt.»

Für Fasano sei die Absage unerklärlich gewesen, gäbe sich Olten doch als Sportstadt aus. «Wir waren umso dankbarer, dass wir in Zofingen mit offenen Armen empfangen worden sind.»

Die Cheetahs wurden in Zofingen mit offenen Armen empfangen.

Nun wollen die beiden keine halben Sachen machen. Im Verlauf der nächsten Monate wird der ehemalige NFL-Spieler Tony Simmons die Position als Headcoach bei den Cheetahs übernehmen. Austin dagegen wird Koordinator der Defense.

Damit entscheiden sich die Cheetahs bewusst für einen alternativen Weg, denn normalerweise holen sich Schweizer Teams eher auf dem Feld anstatt an der Seitenlinie Import-Verstärkungen. «Uns war wichtig, dass wir einen Headcoach haben, zu dem die Spieler aufschauen», betont Austin diesen Entscheid. «Wir erhoffen uns, dass wir mit ihm ein gesundes Fundament aufbauen können.»

Ex-NFL-Spieler als Headcoach

Ein Trainer, der bei diversen NFL-Teams gespielt hat, könnte zudem auch neue Spieler anlocken, fügt Fasano an. Einen Magnet-Effekt brauchen die Zofingen Cheetahs definitiv noch, wenn im Frühling 2021 der Liga-Betrieb aufgenommen werden soll.

Zurzeit umfasst das Kader rund 20 Spieler, 60 sollen es am Ende sein. Sorgen, dass die Cheetahs bis in einem Jahr zu wenig Spieler beisammen haben, macht sich der Präsident keine: «Einige Spieler haben uns abgesagt, da wir noch nicht am Liga-Betrieb teilnehmen dürfen. Der Verband schreibt vor, dass wir in diesem Jahr zuerst sechs Testspiele absolvieren müssen.»

Kenny Austin will mit seinem Team in einem Jahr in die Liga C eintreten.

Fasano geht davon aus, dass sich das im nächsten Jahr ändern wird. Ausserdem vertraut er auch auf die Künste seines Partners: «Kenny holt ständig neue Leute ins Team, die er auf der Strasse anspricht.»

Dass Austin mit seiner unkonventionellen Suche nach neuen Spielern durchaus auch Glücksgriffe landet, zeigt der Fall von seinem Assistenten Eric Mballa. Per Zufall sprach er den ehemaligen Football-Spieler der Neuchâtel Knights an und konnte ihn dazu überreden, bei den Cheetahs im Coaching-Staff aktiv zu werden.

Gut möglich also, dass in Zofingen bereits in wenigen Monaten ein konkurrenzfähiges Team mit einigen Rohdiamanten trainiert. Coach Austin ist sich auf jeden Fall sicher: «Sobald wir eine Familie beisammen haben, werden wir erfolgreich sein.»