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Dieser Zunftmeister lässt sich die Fasnacht nicht einfach wegnehmen

In der Geschichte der Narro-Alt-Fischerzunft 1386 Laufenburg hat David Giess (36) einen der ungewöhnlichsten Einstände als Zunftmeister erlebt. Am Sommerbott vor einem halben Jahr, am 26. Juni 2020, wurde er zum Nachfolger von René Leuenberger d.J. gewählt.

Dessen Rücktritt nach neun Jahren war nicht überraschend erfolgt, er hatte ihn schon länger angekündigt. 2018 gab es den Umbruch im Zunftrat: David Giess - 2007 als Zunftbruder vereidigt, seit 2008 Säckelmeister der Zunft – wurde zum Vize-Zunftmeister gewählt. Durch Leuenberger lernte er den Umfang seines neuen Amtes sowie Gleichgesinnte wie zum Beispiel von der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) kennen.

«Riesenglück, dass wir die Fasnacht 2020 noch durchführen konnten»

Weil Philipp Maier die Arbeit als Säckelmeister übernahm, blieb der Zunftrat geordnet in der Spur. Doch dann kam Corona. Die Fasnacht 2020 fand zwar grad noch statt. «Wir hatten ein Riesenglück, dass wir die Fasnacht noch durchführen konnten», blickt Giess zurück, «es war eine gute Fasnacht, auch das Wetter hat gepasst.»

Seither ist alles anders. Auch für die Narro-Alt-Fischerzunft, die eigentlich jeweils im Oktober mit der Organisation der Städtlefasnacht beginnt, nur dass diesmal die Frage im Raum stand, was von der Fasnacht durchgeführt werden kann.

Letztmals fiel die Fasnacht 1991 ins Wasser

«Wir hatten diverse Gespräche mit den Verantwortlichen der Städtlefasnacht, auch mit dem Stadtammann und dem Bürgermeister von Laufenburg-Baden», berichtet Giess.

Ergebnis: Die Städtlefasnacht wurde abgesagt. Giess sagt weiter:

Doch mit der letzten Corona-Verordnung vom Bundesrat war klar: Die Fasnacht 2021 wird wie zuletzt 1991, als der Golfkrieg tobte, komplett ins Wasser fallen.

Als Alternative ist die Fasnachtskultour Laufenburg entstanden

Komplett? Nicht ganz. Sieben motivierte Tambouren und engagierte Fasnächtler haben sich das Ziel gesteckt, die fünfte Jahreszeit in Schaufenstern und virtuell wach zu halten.

Entstanden ist daraus die Fasnachtskultour Laufenburg, ein Stadtrundgang in den Altstädten beider Laufenburg. David Giess gefällt die Aktion. «So findet die Fasnacht trotzdem statt», sagt er.

Und fügt hinzu: «Die Fasnacht ist nicht etwas, das einem weggenommen werden kann.» Natürlich weiss er, dass die Fasnachtskultour «kein echter Ersatz ist.» Aber, so Giess: «Das ist besser als gar nichts.»

Trotz Absage als Zunftmeister einiges zu tun

David Giess stammt aus Oeschgen, hat in Laufenburg die Oberstufe und danach eine Kaufmännische Lehre in der Stadtverwaltung ebenfalls in Laufenburg absolviert. Durch seinen Schulfreund Gregor Maier, der ihn zur Tschättermusik mitgenommen hat, ist er zur Narro-Alt-Fischerzunft gestossen.

David Giess hat trotz Fasnachtsabsage als Zunftmeister viel zu tun.

Er lebt in Eiken, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Zurzeit arbeitet er auf dem Betreibungsamt in Gebenstorf. In seinem ersten Jahr als Zunftmeister hat er trotz Fasnachtsabsage einiges zu tun.

Ein Beispiel: Im Dezember stellte der Zunftrat für jeden Zunftbruder ein Chlaussäckli zusammen. Giess findet:

Vor allem die älteren Zunftbrüder hätten die kleine, aber feine Geste geschätzt, weiss er. Nur schade, dass seine dunkelbraune Larve mit dem markanten Kinn und der hohen Stirn, die er von einem verstorbenen Zunftbruder mitsamt dessen Gewand übernommen hat, nicht so oft wie sonst üblich in der Öffentlichkeit tragen kann.

Immerhin: Auf dem Käppi, das er bei repräsentativen Anlässen trägt, ist eine Miniatur der Larve angebracht. Sie zeigt Zähne – und ein freundliches Lächeln. Das passt zu David Giess, der jetzt schon zuversichtlich in die Fasnacht nach Corona blickt.

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