Switzerland

Die Zürcher Regionalzeitungen verlieren endgültig ihre bürgerliche Identität

Künftig steht in den Zürcher Regionalzeitungen fast das Gleiche wie im «Tages-Anzeiger». Noch vor einigen Jahren wäre dies undenkbar gewesen. Aber die einst bürgerlichen Blätter haben sich stark verändert.

Die Vielfalt nimmt weiter ab: Künftig steht in der «Zürichsee-Zeitung» und in anderen Regionaltiteln dasselbe über die Zürcher Politik wie im «Tages-Anzeiger» - im Bild die Zeitungsauslage im Kantonsrat.

Die Vielfalt nimmt weiter ab: Künftig steht in der «Zürichsee-Zeitung» und in anderen Regionaltiteln dasselbe über die Zürcher Politik wie im «Tages-Anzeiger» - im Bild die Zeitungsauslage im Kantonsrat.

Goran Basic

In der PR-Sprache sind Veränderungen stets Verbesserungen. Das hat die TX-Gruppe vergangene Woche wieder einmal zu beweisen versucht. Da war in euphorischem Ton von der Schaffung eines Netzwerkes mit mehr als 90 Journalistinnen und Journalisten im Kanton Zürich die Rede, denn die Redaktionen des «Tages-Anzeigers» und der Regionalzeitungen in Besitz der Gruppe würden ab sofort noch enger zusammenspannen.

In Wahrheit handelt es sich um eine Massnahme, die man im kühlen Terminus der Betriebswirte beschreiben kann: als die Bereinigung einer Parallelstruktur unter dem Druck von Sparmassnahmen. Die vierköpfige, gemeinsame Redaktion der «Zürichsee-Zeitung», des «Zürcher Oberländers», des «Zürcher Unterländers» und des «Landboten» wird aufgelöst. Diese sogenannte Mantelredaktion berichtete bisher in Konkurrenz zu den Kollegen an der Werdstrasse über das politische Geschehen im Kanton Zürich. Der Abbau ist Teil des Konzernziels, innerhalb von drei Jahren 70 Millionen Franken einzusparen.

Die vier Regionalzeitungen verlieren damit endgültig den Anspruch einer politisch eigenen Stimme für alles, was über die lokale Politik hinausgeht. Denn die Mantelredaktion war einst geschaffen worden, um den 2010 von der TX-Gruppe übernommenen Landzeitungen eine eigene Identität zu geben, in Abgrenzung zum stadtzürcherisch geprägten «Tages-Anzeiger». Das zählt nun plötzlich nichts mehr.

Kürbis und Bierfest

Oft vollzieht sich der wahre Umbruch, lange bevor die Zäsur für alle offensichtlich wird. Das ist hier der Fall. Einst waren die Regionalzeitungen, vor allem die «Zürichsee-Zeitung» und der «Zürcher Oberländer», klar bürgerliche Publikationen mit nationalem Anspruch. Die politische Berichterstattung gerät jedoch zusehends unter Druck – dies auch, weil die Redaktionen inzwischen dank Datenanalysen wissen, dass die Kürbisausstellung oder das Bierfest auf mehr Leserinteresse stossen als die Beratung des Jahresbudgets an der Gemeindeversammlung. Dieses Leserinteresse ist zunehmend die Leitschnur, nicht mehr die früher viel zitierte «Relevanz».

Der Anspruch der bürgerlichen Ausrichtung ist längst zum Anliegen einer Minderheit in der Leserschaft geworden. Noch vor wenigen Jahren hatte die TX-Gruppe vor diesen Kreisen einen Heidenrespekt. Die Gruppe hatte die Zürcher Regionaltitel nach der Jahrtausendwende zunächst erfolglos mit lokalen Konkurrenzredaktionen des «Tages-Anzeigers» bekämpft, bis sie sie schliesslich aufkaufte. Den Lesern setzte man im überregionalen Teil (Inland, Ausland, Wirtschaft, Sport, Kultur) einheitliche und günstig zu produzierende Inhalte vor. Nur in der Berichterstattung über Stadt und Kanton Zürich leistete man sich bis jetzt die besagte Parallelstruktur.

Ein paar böse Briefe, mehr nicht

Besonders der nominell eigenständige, aber eng ins Geflecht eingebundene «Zürcher Oberländer» galt als bürgerlich. Noch vor wenigen Jahren sträubte sich dessen Verwaltungsrat gegen die Idee, die Zürcher Berichterstattung vom «Landboten» zu übernehmen, weil dieser zu links positioniert sei. Man richtete gar einen Beirat ein, der über die liberale Ausrichtung wachen sollte. Nun mutet man der Leserschaft die Beiträge des «Tages-Anzeigers» zu.

Abgesehen von bösen Briefen an die Redaktion sind aber kaum Folgen zu erwarten. Die Leserzahl der Regionaltitel ist erstaunlich immun gegenüber publizistischen Änderungen. Sie sinkt zwar stetig, aber nur aus Gründen der Überalterung. Das haben die Verantwortlichen überall verinnerlicht.

Es gibt, einmal abgesehen von der NZZ, keine Zeitung mehr, die Politik im Kanton Zürich aus bürgerlicher Warte betrachtet und kommentiert. Künftig werden die Leser der Regionaltitel über den Spurabbau im Seefeld oder über Mario Fehrs Migrationspolitik landauf, landab aus der im Zweifel linken Warte der Werdstrasse informiert.

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