Switzerland

Die vergebenen Chancen gegen Servette sind sinnbildlich für den FCB, Stocker fordert Veränderungen

Lange bleiben sie sitzen. Der eine links vom Pfosten des gegnerischen Tores, der andere rechts davon. Silvan Widmer und Fabian Frei sind bedient. Eben hat Widmer seinen Kopfball in der Nachspielzeit knapp neben das Tor gesetzt. Es wäre das 3:2 aus Sicht des FC Basel gewesen. Stattdessen aber lautet das Endresultat 2:2. Die Chance Widmers ist aber nicht die grösste, welche die Basler an diesem Sonntagnachmittag vergeben.

Im Spiel selber kreiert der Gastgeber diverse gefährliche Aktionen vor dem Tor von Servette Genf, die Präzision aber fehlt oft. Sei es in der 30. Minute bei Arthur Cabral, in der 48. im Falle Widmers oder in der 72., als Samuele Campo eine hundertprozentige liegen lässt. Dabei beginnt der FCB derart gut in diesem Spiel gegen den Aufsteiger. Nur drei Tage nach dem Sieg in der Europa League, einer kurzen Nacht und einer strapaziösen Heimreise, weisen die Basler nicht die kleinste Spur von Müdigkeit auf. Überraschend, setzt Trainer Marcel Koller doch auf die identische Startelf wie in Nikosia.

Nur sieben Minuten braucht der FCB, um zu zeigen, dass die Mentalität grösser ist als die Müdigkeit. Campo hebelt mit seinem feinen Flänkchen die ganze Genfer Abwehr aus und findet Stockers Kopf. Der nickt ein. 1:0 FCB. Das zweite Tor folgt nur zwölf Minuten später. Fabian Frei schliesst nach einer schönen Kombination mit Cabral ab. 2:0 FCB. Nachdem sich die Basler im bisherigen Verlauf der Saison nach internationalen Spielen in der Liga meist schwer taten - das blutleere 0:0 in St. Gallen oder das 1:2 im letzten Hinrunden-Spiel in Luzern fallen in diese Kategorie - scheint der FCB dieses Mal den Schalter richtig umgelegt zu haben. Scheint. Denn die zwei verwerteten Chancen in der Startphase sollten die einzigen der Basler bleiben, die genutzt werden.

Vielmehr zeigt sich nach der Pause langsam, wie schwer die Basler Beine in Wahrheit eben doch sind. Kombiniert mit einem immer stärker werdenden Servette geschieht das, was zuletzt so oft passierte: Der FCB verschenkt den Sieg. Erst erzielt Kastriot Imeri den Anschluss vom Penalty-Punkt, nachdem Eray Cömert einen glasklaren Elfer verschuldet hatte. Und dann zirkelt Miroslav Stevanovic den Ball wunderschön ins Netz. 2:2. Betrachtet man die letzten 30 Minuten des FCB, dann ist die Punkteteilung gerecht. «Es fühlt sich eher wie eine Niederlage an», gibt Widmer nach Spielschluss zu. Weil er die Chance in der 94. Minute neben den Pfosten setzt, «nehme ich diese zwei verlorenen Punkte auch auf meine Kappe», so der Rechtsverteidiger. Der Basler Captain Valentin Stocker macht es nicht an der letzten, ungenutzten Chance fest: «Wir hatten in der ersten und der zweiten Halbzeit genug davon, um das Spiel zu entscheiden. Wir müssen uns an der eigenen Nase nehmen. Wir haben es leichtfertig aus der Hand gegeben.»

«Man muss andere Sachen hinterfragen»

Doch die grösste Chance, die der FCB gestern leichtfertig verschenkt, die zeigt sich beim Blick auf die Tabelle. Weil sich das Leaderduo St. Gallen und YB im Direktduell bei einem 3:3 die Punkte teilen, hätte der FCB aufschliessen können. Mit einem Sieg wäre der Rückstand auf drei Punkte geschmolzen. Dazu hätte man Verfolger Servette bis auf sechs Zähler distanzieren könnte. Hätte, hat man aber nicht. «Darüber muss man gar nicht diskutieren», sagt Stocker und stellt klar, dass man seit kurz vor Weihnachten genug Optionen gehabt hätte, die Distanz zur Spitze zu verkürzen. «Es sind zu viele Chancen, die wir verpasst haben. Wenn wir keine Punkte holen, müssen wir auch keine Ansprüche stellen.»

An was die Probleme liegen? Der Müdigkeit gibt Stocker keine Schuld. Er macht viel mehr ein anderes Fass auf: «Man muss andere Sachen hinterfragen. Das sind aber andere Leute, die man fragen muss. Ich bin die falsche Person.» Er wolle aber weder dem Trainerteam noch sonst jemandem in der Kabine die Schuld geben. Zumindest eine Chance verschenkt der FCB damit nicht: Dass auch die nächsten Wochen turbulent werden.

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