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Die USA im Corona-Elend: Jetzt findet sogar Trump Masken gut

Donald Trump beim Besuch eines Maskenherstellers in Phoenix. Das Tragen in der Öffentlichkeit hat er bislang vermieden. Bild: AP

Die USA im Corona-Elend: Jetzt findet sogar Trump Masken gut

Erstmals verzeichnen die USA mehr als 50’000 Corona-Neuinfektionen an einem Tag. Präsident Donald Trump aber hofft nach wie vor, das Virus werde «irgendwann einfach verschwinden».

Während sich in vielen Ländern Europas die Corona-Lage entspannt, spitzt sie sich in den USA dramatisch zu. Am Mittwoch wurden laut der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore erstmals seit Ausbruch der Pandemie mehr als 50’000 Neuinfektionen an einem Tag registriert. Bislang sind in den USA mehr als 127’000 Personen an Covid-19 gestorben.

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Besonders betroffen sind Bundesstaaten im Süden, die die Corona-Schutzmassnahmen relativ früh und forsch gelockert hatten. Dazu gehören die «Rentnerparadiese» Arizona und Florida sowie Texas und Georgia, dessen Gouverneur für sein Öffnungstempo sogar von Donald Trump kritisiert worden war. Alle Staaten werden von Republikanern regiert.

Georgia-Gouverneur Brian Kemp hat früh und forsch geöffnet. Jetzt zeigt auch er sich mit Maske. Bild: keystone

Heftig erwischt hat es auch Kalifornien, eine Hochburg der Demokraten. Gouverneur Gavin Newsom nahm in den am stärksten betroffenen Bezirken einige Lockerungen zurück. Die Stadt New York, die sich langsam in die Normalität zurück tastet, legte die geplante Öffnung der Innenbereiche von Restaurants auf Eis. Pennsylvania verordnete eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum.

Gesichtsmasken sind in den polarisierten USA ein Politikum. Die Hardcore-Fans von Donald Trump und andere «Corona-Rebellen» weigern sich standhaft, eine zu tragen. Es sind häufig die gleichen Leute, die sich mit Waffen eindecken, weil sie sich vor allem und jedem fürchten. Trump ermutigte sie, indem er sich in der Öffentlichkeit nie mit Maske zeigte.

«Absolut für Masken»

Nun machte er eine Kehrtwende, zumindest teilweise. Er sei «absolut für Masken», sagte der Präsident am Mittwoch in einem Interview mit dem Fernsehsender Fox Business. Er habe selber eine getragen, sagte Trump. Damit bezog er sich auf den Besuch einer Ford-Fabrik in Michigan im Mai, als Bilder auftauchten, die ihn mit einer Maske zeigten, bedruckt mit dem Präsidentensiegel.

Er habe ausgesehen wie die Comicfigur Lone Ranger, meinte Trump. Wer sich damit gut fühle, solle eine Maske tragen, sagte er. Gegenüber einem Obligatorium zeigte er sich hingegen skeptisch. Und eine Vorreiterrolle spielt er keineswegs. In den letzten Tagen hatten sich immer mehr republikanische Politiker für Schutzmasken stark gemacht.

Das Maskentragen dürfe «kein Stigma» sein, mahnte Mitch McConnell, der Mehrheitsführer im Senat, auf Twitter. Kevin McCarthy, der Fraktionschef im Repräsentantenhaus, forderte die Amerikaner auf, im Hinblick auf den Nationalfeiertag am kommenden Samstag ihren Patriotismus durch das Tragen eines rot-weiss-blauen Gesichtsschutzes auszudrücken.

Angesichts der explodierenden Fallzahlen bekommen es die Republikaner mit Blick auf die Wahlen im November mit der Angst zu tun. In allen Umfragen und Prognosemodellen liegt Donald Trump deutlich hinter seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden. Sogar die Mehrheit der Republikaner im Senat wackelt, was bis vor kurzem unwahrscheinlich schien.

Der Zickzackkurs des Präsidenten in der Coronakrise ist eine zusätzliche Belastung. Erst spielte er die Bedrohung herunter. Nach Ausbruch der Pandemie trat er fast täglich vor die Medien und markierte den Krisenmanager. Dabei sorgte er für Irritation und Bestürzung, etwa mit der Anregung, man könne als Therapie gegen Corona Desinfektionsmittel verabreichen.

Anthony Fauci schockierte am Dienstag mit einer düsteren Prognose. Bild: keystone

Zuletzt verlegte sich Trump auf Realitätsverweigerung. «Wir haben einen tollen Job gemacht», sagte er am Mittwoch auf Fox Business. Ausserdem meinte er, das Virus werde «irgendwann einfach verschwinden. Ich hoffe es.» Dazu passt, dass Trump sich zuletzt auf einen Kulturkampf gegen «Anarchisten» und für den Schutz von Statuen konzentrierte.

Zerstrittene Berater

Erschwerend kommt hinzu, dass seine Berater sich gemäss CNN nicht einig sind über die richtige Strategie. Stabschef Mark Meadows und Schwiegersohn Jared Kushner finden demnach, Trump solle sich von der Virusbekämpfung fernhalten und sich auf die Wirtschaft konzentrieren. Vizepräsident Mike Pence und Handelsberater Peter Navarro hingegen möchten, dass der Präsident eine aktivere Rolle in der Coronakrise übernimmt.

Der Antrieb in beiden Fällen sei Trumps sinkende Wiederwahlchance, berichtet CNN mit Berufung auf Quellen im Weissen Haus. Der Präsident sei «enorm frustriert», weil die neusten Daten auf einen Erdrutschsieg Bidens hindeuteten, sagte ein namentlich nicht genannter Berater. Allerdings sei Trump sich selbst häufig der schlimmste Feind.

100'000 Infektionen pro Tag?

Und die Prognosen sind düster. Der Immunologe Anthony Fauci sagte am Dienstag vor einem Senatsausschuss, die USA bewegten sich in die falsche Richtung. Wenn die Situation nicht unter Kontrolle gebracht werde, könne es täglich bis zu 100’000 Infektionen geben. Fauci habe «Bomben» auf Trump abgeworfen, sagte eine andere Quelle zu CNN.

Mit grösster Sorge blicken Experten auf das Feiertagswochenende. Zwar haben viele Städte und Regionen ihre Feiern zum 4. Juli abgesagt, doch der Independence Day ist in den USA Anlass für Grillpartys und andere Festivitäten mit grossen Menschenmassen. In Zeiten von Corona ist dies ein todsicheres Rezept für ein zusätzliches Desaster.

Präsident Trump wird den Vorabend am Mount Rushmore in South Dakota verbringen, auf dem vier Präsidentenköpfe verewigt sind. Zur Feier sind 7500 Personen zugelassen. Es gibt weder Maskenpflicht noch eine Aufforderung zum Social Distancing. Geplant ist auch ein Feuerwerk. Wegen Waldbrandgefahr hat es dort seit zehn Jahren keines mehr gegeben.

Coronavirus in den USA

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