Switzerland

«Die Universität Zürich ist in der Balance»

Jede Woche beantworten Personen, die Zürich prägen, unseren Fragebogen und verraten uns, was die Stadt für sie ausmacht. Heute: Politologin und Professorin Silja Häusermann.

Sie haben an verschiedenen Universitäten studiert und gearbeitet. Worin unterscheidet sich die in Zürich von anderen?
Die UZH ist in der Balance: Sie verlangt viel von ihren Professorinnen und Professoren, begegnet uns aber auch mit Vertrauen, Freiheit und ausgezeichneten Arbeitsbedingungen.

Welches ist Ihr Lieblingsplatz an der Uni Zürich?
Das Hauptgebäude an der Rämistrasse, insbesondere der unschlagbare Blick vom Uniturm auf die Stadt.

Auf welcher Wiese schauen Sie gerne in den Himmel?
Auf der Bäckeranlage, am liebsten durch lichtes Laub. Und idealerweise erspähe ich dazwischen einen Federball.

Wo treffen Sie Freunde am liebsten?
Im Sommer im Letzigraben oder am Türlersee, im Winter am Uetliberg oder im Volkshaus.

Welche Ecke Zürichs ist überbewertet?
Die Bahnhofstrasse.

Funktioniert Zürich auch ohne Geld?
Im Sommer ja, Limmat sei Dank.

Zu welcher Uhrzeit ist die Stadt am schönsten?
Am frühen Abend, wenn das Licht und die Menschen sanfter werden.

Wo können Sie nicht widerstehen, ein Selfie zu machen?
Ort und Kulisse sind egal – am ehesten in besonders glücklichen Momenten mit den Kindern.

Welches Hintergrundbild ziert Ihr Smartphone?
Staunende Kinder in der Kunsthaus-Schau von Olafur Eliasson.

Mein perfekter Abend

Apéro
– Mit einem Glas Weisswein, einem Bier oder einem Campari Spritz auf der Bäckeranlage, vor dem Xenix oder in einem Kinosaal, ca. 10 Franken

Abendessen
–Gambas al ajillo im Pergola an der Kanzleistrasse, ca. 32 Franken
– Oder: Masala Thosai im Kobal im Kreis 4, ca. 20 Franken

Drinks
– Dark and Stormy in der Bar 63 an der Rolandstrasse, 13.50 Franken

Ausgaben total:
ca. 50 Franken

Sie können Ihr ganzes Leben nur noch in einer Zürcher Beiz essen – in welche gehen Sie?
Ins Pergola an der Kanzleistrasse. Das ist seit über 15 Jahren meine Lieblingsbeiz – feines Essen, ausgezeichneter Service und frei von Chichi.

Auf welchen Luxus wollen Sie nicht verzichten?
Auf sehr guten Schwarztee – und jeden Tag viel davon.

Welches ist Ihr Züri-Soundtrack?
Baulärm natürlich, in seiner ganzen Zürcher Ambivalenz aus «schön reich» und «zu reich».

Wer oder was ist die Liebe Ihres Lebens?
Meine Familie.

Wo hatten Sie in Zürich Ihr schönstes Date?
Mit meinem Mann, am unteren Letten unter der Zugbrücke.

Mit wem würden Sie gerne eine Nacht verbringen?
Mit Silvia Steiner, unserer Bildungsdirektorin und Präsidentin der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren.

Welches ist der Geruch Ihrer Kindheit?
Der von frisch gebackenem Zopf und der Duft der Tessiner Kastanienwälder im Val Bavona.

Wann haben Sie das letzte Mal geweint?
Vor etwa zwei Wochen, beim Zeitung lesen und Radio hören anlässlich des 75. Jahrestages der «Befreiung» von Auschwitz.

Wo findet einen in Zürich das Glück?
Im Kreis 4. In dieser Dichte an offenen und herzlichen Menschen stehen die Chancen gut.

Welche Hoffnung haben Sie aufgegeben?
Echte Chancengerechtigkeit im Schweizer Bildungssystem. Wobei es sich trotzdem lohnt, für jede Verbesserung einzustehen.

Die 42-jährige Silja Häsuermann ist Politologin und Professorin für Politikwissenschaft. 2018 wurde sie mit dem Lehrpreis der Universität Zürich, wo sie seit 2012 forscht und lehrt, ausgezeichnet. Seit Februar ist die gebürtige Luzernerin zudem Leiterin des Instituts für Politikwissenschaft der Uni Zürich. Häusermann wohnt seit 17 Jahren in Zürich und lebt mit ihrer Familie im Kreis 4.