Switzerland

Die Tonhalle Maag wird nicht als Konzertsaal weiterbetrieben, sondern zu einem «Lichtmuseum» umgebaut

Lange wurde versucht, den hochgelobten provisorischen Konzertsaal der Tonhalle auf dem Zürcher Maag-Areal zu erhalten. Die Bemühungen scheiterten – bald werden dort Lichtshows von Künstlern gezeigt.

Beim Umbau der Tonhalle Maag fallen unter anderem die seitlichen Balkone weg.

Beim Umbau der Tonhalle Maag fallen unter anderem die seitlichen Balkone weg.

Simon Tanner / NZZ

Der Stardirigent Franz Welser-Möst war begeistert von der Akustik im hölzernen Provisorium: «Die Halle ist ein Gottesgeschenk. Ich bin nach zwei Tagen bereits Feuer und Flamme für den Saal», sagte er gegenüber der «NZZ am Sonntag» nach ersten Proben im Provisorium, das die Tonhalle seit 2017 in den alten Fabrikhallen der Maag-Zahnradfabrik betreibt. Er hoffe nur, dass man es erhalten könne, denn das sei «eine Jahrhundertchance für Zürich».

Von einer Ton- zu einer Lichthalle

Welser-Möst muss leider enttäuscht werden. Sämtliche Bemühungen, den Raum als Konzerthalle weiterbetreiben zu können, sind gescheitert, wie man einer Medienmitteilung der Maag Music & Arts AG entnehmen kann. Die Tonhalle Maag wird leicht umgebaut und danach als «Lichthalle Maag» weiterbetrieben, als Museum für «immersive Kunst». Gezeigt werden Lichtproduktionen über verschiedene Künstler, in der Art von «Van Gogh Alive» oder der Maag-Eigenproduktion «Hodler, Klee – Illuminated Art».

Produktionen in der Art von «Van Gogh Alive» sollen künftig im hölzernen Provisorium gezeigt werden.

Produktionen in der Art von «Van Gogh Alive» sollen künftig im hölzernen Provisorium gezeigt werden.

Dirk Shadd / Imago

Lange wurde gemunkelt, dass die Tonhalle eine Lösung anstrebe, wie sie das Schauspielhaus mit dem Stammhaus am Pfauen und dem Schiffbau in unmittelbarer Nähe des Maag-Areals schon habe. Martin Vollenwyder, früherer Zürcher Finanzvorstand und Präsident der Tonhalle-Gesellschaft, winkt ab: Es sei zwar jammerschade, dass man ein solch ausgezeichnetes Konzertprovisorium nicht erhalten könne, die Tonhalle-Gesellschaft könne es sich aber schlicht nicht leisten, zwei grosse Hallen gleichzeitig zu betreiben.

Die Tonhalle hätte sich vorstellen können, zehn bis maximal zwanzig Konzerte pro Jahr weiterhin in der provisorischen Halle durchzuführen. Dafür hätte es aber eine neue Trägerschaft gebraucht. Man hat sich darum bemüht, vor allem bei musiknahen Stiftungen, am Ende aber scheiterten alle Anläufe. Auch die Idee, die provisorische Halle von einem anderen Orchester betreiben zu lassen, beispielsweise dem Zürcher Kammerorchester, musste schliesslich aufgegeben werden.

Die Stadt hätte subventioniert

Dabei hatte auch die Stadt ihre Bereitschaft signalisiert, eine allfällige Trägerschaft für den Konzertsaal im Kreis 5 finanziell zu unterstützen. Eine Studie, die vom Präsidialdepartement in Auftrag gegeben worden war, hatte verschiedene Szenarien aufgezeigt, wie der Raum weiterhin für Konzerte hätte genutzt werden können. Allerdings hätten die Subventionen nicht an die Maag Music & Arts AG als gewinnorientierte Firma ausbezahlt werden können. Also war auch die Idee von Anfang an zum Scheitern verurteilt, eine Art Mischbetrieb mit Konzerten der Tonhalle und eigenen Veranstaltungen der Maag Music & Arts aufzuziehen.

Vor einer Woche ist bereits das Baugesuch für die künftige Nutzung des Raums im «Tagblatt» ausgeschrieben worden: «Umbau und Umnutzung von Ton- zu Eventhalle». Wie Darko Soolfrank von der Maag Music & Arts AG erklärt, bleibt die Holzbox der Tonhalle Maag, die von der Firma errichtet und an die Tonhalle vermietet worden ist, weitgehend erhalten. Lediglich die seitlichen Balkone und der Chorbalkon würden entfernt. «Auch nach diesem Rückbau soll die Tonqualität zu einem guten Stück erhalten bleiben», heisst es in der Mitteilung der Maag AG.

Man habe verschiedene Möglichkeiten für eine neue Nutzung überlegt, sagt Soolfrank, sei aber schliesslich bei einem Lichtmuseum nach dem Vorbild des Atelier des Lumières in Paris gelandet: Gezeigt werden Produktionen, in denen Werke bekannter Künstler illuminiert, animiert und vertont an Wände, Decken und Böden projiziert werden. Mit den bisher gezeigten Produktionen über Van Gogh sowie Hodler und Klee habe man sehr gute Erfahrungen gemacht und gesehen, dass diese neue Kunstform sehr gut ankomme, sagt Soolfrank.

Die Maag Music & Arts AG hat sich zum Ziel gesetzt, pro Jahr zwei bis drei Eigenproduktionen aus diesem Bereich zu zeigen. Für das Programm zuständig ist das Multimedia-Künstlerkollektiv Projektil, das schon die Produktion über Hodler und Klee umgesetzt hat. Im September soll die neue «Lichthalle» mit einer Eigenproduktion eröffnet werden, die laut der Medienmitteilung auch eine Weltpremiere darstellt.

Was passiert nach 2023?

Auch die «Lichthalle» wird wieder ein Provisorium sein. Eigentümerin der alten Fabrikhallen der Maag-Zahnradfabrik ist die Swiss Prime Site (SPS), die auf dem Areal etwas Neues plant. Die Hallen sind allerdings seit kurzem im Inventar der schützenswerten Bauten aufgeführt, können also kaum abgebrochen werden. Was genau geplant ist, will die Immobilienfirma noch nicht sagen. Fest stehe aber bereits, dass Kultur weiterhin Bestandteil des vielseitigen Angebots auf dem Areal sein werde, teilt der SPS-Sprecher Mladen Tomic auf Anfrage mit.

Im Frühjahr/Sommer sei der Studienauftrag zur Umgestaltung der alten Fabrikhallen abgeschlossen. Dann werde öffentlich über die Pläne informiert, sagt Mladic. Der Mietvertrag mit der Maag Music & Arts AG läuft bis Ende 2025 – allerdings mit der Option auf eine vorzeitige Kündigung per Mitte 2023.

Ob die Maag AG auch künftig in den umgebauten Hallen aktiv sein wird, ist noch nicht klar. Gesprächen über eine mögliche Zusammenarbeit stehe man offen gegenüber, heisst es bei der SPS. Entschieden sei noch gar nichts. Ebenfalls nur befristet ist der Betrieb der Maag AG in der Halle 622 in Neu-Oerlikon, die vor drei Jahren umgenutzt wurde, um die durch das Tonhalle-Provisorium verkleinerte Fläche auf dem Maag-Areal zu kompensieren.

Zurück ins Stammhaus

Bis 2023 ist in Neu-Oerlikon der Betrieb garantiert. Allerdings könnte es auch da länger dauern, weil der Gemeinderat eben erst die Neuplanung dieses Gebiets angepackt hat. Der Stadtrat hat die Revision der Sonderbauvorschriften kürzlich beschlossen, die den Bau von Hochhäusern ermöglicht, aber auch mehr Kultur- und Eventveranstaltungen ins Quartier bringt. Der Gemeinderat geht bei solchen Planungsvorlagen meist so sehr ins Detail, dass sich die Beratungen viele Monate oder sogar Jahre hinziehen können.

Die Tonhalle wiederum wird im Herbst in ihr 1895 erbautes Stammhaus am See umziehen können. Die umfangreichen Renovationen haben sich zwar zweimal verzögert, doch diesmal dürfte alles klappen – wenn denn die Corona-Pandemie nicht noch dazwischenfunkt. Der Bau ist auf Kurs, wie Martin Vollenwyder versichert – und wie man selber dank der Webcam auf der Baustelle überprüfen kann. Vor allem erhält man dort auch einen Eindruck davon, wie man künftig auf der grossen Terrasse den Blick auf den See und in die Berge wird geniessen können.

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