Switzerland

Die SVP bröckelt – doch im Aargauer Dorf Holziken blüht sie: Zwei Drittel der Bevölkerung wählen dort die Partei

Es ist ein Wahlergebnis wie von einem weissrussischen Autokraten erfunden: Eine Partei holt zwei Drittel der Stimmen, alle anderen bleiben einstellig.

Die SVP hat in Holziken 5,2 Prozent zugelegt am vergangenen Sonntag in den Aargauer Wahlen. Sie kommt jetzt auf 66 Prozent. National und kantonal fällt die Volkspartei zurück, in Holziken gewinnt sie Wähler hinzu. Frage an die Arbeiter im «Bären», die in der Znünipause Kaffee trinken: «Warum ist das so?» Einer schaut, als ob man ihn frage, warum der Regen von oben nach unten falle und nicht umgekehrt.

Der Kampf für das nächtliche Glockengeläut stärkt die Partei

Holziken liegt im Südwesten des Aargaus, zwischen Aarau und Zofingen. Die Nähe zum bernischen Oberaargau zeigt sich im Dialekt: Die Einwohner sprechen das «ol» im Dorfnamen als «ou». Houzikä. 1500 Menschen leben am nördlichen Ende des Suhrentals. Holziken ist klein und doch grösser als viele andere Gemeinden im Aargau. Und die SVP ist hier besonders gross.

Die FDP betreibt eine Sektion im Dorf, kämpft aber mit fehlendem Nachwuchs. Die Sozialdemokraten haben aufgegeben. Die Grünen sind noch nicht da – wenn sie denn je kommen.

Nur die SVP blüht. Holziken war einmal ein Bauerndorf. 17 Landwirtschaftsbetriebe gab es bei 500 Einwohnern. Heute sind es noch fünf Bauernhöfe. Die traditionelle Bauernpartei ist aber stark geblieben. Das sei das Verdienst eines einzigen Mannes, meinen viele Holziker.

Spricht man die Dorfbewohner auf die SVP an, verstreichen höchstens drei Minuten, bis der Name Hans Ulrich Mathys fällt. Der Hansueli mache viel, sagen die einen. Der Hansueli mache sehr viel, sagen andere. Der Hansueli mache manches so, wie man es nicht tun sollte, sagen wiederum andere.

Mathys ist 74, er war lange der Gemeindeschreiber von Holziken, er war Präsident der Aargauer SVP, er war Nationalrat – bis zu seiner Abwahl im Jahr 2007. Eine Schmach. Es gab Vorwürfe gegen Mathys und dessen Bruder. Sie betrieben die riesige Reithalle am Dorfrand, die mit finanziellen Problemen kämpfte. Juristisch blieb nichts hängen an Mathys, aber sein Ruf litt.

In die Halle lud er die nationale SVP ein. Christoph Blocher sprach und Ueli Maurer. 1200 Menschen waren da. Gewaltige Events für Holziken. Auch in der Mehrzweckhalle traten bekannte Politiker auf. Dieses Jahr hätten Adolf Ogi und Bundesrätin Viola Amherd reden sollen. Die Anlässe wurden wegen der Pandemie abgesagt.

Matyhs weibelt so lange, bis die Prominenz zusagt. Er machte aus Holziken einen Kraftort der Volkspartei, ein «schweizerisches SVP-Rütli», wie er sagt. In der Ortssektion ist er offiziell zwar nur der Mediensprecher, aber er hat sie im Griff. Und er bringt sie ins Gespräch, weit über Holziken hinaus.

Der eine Teil des Dorfes liegt am Stübisberg. Da stehen die Einfamilienhäuser. Unten in der Talebene werden viele Wohnungen gebaut. Bis zur A1 sind es nur wenige Minuten Fahrt; die Zuzüger arbeiten in Aarau, Zofingen, auch in Zürich. 2019 machte ein Bauherr, der hinter der Primarschule Eigentumswohnungen erstellen lässt, eine Eingabe an den Holziker Gemeinderat: Kann man die Glocke am Schultürmchen abstellen in der Nacht? Der Gemeinderat war einverstanden.

Er hatte nicht mit Hans Ulrich Mathys gerechnet. Die SVP startete sofort eine Petition für den Beibehalt des Glockengeläuts. «Die Unterschriften fliegen uns wie gebratene Tauben ins Maul», sagte Mathys der Presse. Die Gemeindeversammlung war dann so gut besucht wie lange nicht mehr, und sie fällte einen klaren Entscheid: Die Dorfglocke läutet auch in der Nacht weiterhin viertelstündlich. Von einem Investor aus Zug, der sich um die Ruhe seiner Kunden sorgt, lässt man sich das Holziker Dorfleben nicht beschädigen.

Die SVP machte aus dem Gebimmel eine Frage der Identität, mit Erfolg. Die Partei wehrt sich auch gegen die Fusion Holzikens mit anderen Gemeinden. Den «Zukunftsraum Aarau» – die Zusammenlegung umliegender Dörfer mit dem Kantonshauptort – erachtet man im Suhrental als Teufelszeug.

Einige der Dorfvereine arbeiten mit der SVP zusammen

Einen Dorfladen gibt es nicht mehr in Holziken. Die Einwohner fahren für ihre Besorgungen nach Schöftland; «uf Schöftle», sagen sie. Auch einen Dorfplatz sucht man vergeblich. Die Hauptstrasse ist gesichtslos, am meisten fällt die Auslage eines grösseren Möbelhauses auf. Kein Mangel herrscht hingegen an Vereinen.

Es gibt den Turnverein, den Elternverein, den Landfrauenverein, den Natur- und Vogelschutzverein, die Damenriege, die Männerriege und andere mehr. Man trifft sich regelmässig, man veranstaltet einen Markt oder einen Zmorge für alle. Und man hilft der SVP, wenn sie einen grossen Anlass organisiert. So fliessen das Vereinsleben und die Aktivitäten der Partei ineinander.

Der Wähleranteil ist extrem hoch, könnte aber noch höher sein

Die Zugezogenen machen zwar nur zögerlich mit in den Vereinen, und sie bleiben auch den Gemeindeversammlungen fern. Eine Dorfmusik gibt es nicht mehr. Die SVP sorgt aber dafür, dass sich das Dorf nicht noch schneller verändert. Zur Not lässt Hans Ulrich Mathys Unterschriften sammeln.

Seine Tochter Barbara Borer-Mathys wurde am Sonntag ins Aargauer Kantonsparlament gewählt. Sie wohnte eine Weile «auswärts», wie man im Dorf sagt, kehrte aber nach Holziken zurück. Nicht ganz so initiativ wie ihr Vater sei sie, heisst es, dafür gehe sie weniger hemdsärmelig ans Werk und sei weniger aufbrausend. Im Wahlkampf machte Borer-Mathys von sich reden, als sie den kantonalen Parteipräsidenten, Nationalrat Andreas Glarner, attackierte.

«Gewissen Exponenten fehlt der Anstand», sagte sie. Mit der Kritik an Provokateur Glarner wollte Borer-Matyhs verhindern, dass die gemässigten SVP-Sympathisanten den Wahlurnen fernbleiben. In Holziken ging dieser Plan auf.

Der Präsident der Ortspartei, ­Claude Georges, ist trotzdem nicht hochgestimmt. «Wir waren einmal eine Hochburg der SVP», sagt er. Warum nur spricht er in der Vergangenheitsform? In den kantonalen Wahlen des Jahres 2001 kam die Holziker SVP auf 71,7 Prozent. Es gibt Luft nach oben.

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