Switzerland

Die Superstudentin: warum Laura, 19 Jahre, Schweizerin und Tochter von Akademikern, im Studium am erfolgreichsten ist

Eine neue Studie zeigt, welche Zürcher Maturanden statistisch gesehen die besten Chancen im Studium haben. Welche Kantonsschule die Jugendlichen besuchen, spielt dabei fast keine Rolle.

Frauen, hier zwei Studentinnen im Hauptgebäude der Universität Zürich, haben mehr Erfolg im Studium.

Frauen, hier zwei Studentinnen im Hauptgebäude der Universität Zürich, haben mehr Erfolg im Studium.

Andreas Bodmer / NZZ

Laura ist 19 Jahre alt. Im Sommer schloss sie die Matura an einer Zürcher Kantonsschule mit dem Schwerpunktfach alte Sprachen ab. Sie wurde in der Schweiz geboren, ihre Eltern haben einen Hochschulabschluss. Diesen Herbst hat sie ein Medizinstudium begonnen.

Die junge Zürcherin darf sich freuen: Statistisch gesehen hat sie beste Aussichten, in den kommenden fünf Jahren erfolgreich ein Bachelorstudium abzuschliessen. Ihre Chancen liegen höher als diejenigen ihrer männlichen Altersgenossen, älterer Kommilitoninnen oder von Studenten mit Migrationshintergrund.

Laura ist ein fiktives Beispiel. Sie ist der Prototyp einer erfolgreichen Studentin. Wir nennen sie so, weil in ihrem Geburtsjahr Laura der meistgewählte Mädchenname war. Die Zahlen beruhen indes auf der Realität. Das zeigt eine neue Studie der Zürcher Bildungsdirektion.

Alter und Eltern sind entscheidend

Die beiden Studienautorinnen haben untersucht, welche Faktoren den Studienverlauf der Zürcher Maturandinnen und Maturanden beeinflussen. Ihr Fazit: Besonders bedeutsam für den Erfolg sind das Alter beim Eintritt ins Studium, das Bildungsniveau der Eltern und die gewählte Fachrichtung. Hinzu kommen das Geschlecht, die Herkunft und das gewählte Schwerpunktfach am Gymnasium.

Ob Laura besonders fleissig ist, einen grossen Durchhaltewillen hat oder sich an der Uni sofort wohl gefühlt hat, spielte bei der Betrachtung keine Rolle. Dafür wurden Informationen des Bundesamts für Statistik (BfS) zur Vorbildung und zum gewählten Studium sowie zu Geschlecht, Alter, Migrationshintergrund und dem Bildungsstand der Eltern analysiert. Hinzu kommen Ergebnisse aus Ehemaligen-Befragungen, die im Auftrag der Zürcher Bildungsdirektion alle drei Jahre stattfinden.

Die Zahlen zeigen: Im Kanton Zürich haben drei Viertel der jungen Leute mit Studienstart in den Jahren 2012 und 2013 innerhalb von fünf Jahren ihren Bachelorabschluss gemacht. Ein Fünftel war am Stichtag noch auf dem Weg dazu. Nur 6 Prozent haben das Studium abgebrochen.

Doch die Studienautorinnen haben genauer hingeschaut und so die Erfolgsfaktoren ausfindig gemacht. Demnach haben Frauen häufiger einen Bachelorabschluss erlangt als Männer. Ihre Erfolgsquote lag mit 79 Prozent um fast 10 Prozentpunkte höher als bei den männlichen Studienanwärtern. Oder anders ausgedrückt: Je nach Berechnungsweise haben Männer eine 1,5 bis 3 Mal höhere Wahrscheinlichkeit, ein Studium abzubrechen, als ihre Kommilitoninnen.

Auch das Alter beim Hochschuleintritt spielt eine wichtige Rolle: Die Erfolgsquote liegt mit 79 Prozent bei denjenigen am höchsten, die bei Studienbeginn 19 oder 20 Jahre alt waren. Mit steigendem Alter ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass jemand sein Studium abbricht.

Ältere Studenten brechen häufiger ihr Studium ab

Anteile in Prozent, fünf Jahre nach Hochschuleintritt

0255075100bis 18 Jahre19-20 Jahre21-22 Jahre23+ Jahre

Die Autorinnen begründen dies damit, dass ältere Semester häufiger über eine Berufsausbildung oder über Berufserfahrung verfügen. Das könne zu einem Teilzeitstudium mit entsprechend langsamerem Studienfortschritt führen oder zu einem Studienabbruch zugunsten einer Erwerbstätigkeit oder einer Familiengründung.

Mehr Ressourcen, mehr Erfolg

Obwohl viele junge Menschen fürs Studium aus dem Elternhaus ausziehen, haben ihre Mütter und Väter noch immer einen grossen Einfluss auf den Studienerfolg – vor allem der Bildungsabschluss der Eltern wirkt sich direkt auf das Gelingen des Studiums ihrer Kinder aus.

Grund dafür sind die Ressourcen. Haben bereits ihre Eltern einen Hochschulabschluss erlangt, so würden Studentinnen und Studenten stärker von ihnen finanziert, seien weniger erwerbstätig und beantragten seltener Stipendien, erklärt die Studienautorin Sarah Gerhard auf Anfrage. «Studierende mit Eltern ohne Hochschulabschluss wiederum berichten häufiger von finanziellen Schwierigkeiten und beurteilen ihren Gesundheitszustand als weniger gut.»

Das alles kann sich negativ auf den Studienerfolg auswirken. Die Wahrscheinlichkeit eines Studienabbruchs ist für jemanden, dessen Eltern keinen Hochschulabschluss haben, fast sechsmal so hoch wie für Studenten aus einem akademischen Milieu.

Studentinnen und Studenten von Eltern mit Hochschulabschluss sind erfolgreicher

Anteile in Prozent, fünf Jahre nach Hochschuleintritt

0255075100Eltern mit HochschulabschlussEltern ohne Hochschulabschluss

Auch die Herkunft ist relevant. Im Ausland geborene Personen weisen eine geringere Erfolgs- und eine höhere Abbruchquote auf als gebürtige Schweizer.

Die gewählten Fachrichtungen können ebenfalls über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Maturanden, die das Langgymnasium besucht und den Schwerpunkt alte Sprachen gewählt haben, weisen im Studium die höchste Abschlussquote auf.

An der Universität sind Studentinnen und Studenten in den Fachgebieten Medizin, Kunst und Design und in der Lehrkräfteausbildung am erfolgreichsten. Am meisten Abbrüche gibt es bei jenen der Rechtswissenschaften und in den Fachgebieten Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (Mint).

Das zeigt sich auch an den verschiedenen Hochschulen: Während in den Jahrgängen 2012 und 2013 sämtliche Eintritte in die Hochschule für Heilpädagogik zu einem Abschluss führten, beträgt die Erfolgsquote unter den ETH-Eintretenden lediglich 69 Prozent.

Je nach Hochschule variiert die Abschlussquote erheblich

Anteile in Prozent, fünf Jahre nach Hochschuleintritt

0255075100HfHZHdKPHZHZHAWAndere FHAndere PHAndere UHUZHETHZ

Die Mint-Studenten wechseln allerdings häufiger die Hochschule und das Studienfach. Diese Wechsel führen laut den Studienautorinnen zu einem langsameren Studienfortschritt, sind jedoch keinesfalls mit einem Scheitern des Hochschulstudiums gleichzusetzen.

Kantonsschule nicht entscheidend

Das Alter, das Geschlecht, das Elternhaus und die gewählten Fachrichtungen spielen laut der Studie also eine entscheidende Rolle dabei, ob ein Studium von Erfolg gekrönt ist oder nicht. Kaum von Bedeutung ist, welche Kantonsschule die Maturandinnen und Maturanden besucht haben.

Zwar variiert die Abschlussquote der Abgänger zwischen 63 Prozent (Mathematisch-Naturwissenschaftliches Gymnasium Rämibühl) und 85 Prozent (Kantonsschule Rychenberg). Diese Unterschiede führen die Autorinnen aber fast vollständig auf andere Faktoren wie die angebotenen Maturitätsprofile, die gewählten Fachbereiche, die Altersstruktur der Schülerschaft und den Bildungsstand der Eltern zurück.

Die Forscherinnen betonen, dass es sich bei all ihren Ergebnissen um Wahrscheinlichkeiten handelt. Ob Laura innerhalb der nächsten fünf Jahre einen Bachelorabschluss in den Händen halten wird, lässt sich deshalb nicht mit Gewissheit sagen. Die Zahlen sprechen aber dafür.

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