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Die Suche nach Wahrheit, Buhrufe und ein Arzt im falschen Film

Es waren ungewohnte Szenen, die sich am Freitagabend auf dem Aarauer Schlossplatz abspielten. Mehrer hundert Personen hatten sich eingefunden, um ein Podium zum Umgang mit der Coronapandemie zu verfolgen – eine Maske trug niemand, viele reichten sich die Hand und umarmten sich herzlich zur Begrüssung. Und als Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati das Publikum in seinem Grusswort mahnte, den Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten, erntete er nur Lachen. 

Auf dem Podium unter freiem Himmel sassen die Nationalräte Matthias Jauslin (FDP), Ruth Humbel (CVP), Lilian Studer (EVP), Thomas Burgherr (SVP) sowie Beat Jans (SP, Basel-Stadt) und Epidemiologe Marcel Tanner von der Bundes-Taskforce. Auf der anderen Seite sassen der deutsche Verschwörungstheoretiker Samuel Eckert sowie coronakritische Mediziner, darunter Rainer Schregel aus Wattwil SG.

Eindrücke vom Coronapodium mit Nationalräten und Skeptikern in Aarau:

Der Deutsche wurde am Freitag als Amtsarzt abgesetzt, nachdem er auf Facebook geschrieben hatte: «Ausser bei den Nazis sind noch nie Lehre, Wissenschaft und Medizin so missbraucht und vergewaltigt worden, wie heutzutage.» Später beleidigte er eine Journalistin des «St. Galler Tagblatts» und schrieb, diese wäre von Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels wohl als «mein kleines Mädchen» bezeichnet worden.

Coronakritiker geben sich in der Diskussion gemässigt

In Aarau blieben aber sowohl Eckert als auch Schregel in ihren Aussagen relativ moderat. In der ersten Runde, die zu einem Ping-pong zwischen den Coronakritikern und Tanner wurde, ging es primär darum, wie zuverlässig Covid- Tests sind. Tanner räumte ein, dass die Tests am Anfang mangelhaft gewesen seien, inzwischen seien diese jedoch verbessert worden und zuverlässig.

Eckert fragte unter anderem, wie viele Menschenleben durch die Massnahmen gegen Corona vernichtet worden seien und verwies dabei auf steigende Suizidraten. Tanner sagte, tatsächlich seien die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Coronapandemie gravierend, gerade deshalb müsse ein zweiter Lockdown verhindert werden.

Schregel zitierte eine deutsche Studie, die belegen soll, dass durch Antikörper und Zellabwehr eine Immunität von 80 Prozent gegen das Coronavirus vorhanden sei. Deshalb sei eine Impfung nicht sinnvoll, sagte er unter dem Applaus des Publikums. Tanner sagte, er sei nicht für eine Impfpflicht, während Björn Riggenbach, ein Arzt aus Neuenburg, die angebliche Immunität von 80 Prozent anzweifelte.

Riggenbach, selber ein Coronakritiker, sagte dann, er habe seit Januar nur zwei Covid-Patienten behandelt und fühle sich im falschen Film. Tanner sagte, die Situation sei in jedem Kanton wieder anders und verglich Corona mit einem Brand. Die Feuerwehr rücke zu Recht bei einem Räuchlein aus, nicht erst, wenn die ganze Altstadt brenne. Dies konterte Riggenbach mit der Aussage, die Coronamassnahmen kämen ihm vor, als wenn mehrere Löschflugzeuge über Aarau Wasser abwerfen würden, obwohl es nirgends brenne.

Simon Feldhaus, Komplementärmediziner aus Baar ZG, wollte wissen, warum nicht getestet werde, wie gross der Anteil der Bevölkerung sei, der insgesamt mit dem Coronavirus angesteckt worden sei. Tanner entgegnete, dies werde sehr wohl gemacht, sogenannte Antikörpertests hätten zum Beispiel gezeigt, dass im Kanton Genf rund 10 Prozent der Bevölkerung mit dem Virus in Kontakt gekommen seien.

Politiker verteidigen sich gegen Kritik und Rücktrittsforderung

Im zweiten Teil fragte Moderator Urs Thali die fünf Politiker, ob die Coronamassnahmen verhältnismässig seien. Thomas Burgherr sprach sich für Masken, Abstandhalten und Hygienemassnahmen aus. Dies schade der Wirtschaft nicht und verhindere den zweiten Lockdown. Matthias Jauslin sagte, in den Kommissionen im Nationalrat werde geprüft, wie der Bund die Krise gemanagt habe und ob die Massnahmen korrekt gewesen seien.

Beat Jans hielt fest, dass er als Politiker den Menschen zuhöre. Dies gelte auch, wenn sie anderer Meinung seien. «Aber Sie sind nicht die Mehrheit, die meisten Leute stützen die Massnahmen gegen die Pandemie», betonte er. Lilian Studer ergänzte, dass sie auch Zuschriften von Leuten erhalte, die sich härtere Restriktionen wünschten und kritisierten, die Vorgaben seien zu rasch gelockert worden. Hier schaltete sich Samuel Eckert ein und sagte, es gehe nicht darum, der Mehrheit zu folgen, sondern die Wahrheit zu finden.

Mehrfach gab es Buhrufe aus dem Publikum, was Organisatorin Theres Schöni von der Lösungs-Orientierten Volksbewegung zu unterbinden versuchte. Schliesslich kam die Forderung aus dem Publikum, alle Politiker müssten zurücktreten, weil sie das Volk entmündigten und ihm Rechte nähmen. Darauf konterte Ruth Humbel, viele wollten nur die unbegrenzte Freiheit der Spassgesellschaft, dabei brauche es auch Solidarität und Verantwortung.

Nach rund zwei Stunden endete das Podium, alle Teilnehmer würdigten es in ihren Schlussworten als wertvollen Gedankenaustausch – auch wenn man sich inhaltlich nicht näher kam.

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