Switzerland

Die Stadt Zürich hat vorschnell Solaranlagen auf einem schutzwürdigen Schulhaus erlaubt

Auf den Dächern der Schule Langmatt in Witikon soll eine Solaranlage entstehen. Die Bausektion des Stadtrats hat diese bewilligt, ohne im Detail abzuklären, ob dadurch das Schutzobjekt «wesentlich beeinträchtigt» wird. Dies sagt das Verwaltungsgericht.

Viel Grün rund um die Schulanlage Langmatt im Quartier Witikon.

Viel Grün rund um die Schulanlage Langmatt im Quartier Witikon. 

Micha L. Rieser

Man sieht es der Schulanlage nicht auf den ersten Blick an, dass sie so bedeutend sein soll. Ziemlich unscheinbar wirken der eingeschossige Klassentrakt und die daran angebauten leicht höheren Gebäude. Sie sind aber, wie wir dem Begleitband zum Zürcher Denkmalinventar entnehmen können, «frühe Zeugen des neuzeitlichen Schulbaus im Sinn der klassischen Moderne». Entworfen wurden sie in den 1930er Jahren vom Architekturbüro von Heinrich Oetiker und Karl Kündig, das auch zahlreiche Wohnkolonien für die Stadt und für Genossenschaften entworfen hat, beispielsweise den berühmten Erismannhof. Oetiker wurde später Stadtrat und war dort für den Hochbau verantwortlich.

Mitbesitzer von Solaranlagen

Vor sechs Jahren hat das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) eine neue Aktion lanciert, um Solarstrom populärer zu machen. Seither können Privatpersonen quadratmeterweise Teile von Solaranlagen erwerben und erhalten dafür den dort produzierten Strom. Wenn sich genügend Kundinnen und Kunden bei Solarzüri gemeldet haben, wird die entsprechende Anlage gebaut. Ende 2018 teilte das EWZ mit, dass man bereits 2500 Personen für das neue Angebot habe begeistern können. Elf Anlagen seien in Betrieb, drei weitere sollten folgen, unter anderem eine auf den Dächern des Schulhauses Langmatt. 

Eigentlich ist der Bau von Solaranlagen auf bestehenden Gebäuden keine grosse Sache. Politikerinnen und Politiker aller Stufen wollten dies erleichtern, indem sie die entsprechenden Gesetze abspeckten. Selbst wenn sich ein Gebäude im kommunalen Inventar der schützenswerten Bauten befindet, braucht es nicht zwingend ein aufwendiges Baubewilligungsverfahren fürs Montieren einer Solaranlage. Das einfachere Meldeverfahren genügt in der Regel. 

Eine eigentliche Baubewilligung braucht es aber bei Gebäuden, die sich in Inventaren von Kanton und Bund befinden, also von höherer Bedeutung sind und zusätzlichen Schutz geniessen. Doch auch diese Bewilligung kann erteilt werden, wenn eine Solaranlage das Schutzobjekt «nicht wesentlich beeinträchtigt». Die Schulanlage Langmatt im Quartier Witikon ist einerseits im kommunalen Denkmalinventar aufgeführt, geniesst andererseits aber auch den Schutz durch das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder (Isos) – und zwar in der höchsten Kategorie für Einzelobjekte.

«Nutzloser Zusatzaufwand», fand die Stadt

Die Stadt Zürich handelte zunächst also korrekt, als sie für die Solaranlagen ein Baubewilligungsverfahren durchführte. Am 30. April 2019 hat die Bausektion des Stadtrats dem Elektrizitätswerk der Stadt (EWZ) die nötige Bewilligung erteilt. Diese Bewilligung ist allerdings in der Folge aufgehoben worden; auf einen Rekurs des Zürcher Heimatschutzes hin hat das Baurekursgericht befunden, die Stadt habe zu wenig abgeklärt, ob das Denkmalschutzobjekt durch die Anlagen beeinträchtigt werde. Diesen Entscheid schützt nun auch das Verwaltungsgericht, das die Beschwerde der Bausektion des Stadtrats zu beurteilen hatte.

Die Stadt hatte mitgeteilt, dass hier ein «nutzloser Zusatzaufwand» betrieben werde. Die Solaranlagen seien aus einem dunklen Material und würden sich bestens in die Dachlandschaft einfügen, die bedeutende Schulanlage werde also nur «unwesentlich beeinträchtigt». Zusätzlich verwies die Stadt noch auf die Zürcher Gemeindeordnung, in der die Förderung erneuerbarer Energien ja festgeschrieben sei. Solche Verweise auf die Gemeindeordnung beeindrucken die Gerichte in der Regel nicht stark. Das war schon so, als die Stadt in anderen Verfahren fand, man dürfe den Denkmalschutz grosszügiger handhaben, wenn es um den Bau neuer, günstiger Wohnungen gehe, weil dies ja auch in der Gemeindeordnung gefordert werde. 

Über dem Eingang zum Schulhaus Langmatt wurde dem Neubau selber ein Denkmal in Form eines Gemäldes gesetzt.

Über dem Eingang zum Schulhaus Langmatt wurde dem Neubau selber ein Denkmal in Form eines Gemäldes gesetzt.

Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich

Das Verwaltungsgericht hält nun in seinem Urteil fest, dass die Inventarisierung eines Objekts, auf kantonaler wie auf kommunaler Stufe, noch keinen Schutz bewirke. Sie begründe jedoch die «Vermutung der Schutzwürdigkeit», weshalb sich die zuständige Behörde damit auseinandersetzen müsse. Bei Objekten von nationaler Bedeutung bestehe zudem bei der Erteilung von kommunalen Baubewilligungen die Pflicht, eine «eingehende Interessenabwägung im Licht der Heimatschutzanliegen» vorzunehmen. 

Weitere Schulhäuser folgen

Um die Frage beantworten zu können, wie stark ein Denkmalschutzobjekt durch eine Solaranlage beeinträchtigt werde, müsse man zunächst Klarheit über die Qualität des Gebäudes erhalten. Es gebe zwar eine Stellungnahme der städtischen Denkmalpflege, diese sei aber «ausgesprochen knapp» ausgefallen. Es brauche zusätzliche Abklärungen und einen formellen Bericht, um die Frage der Qualität klar beantworten zu können. Diese Forderung tangiere die Gemeindeautonomie übrigens in keiner Weise, wie das die Stadt moniert hatte. Der Entscheid des Baurekursgerichts wird damit geschützt und die Sache an die Stadt zurückgewiesen. 

Das Urteil ist für den Heimatschutz über den Einzelfall hinaus von einiger Bedeutung. Die drei Objekte, die das EWZ zuletzt als Standort für neue Solaranlagen vorstellte, sind alles städtische Schulanlagen – und alle drei befinden sich im Inventar der schützenswerten Bauten. 

Urteil VB.2019.758 vom 8. 4. 20. Nicht rechtskräftig.

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