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Die Skepsis gegenüber Erdogans Schulplänen ist berechtigt

Die türkischen Pläne zur Eröffnung von Schulen im Ausland haben zu Recht Bedenken geweckt. Die gleiche Skepsis gebührt aber auch den Aktivitäten der islamischen Gülen-Bewegung, gegen die sich der türkische Vorstoss richtet.

Erdogan verlangt die weltweite Schliessung der Gülen-Schulen – doch bisher rennt er mit der Forderung im Ausland gegen verschlossene Türen.

Erdogan verlangt die weltweite Schliessung der Gülen-Schulen – doch bisher rennt er mit der Forderung im Ausland gegen verschlossene Türen.

Presidential Press Service / AP

Die Türkei will drei Schulen in Deutschland eröffnen. Auch die Bundesrepublik betreibt in Istanbul, Ankara und der Küstenstadt Izmir deutsche Auslandschulen. Was spricht also gegen das türkische Begehren? Die Forderung nach Unterricht auf Türkisch für Kinder türkischer Diplomaten und andere interessierte Familien erscheint zunächst legitim, zumal sich die geplanten Gymnasien wie alle ausländischen Privatschulen an staatliche Lehrpläne werden halten müssen.

Doch hinter der Forderung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan versteckt sich eine fragwürdige Kampagne gegen die Schulen der islamischen Gülen-Bewegung. Erdogan macht die konservative Bruderschaft von Fethullah Gülen für den gescheiterten Militärputsch vom Juli 2016 verantwortlich und sieht ihr weltweites Netzwerk von Schulen und Wohnheimen als Brutstätte für Terroristen.

In Deutschland und in anderen europäischen Staaten wird die Verfolgung der Gülen-Anhänger zumeist als Rachefeldzug eines paranoiden Machthabers gesehen, der jedes Mass verloren hat. Mit seiner Forderung nach Schliessung der Gülen-Schulen beisst Erdogan daher in Berlin und in anderen Hauptstädten ebenso auf Granit wie mit seinen Anträgen auf Auslieferung der Gülen-Anhänger.

Wie in anderen Ländern auf dem Balkan und in Afrika, in denen sich die örtlichen Eliten der Forderung nach Schliessung der Gülen-Schulen widersetzen, hat sich der Präsident daher nun darauf verlegt, eigene Bildungsstätten zu fordern. Die staatliche Maarif-Stiftung, die wohl auch die Trägerschaft für die Gymnasien in Köln, Berlin und Frankfurt übernehmen wird, betreibt weltweit schon gut 320 Schulen.

Es ist an der Zeit, dass die Regierung in Berlin ihr Verhältnis zur Gülen-Bewegung überdenkt.

Ob die Schulen die Qualität ihrer Rivalen erreichen, müssen sie erst noch beweisen. Anders als die Gülen-Schulen richten sich die Maarif-Einrichtungen explizit an Muslime und bieten Koranunterricht und andere Islamkurse an. Nicht nur werden die türkische Kultur und Sprache gepflegt, sondern auch das neoosmanische Geschichtsbild vermittelt, das der expansiven Aussenpolitik Erdogans zugrunde liegt.

Die Regierung in Berlin sollte sich gut überlegen, ob sie dem Druck der Türkei nachgibt. Allerdings wäre es auch an der Zeit, ihr Verhältnis zur Gülen-Bewegung zu überdenken. So falsch es ist, die Bruderschaft pauschal für den Putschversuch verantwortlich zu machen und sämtliche ihrer Anhänger zu Terroristen zu erklären, so falsch ist auch das Bild der Bewegung als harmloser Verein für Bildung und Dialog.

Die Gülen-Bewegung ist eine konservative islamische Sekte, die in vielerlei Hinsicht die Weltsicht und die Wertvorstellungen Erdogans teilt. Über Jahre hatte die Bruderschaft Erdogans Partei als informeller Koalitionspartner gedient und zahllose Stellen in Justiz, Polizei und Verwaltung besetzt. Doch als sich Erdogan alle Macht in der Türkei gesichert hatte, zerbrach das Bündnis, und es kam zum erbitterten Machtkampf.

Auch wenn die Gülen-Schulen nach aussen säkular sind, wird in den Lesekreisen und Wohnheimen der Bewegung ein sehr traditionelles Religionsverständnis vermittelt. Es herrscht eine rigide Hierarchie mit strenger Geschlechtertrennung. Was gelesen und worüber diskutiert werden darf, ist genau vorgegeben. Für Meinungsfreiheit und Demokratie steht Gülens Bruderschaft genauso wenig wie Erdogans Partei.

Kein Staat sollte deshalb die Gymnasien der Bewegung schliessen oder ihre Lehrer an Erdogans Geheimdienst ausliefern. Doch das Bild der verfolgten Unschuld, das in Politik und Medien vieler europäischer Länder vorherrscht und von der Gülen-Bewegung fleissig bedient wird, gehört überdacht. Dieselbe Skepsis, die den Schulen Erdogans gebührt, sollte auch für das Netzwerk der Gülenisten gelten.

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