Switzerland

Die Schlacht zu Lehenmatt

Es ging definitiv nicht um Fussball: Nach der FCB-Saisonabschlussfeier im Mai 2018 rückten Zürcher Fans an, obwohl deren Mannschaft am Spiel gar nicht beteiligt war. Ungefähr 40 «Zürcher» parkierten ihre Autos in der Lehenmattstrasse, wobei in diese Zahl auch befreundete Karlsruher Fans eingerechnet sind. Eine «Auseinandersetzung» sei abgemacht gewesen, hatte einer der Männer später zugegeben, wobei unklar blieb, ob bei den FCB-Anhängern jemand die Abmachung tatsächlich kannte.

Mehrheit der Beteiligten bleibt unerkannt

Die Truppe überraschte jedenfalls die FCB-Fans beim Sprayen unter der Eisenbahnbrücke, die Keilerei ging los, irgendwann trieben die Basler durch ihre schiere Anzahl die Zürcher wieder zurück bis Höhe Redingstrasse. Die Bilder der dortigen Schlacht gelangten rasch in die Medien, zumal Anwohner filmten, wie mehrere Zürcher mehr oder weniger erfolgreich versuchten, mit ihren Fahrzeugen dem Mob in der Lehenmattstrasse zu entkommen. Von den rund 100 damals Beteiligten blieben die meisten unerkannt.

Immerhin zwölf Männer müssen sich seit gestern Montag vor dem Basler Strafgericht verantworten, teilweise wurden sie an Ort und Stelle von der Polizei festgenommen. Manche wurden auch über ihre DNA identifiziert, etwa durch Hinterlassenschaften wie Mundschutz oder Handschuhe. Die meisten Männer sind keine Unbekannten, im Zusammenhang mit Fussballspielen sind schon einige von ihnen aufgefallen und wegen Landfriedensbruchs vorbestraft. «Zürichs kranke Horde» nennt sich eine einschlägige Gruppierung, indes wollte am Montag gerade ein Mann mit besonders auffälliger Vergangenheit diesen Namen noch nie gehört haben.

Viele der Angeklagten wollen sich nicht äussern

Wie bei Hooligan-Prozessen üblich ist die Bandbreite der Angeklagten gross: So etwa ein 24-Jähriger, der berufsbegleitend Informatik studiert, ein hoch verschuldeter Gebäudereiniger oder auch ein einschlägig vorbestrafter Sozialpädagoge, der von seiner Weiterbildung im «dialogorientierten Handeln» erzählte. Zwei der Angeklagten sind Deutsche, einer Basler, einer Baselbieter, die restlichen acht Männer stammen aus Zürich.

Viele wollten sich nicht mehr zu den Vorwürfen äussern, andere distanzierten sich mehr oder weniger deutlich von der Szene. So muss etwa ein 36-jähriger Mann regelmässig zur Suchtberatung antraben und sprach vor Gericht ironisch von «Wellness», die ihm guttue. Fast alle gehen einem Beruf nach oder sind in Ausbildung, der Jüngste ist 23.

Es drohen auch unbedingte Freiheitsstrafen

Am Montag sah sich das Dreiergericht mehrere Videos jener Nacht an, bei den meisten Angeklagten geht es lediglich um die Frage, ob sie Teil der gewaltausübenden Meute waren. Viele der Männer geben immerhin zu, damals dabei gewesen zu sein, betonten aber auch, sie hätten keine derartige Gewalt erwartet.

Bei drei der Angeklagten sind die Vorwürfe gravierender: Die Staatsanwaltschaft sieht sie als diejenigen Täter, die in jener Nacht auch auf am Boden liegende Verletzte eingeschlagen haben, teilweise sind auf den Videos massive Tritte gegen den Kopf zu sehen.

Im Verbund mit den Vorstrafenlisten drohen hier unbedingte Freiheitsstrafen wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Die Urteile fallen in der zweiten Märzwoche.