Switzerland

Die Richtung der Energiewende stimmt, aber nicht das Tempo

Netto null Emissionen bis 2050 sollen laut den neusten Energieperspektiven technisch möglich sein. Die Schweiz hat auf dem Weg dorthin einiges erreicht. Aber der Umbau des Energiesystems erfordert noch grosse Anstrengungen und immense Summen.

Solarpanels im hochalpinen Gebiet wie auf der Staumauer des Albigna-Stausees im Bergell liefern einen höheren Anteil an Winterstrom.

Solarpanels im hochalpinen Gebiet wie auf der Staumauer des Albigna-Stausees im Bergell liefern einen höheren Anteil an Winterstrom.

Gian Ehrenzeller / Keystone

Seit die Schweiz die Energiewende eingeleitet hat, werden die Fortschritte in jährlichen Monitorings untersucht. Der neuste Bericht des Bundesamtes für Energie (BfE), der die Entwicklung bis Ende 2019 enthält, zeichnet ein recht positives Bild des bisher Erreichten, sowohl bei der Effizienz im Energieeinsatz wie auch beim Ausbau der erneuerbaren Energien. «Bei der Umsetzung der Energiestrategie 2050 sind wir heute auf Kurs, aber wir können uns nicht zurücklehnen», bilanzierte BfE-Direktor Benoît Revaz bei der Präsentation.

Bei den neuen erneuerbaren Energien, allen voran bei der Photovoltaik, habe sich das Wachstum verstärkt. Derzeit liefere sie fast 4200 Gigawattstunden (GWh) Strom oder 6,2 Prozent der gesamten Produktion. Der Richtwert für das Jahr 2020 von 4400 GWh sei damit in Griffnähe, sagte Revaz. Allerdings müsse der jährliche Ausbau klar steigen, um auf dem Ausbaupfad bis 2035 den Richtwert von 11 400 GWh zu erreichen. Ähnlich sieht es bei der Wasserkraft aus, die zusammen mit der Photovoltaik hauptsächlich den schrittweisen Wegfall der Kernenergie bis in 15 bis 20 Jahren kompensieren soll. Der Richtwert für das Jahr 2035 von 37 400 GWh sei gemäss der Potenzialstudie des BfE erreichbar mit einem stetigen jährlichen Ausbau der Produktion um 79 GWh pro Jahr. Dazu müsse jedoch fast das ganze bis 2050 ausgewiesene Potenzial bereits bis 2035 realisiert werden.

Verbrauch pro Kopf sinkt dank Effizienz

Erfreuliches zeigt das Monitoring beim Verbrauch. Der Gesamtverbrauch von Energie pro Kopf lag witterungsbereinigt 18,1 Prozent unter dem Ausgangsjahr 2000. Damit wurde der für 2020 angestrebte Richtwert von –16 Prozent unterboten. Um den Richtwert für 2035 von –43 Prozent zu erreichen, müsse jedoch der durchschnittliche jährliche Rückgang auf 2,2 Prozent gesteigert werden; bisher lag er bei 1,4 Prozent. Auch der Verbrauch von Strom ging gegenüber dem Basisjahr um 8 Prozent zurück, so dass das Ziel von –3 Prozent bis 2020 bereits erreicht wurde. Um den Richtwert für 2035 von –13 Prozent zu erreichen, muss der Rückgang des Stromverbrauchs verstetigt werden. Das dürfte jedoch schwierig werden, da immer mehr fossile Energieträger durch Strom ersetzt werden, etwa durch Elektroautos und Wärmepumpen. «Längerfristig bestehen grosse Herausforderungen, um unser Energiesystem umzubauen und nachhaltiger zu gestalten», sagte BfE-Direktor Revaz. Die energiebedingten CO2-Emissionen nähmen seit dem Jahr 2000 ab, seien aber immer noch zu hoch. Es brauche deshalb zusätzliche Anstrengungen.

Bereits beschlossen ist das revidierte CO2-Gesetz, das auf eine Reduktion der fossilen Treib- und Brennstoffe abzielt und wohl ein Referendum überstehen muss. Der Bundesrat will zudem mit der Revision des Energiegesetzes und des Stromversorgungsgesetzes die Rahmenbedingungen für den Zubau der erneuerbaren Energien im Inland verbessern und die Versorgungssicherheit im Winter stärken. Dazu soll das Fördersystem für erneuerbare Energien verlängert werden. Zur Versorgungssicherheit beitragen soll der Ausbau von gezielt im Winter abrufbarem Strom sowie eine neue Stromreserve als Versicherung für ausserordentliche Situationen. Die vorgesehene volle Marktöffnung soll die dezentrale Stromproduktion mit Photovoltaik stärken. Laut Revaz sollen die in einem Mantelerlass kombinierten Gesetzesrevisionen Mitte nächsten Jahres vorliegen.

Netto null bis 2050 ist möglich

Zusätzlich zum Monitoring legte das BfE die neuste Ausgabe der Energieperspektiven vor, die seit der Erdölkrise 1973 regelmässig erscheinen. Die «Energieperspektvien 2050+» integrieren erstmals die Ziele der Klima- und Energiepolitik und zeigen mit aktualisierten Rahmendaten in verschiedenen Szenarien Wege zu einer klimaneutralen Schweiz auf. Ihr Fazit: Das Ziel von netto null CO2-Emissionen bis 2050 sei mit den jetzigen oder in Entwicklung stehenden Technologien möglich. Die Studie nimmt dabei an, dass die Bevölkerung auf mehr als 10 Millionen Menschen wächst, dass die beheizte Fläche um 17 Prozent erweitert wird, die zurückgelegten Kilometer um 17 Prozent und das Bruttoinlandprodukt um 38 Prozent wächst.

Das Szenario «Basis zero» geht davon aus, dass die fossilen Energieträger Gas und Öl ersetzt werden, im Verkehr durch Elektrofahrzeuge, in den Haushalten durch Wärmepumpen und Fernwärme. Schwer vermeidbar seien CO2-Emissionen aus der Landwirtschaft, aus gewissen industriellen Prozessen und aus der Kehrichtverwertung. Diese «Restemissionen» von 12 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent müssten aufgefangen und im Inland oder Ausland eingelagert werden, sagte Almut Kirchner vom Beratungsbüro Prognos, das die Studie mitverfasst hat. Die Substitution fossiler Energieträger durch Strom führt zu einem um 24 Prozent erhöhten Stromverbrauch von 84 Terawattstunden (TWh) im Jahr 2050, projiziert die Studie. Gemildert werde dieser Mehrbedarf durch steigende Energieeffizienz. Und gedeckt werde er im Szenario durch einen massiven Ausbau der inländischen neuen erneuerbaren Energien um 39 Terawattstunden, insbesondere der Photovoltaik sowie der Wasserkraft. Das Szenario geht zudem davon aus, dass Netto-Stromimporte nötig sein werden, insbesondere nach dem Abschalten der Kernkraftwerke.

2,4 Milliarden Mehrkosten pro Jahr

Die Verfasser der «Energieperspektiven 2050+» stellten auch Überlegungen an, wie hoch die volkswirtschaftlichen Kosten für den Umbau des Energiesystems auf Klimaneutralität wären, verglichen mit einem Szenario «weiter wie bisher». Mache die Schweiz weiter wie bisher, stosse sie 2050 immer noch 32 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent aus. Das wäre zwar ein Drittel weniger als heute, aber immer noch massiv zu viel. Im Szenario «weiter wie bisher» würden laut der Studie bis 2050 insgesamt 1400 Milliarden Franken Investitionen ohnehin anfallen. Im Szenario «Basis zero» müssten 109 Milliarden Franken mehr investiert und 14 Milliarden Franken mehr für den Unterhalt ausgegeben werden, während 50 Milliarden Franken an Energiekosten für fossile Energieträger gespart werden könnten. Unter dem Strich ergäbe dies laut der Studie 2,4 Milliarden Franken jährliche Mehrkosten zur Erreichung einer klimaneutralen Schweiz bis 2050.

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