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Die QAnon-Verschwörungstheorie auf dem Sprung in den Kongress der USA

In Georgia hat eine Republikanerin die Vorwahl gewonnen, die sich offen zu einer hirnrissigen Bewegung bekannte. Präsident Trump stellte sicher, dass sie im Fall des wahrscheinlichen Wahlsiegs von ihrer Partei mit offenen Armen aufgenommen wird.

Bei einer Wahlkampfveranstaltung von Präsident Trump in Ohio gibt sich ein Teilnehmer mit dem Buchstaben Q offen als Anhänger der extremistischen QAnon-Bewegung zu erkennen.

Bei einer Wahlkampfveranstaltung von Präsident Trump in Ohio gibt sich ein Teilnehmer mit dem Buchstaben Q offen als Anhänger der extremistischen QAnon-Bewegung zu erkennen.

Brian Cahn / Imago

Tief im Innern von Staat und Gesellschaft ist global eine verdeckte Kabale der Eliten aus Politik, Wirtschaft und Medien am Werk. Sie hängen dem Satanismus an, missbrauchen Kinder und verzehren diese sogar in rituellem Kannibalismus, um mit einer Art Frischzellentherapie ihr eigenes Leben zu verlängern. Präsident Donald Trump ist der weisse Ritter, der dieser Verschwörung entgegentritt und sie, in nicht allzu weiter Ferne, in einer Art von Jüngstem Gericht zerschlagen wird. So ungefähr lautet die Botschaft einer wachsenden Gruppe von Verschwörungstheoretikern, die unter dem Siegel von QAnon oder oft nur mit einem «Q» auf sich aufmerksam machen.

Endlosschleife von Behauptungen

Man sieht diese Aktivisten an rechtsextremen Aufmärschen, aber auch an Wahlveranstaltungen von Präsident Trump oder in ganz unverdächtigen Menschenansammlungen. Geistig gefüttert werden sie von einem angeblichen hochgestellten Insider des Machtapparats. Die Person soll eine besonders hohe Zugangsberechtigung zu Staatsgeheimnissen haben (Q clearance) und streut anonym für ihre Gefolgschaft wegweisende Botschaften aus wie Hänsel und Gretel mit den Brotkrümeln. Die unbekannte Person ist QAnon, und sie kündigt in sibyllinischen Internetbotschaften grosse Ereignisse an, die allerdings nie eintrafen. Doch das bestärkt die Anhänger nur in der Überzeugung, dass «Q» raffiniert seine Spuren verwischt: eine Endlosschleife von Behauptungen, deren Gegenteil nie bewiesen werden kann.

Seit der Vorwahl für einen Kongresssitz in Georgia am Dienstag ist es etwas schwieriger geworden, die wachsende Anhängerschaft dieser wilden Verschwörungstheorie als Spinner abzutun. Marjorie Taylor Greene, Geschäftsfrau und republikanische Kandidatin für einen Wahlbezirk in Georgia, hat sich in der parteiinternen Vorwahl deutlich gegen ihren Konkurrenten durchgesetzt und wird in dieser konservativen Region im Herbst wohl gewählt werden. In Facebook-Videos, die dem Politmagazin «Politico» zugespielt worden waren, hiess Greene nicht nur die kruden Thesen von QAnon gut, sondern erregte auch mit abschätzigen Bemerkungen über Latinos und Schwarze sowie über eine angebliche islamische Invasion der Regierung Aufsehen. Dem jüdischen Milliardär und Kämpfer für offene Gesellschaften George Soros warf sie vor, mit den Nazis kollaboriert zu haben.

Greenes Erfolg hat die Republikanische Partei in Verlegenheit gebracht. Einige ihrer Politiker, unter ihnen die Nummer zwei im Repräsentantenhaus, Steve Scalise, hatten zuvor betont, dass es für solche Leute in der Grand Old Party keinen Platz gebe. Doch Präsident Trump gab eine andere Linie vor, als er Greene auf Twitter zu ihrem Sieg gratulierte und sie als «kommenden republikanischen Star» lobte.

Seither hat der republikanische Minderheitsführer im Repräsentantenhaus, Kevin McCarthy, klargemacht, dass er Greene nicht nur in seiner Fraktion willkommen heissen, sondern ihr auch Sitze in Kommissionen übertrage werde.

Die streitbare Frau setzt sich nun als stolzes Opfer einer linken Medienhatz in Szene und sagte in ihrer Siegesrede auch gleich, wozu sie nach Washington gehen werde: um die demokratische Vorsitzende Nancy Pelosi, «dieses Miststück», aus dem Kongress zu kicken.

Sie hat diesen Ton natürlich nicht erfunden; ihre Prahlerei erinnerte vielmehr an die radikale Demokratin Rashida Tlaib aus Michigan, die nach ihrem Wahlsieg 2018 ausrief, man werde gegen den «Scheisskerl» Trump das Impeachment einleiten.

In der Tat verglichen einige Beobachter den Erfolg von Figuren wie Greene in der Republikanischen Partei mit jenem junger radikaler Frauen wie Tlaib, die 2018 und auch dieses Jahr einige altgediente Demokraten in Vorwahlen aus dem Rennen schlugen. Die Prominentesten unter ihnen sind Ilham Omar (Minnesota) oder Alexandria Ocasio-Cortez (New York).

Greene wird möglicherweise auch nicht die einzige Abgeordnete sein, die sich in einer bedenklichen Nähe zu den QAnon-Anhängern aufhält. Auch die Republikanerin Lauren Boebert gewann die Vorwahl in ihrem Wahlkreis in Colorado. Sie steht aber vor einem viel knapperen Rennen gegen ihre demokratische Gegnerin als Greene. Laut der linken Beobachtungsstelle Media Matters versuchen insgesamt mindestens 70 Personen in den Kongress zu kommen, die mit QAnon verbandelt sind – die meisten allerdings ohne Erfolgschancen.

Umstrittener Stellenwert

Der Einfluss der QAnon-Anhänger ist umstritten. Bei der Linken gilt die Bewegung als eine extremistische säkulare Sekte, die das Vakuum einer sinnentleerten Welt ohne Gott fülle. Das FBI hat diese und andere Verschwörungstheoretiker bereits als potenzielle hausgemachte terroristische Bedrohung eingestuft. Andere vergleichen die QAnon-Anhänger eher mit einem Klub versponnener Hobby-Detektive, die sich einen Spass daraus machen, die angeblichen QAnon-Botschaften zu entziffern und die Legende weiterzuspinnen. Manche Anhänger betätigen sich als politische Trolle – für sie soll der Spass an der Sache vor allem darin liegen, dass sie die Linken im Land in die Hysterie treiben könnten.

Das erscheint dann allerdings doch als etwas verharmlosend. Immerhin beobachten die Sicherheitsdienste der USA das Phänomen zunehmend genau. Vergleichbar mit Sekten übt auch QAnon einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf Menschen aus, die in ihrem Leben, aus welchen Gründen auch immer, einen Halt besonders nötig haben. Früher wurden solche Strömungen gern von religiösen Sekten aufgenommen. Dabei kam es immer wieder zu Gewalttaten, die im Namen dieser (Geheim-)Bünde begangen wurden. Dies trifft auch auf QAnon zu. Es ist allerdings nicht klar, ob es sich bei den Tätern um verwirrte Geister handelt, die neben vielen anderen auch noch dieser Verschwörungstheorie anhängen, oder ob eine Art von QAnon-Gehirnwäsche direkt mit den Verbrechen in Zusammenhang stand.

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