Switzerland

Die Probleme häufen sich, die Liga stemmt sich gegen Unterbruch

Am Freitag wurden nach den Partien Lausanne - Vaduz und Luzern - Sion auch die Spiele von Servette gegen Zürich und von Lugano gegen Vaduz verschoben. Mehrere Spieler von Servette und Lugano mussten sich wegen Corona-Fällen in den Mannschaften in Quarantäne begeben. Übrig bleibt somit am Wochenende lediglich das Topspiel der 6. Runde zwischen St. Gallen und dem FC Basel, der seinerseits aus der Quarantäne zurückkehrt und zwei Partien weniger absolviert hat als der FCSG.

Beim FC Lugano sind zwei Spieler an Covid-19 erkrankt, sechs weitere wurden vom Kantonsarzt unter Quarantäne gestellt. In Genf haben insgesamt acht Spieler und Betreuer einen positiven Test abgegeben, so dass der gesamte Mannschaft von Servette eine Quarantäne verordnet wurde.

Die Ansammlung von Quarantäne-Befehlen und Spielabsagen überrascht nur bedingt angesichts der hochschnellenden Corona-Fälle. Fragen wirft die Diskrepanz mit den ausländischen Fussballligen dennoch auf, in denen der Spielbetrieb bislang nicht grossflächig beeinträchtigt wurde. Die "NZZ" rechnete in ihrer Ausgabe vom Freitag vor, dass die Schweiz mit 38 Verschiebungen in den beiden höchsten Ligen im Fussball und Eishockey europaweit führend ist. Im Lauf des Freitags stieg die Zahl auf 42. Im Eishockey befinden sich aktuell sechs von zwölf Teams in Quarantäne. Zwei weitere, Lugano und Fribourg-Gottéron, kehrten soeben aus der von Kantonsärzten verordneten Pause zurück.

Zwar gibt es auch im Ausland in den Fussballklubs Corona-Fälle, darunter jene der Schweizer Nationalspieler Xherdan Shaqiri (Liverpool), Renato Steffen (Wolfsburg), Manuel Akanji (Dortmund) und Jonas Omlin (Montpellier). Allzu grossen Einfluss auf den Spielplan hatten die Vorfälle bislang nicht. Einzig in Italien, wo das Virus schon in mehreren Klubs grassierte, war die Situation vorübergehend unübersichtlich. Dagegen mussten in der deutschen Bundesliga und der englischen Premier League noch keine einzige Partie verschoben werden und wurde der Kalender auch in Frankreichs Topliga nur marginal beeinträchtigt.

Warum diese Häufung in der Schweiz? Philippe Guggisberg, der Kommunikationsverantwortliche der Swiss Football League (SFL), nennt die aktuelle Handhabung der Quarantäne-Verordnung als Hauptgrund und verweist darauf, dass die Zahl der positiven Fälle in Relation zu den Fällen im Land nicht höher sei als in den anderen europäischen Ligen. Man habe nun in der Schweiz die Situation, dass die Quarantäne ganze Mannschaften betreffe, obwohl von verschiedenen Stellen der Behörden zugesichert worden sei, dass ausser dem positiv getesteten Spieler keiner in Quarantäne müsse, wenn das Schutzkonzept lückenlos eingehalten wurde. In den anderen Ländern würden positive Fälle anders gehandhabt, sagt Guggisberg.

Es muss allerdings davon ausgegangen werden, dass es Lücken im System und Schwachstellen wegen infrastrukturellen Gegebenheiten gibt. Die Basler Gesundheitsbehörden nannten in der "NZZ" längere Trainingseinheiten mit Körperkontakt sowie insbesondere die gemeinsamen Team-Essen als Problemzone. Die SFL erwidert, man habe sich intensiv mit Spezialisten ausgetauscht und passe die Schutzkonzepte laufend an. An möglichen neuralgischen Punkten seien die Vorgaben verschärft worden. So gilt in Fitness-Räumlichkeiten inzwischen eine Maskenpflicht, auch wenn die Distanzen gewährleistet sind. Und es wurde das Gebot ausgesprochen, nicht oder in kleineren Gruppen gemeinsam zu essen.

Wie soll es unter den wiederum erschwerten Bedingungen weitergehen? Ein Unterbruch oder gar Abbruch der Meisterschaften steht im Fussball noch nicht zur Debatte. Vielmehr sollen die verschobenen Spiele so rasch wie möglich neu angesetzt werden. "Wir sehen den Sinn hinter einem Unterbruch nicht. Das Problem wird dadurch nicht gelöst, sondern nur verschleppt", erklärt Guggisberg. Und: "Die Spiele sind nicht das Problem - eher das private Umfeld."

Sollte es zu terminlichen Engpässen kommen, findet die SFL, dürfen die Nationalmannschaftstermine nicht mehr sakrosankt sein. Fürs Erste will die Liga aber vor allem eines: Dass die Handhabung der Quarantäne-Verordnungen gelockert wird. Der Kanton St. Gallen ist diesbezüglich bereits vorgeprescht: Wegen Engpässen beim Contact Tracing durch die Häufung der Fälle müssen bis auf weiteres nur noch Kontaktpersonen von Infizierten in Quarantäne, die im gleichen Haushalt leben.

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