Switzerland

Die Pionierin Christina Nigg soll den Schweizer Boxverband aus der Krise führen

Im Schweizerischen Boxverband hing der Haussegen schief. Nun hat Christina Nigg die Sparte Leistungssport übernommen. Die ehemalige Boxerin sagt: «Führung ist nicht Schulterklopfen.»

1998 stand Christina Nigg (links) noch selber als Boxerin im Ring – sie gewann als erste Schweizerin eine Weltmeisterschaft.

1998 stand Christina Nigg (links) noch selber als Boxerin im Ring – sie gewann als erste Schweizerin eine Weltmeisterschaft.

Christoph Ruckstuhl / Keystone

Als im Frühling die Corona-Pandemie ausbrach, geriet der Schweizerische Boxverband Swiss Boxing unerwartet in negative Schlagzeilen. Am Olympia-Qualifikationsturnier in London, das wegen der Seuche nach drei Tagen abgebrochen werden musste, erkrankte der Schweizer Boxer Angel Roque am Coronavirus. In dieser Situation machten Delegationsleitung und Verbandsführung einen hilflosen Eindruck.

Und was in Boxkreisen längst bekannt war, kam an die Öffentlichkeit: Zwischen dem Nationaltrainer Michael Sommer und der Spitze von Swiss Boxing hängt der Haussegen schief. Die beiden Seiten sprachen kaum mehr miteinander, es gab gegenseitige Vorwürfe. In den sozialen Netzwerken wurde der Aufstand gegen den Verband geprobt. Die Führung von Swiss Boxing entzog sich der Diskussion, indem sie die Flucht nach vorne antrat: Sie entliess den Nationaltrainer, der seit zwei Jahren Teilzeit angestellt war.

Begründet wurde der Schritt nicht nur mit dem mangelnden Vertrauensverhältnis, sondern vor allem mit der Erfolglosigkeit der Schweizer Amateurboxer und Amateurboxerinnen in jüngerer Zeit: keine Erfolge an internationalen Turnieren, keine Medaillen an Europa- und Weltmeisterschaften. Von «Boxtourismus» war die Rede. Boxer, die nicht den Leistungsanforderungen entsprochen hätten, seien an internationale Turniere mitgenommen worden.

«Wir haben zu lange weggeschaut»

Obwohl Swiss Boxing an mehreren Turnieren mit jeweils drei bis vier Athleten teilnahm, die gut zwei Dutzend Kämpfe bestritten, resultierten nur zwei Siege. Andreas Anderegg, der Präsident von Swiss Boxing, sagt: «Wir haben zu lange weggeschaut und zu wenig kontrolliert, was im Spitzenbereich der Amateure geschieht.» Das sei klar ein Fehler gewesen.

Die Krise offenbarte schonungslos, dass die Verbandsstrukturen im Amateurbereich ungenügend waren. Doch da gelang dem Verbandsrat ein Coup. Die nach dem Rücktritt des Leistungssportchefs vakante Stelle wurde überraschend mit Christina Nigg besetzt. Christina Nigg? Als aktive Boxerin musste die Thunerin vor 25 Jahren gegen den Schweizer Verband um ihr Recht kämpfen, als Frau boxen zu dürfen. Das sei Schnee von gestern, sagte Nigg nach ihrer Wahl zur Chefin Leistungssport.

Zusammen mit dem Tessiner Federico Beresini, der Sommers Nachfolge als Nationaltrainer antrat und diesen Job bereits einmal innehatte, sollte Nigg im Verband Strukturen schaffen, welche die einheimischen Boxerinnen und Boxer auf Erfolgskurs bringen. Das ist in den vergangenen drei Monaten geschehen. Kürzlich präsentierte das Duo ein umfassendes Trainings- und Leistungskonzept.

Ihr Auftreten kann sehr resolut sein

Nigg bringt gute Voraussetzungen mit für den exponierten Job. Sie führt einen Boxklub in Thun, besitzt die Trainerlizenz, ist mehrsprachig. An der Fachhochschule Winterthur hat sie einen Sportmanagement-Abschluss mit der Höchstnote erlangt. Dank ihrem Leistungsausweis und ihrer langjährigen Tätigkeit als Trainerin dürfte sie innerhalb des Verbandes auf grosse Akzeptanz stossen. Die 59 Jahre alte Bernerin gilt als erfolgsorientierte Macherin. Ihr Auftreten kann sehr resolut sein. «Führung ist nicht Schulterklopfen», sagt sie.

Grundpfeiler des neuen Sportkonzepts ist der Ausbau der Regionalstützpunkte, von denen es sechs gibt. Mittelfristiges Ziel des Verbandes ist es, in die Leistungsklasse drei von Swiss Olympic aufzusteigen, was die Subventionen vom Dachverband des Schweizer Sports vervierfachen würde. Dafür braucht Swiss Boxing Erfolge im Ring.

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