Switzerland

Die Öffnungspolitik ist ungerecht

Schulen scheinen so ziemlich an letzter Stelle zu stehen: Partys mit 300 Leuten sind erlaubt, doch in den Mittelschulen sollen Schüler 2 Meter Abstand wahren, was normalen Unterricht unmöglich macht.

Für Schulen bleiben die Sicherheitsvorgaben besonders streng, während sie anderswo stark gelockert worden sind.

Für Schulen bleiben die Sicherheitsvorgaben besonders streng, während sie anderswo stark gelockert worden sind.

Foto: Alessandro della Valle (Keystone)

Gerechtigkeit ist ein strapazierter Begriff, gerade in der politischen Auseinandersetzung. Eine Ungleichbehandlung kann gerecht sein, wenn die Ausgangslage der Betroffenen ungleich ist. Zum Beispiel haben auch bürgerliche Politiker kein Problem damit, dass Einkommensmillionäre einen höheren Steuersatz haben als Krankenschwestern.

Gleiches sollte dagegen gleich behandelt werden. Das gilt auch für die Corona-Massnahmen. Diese Woche hat der Bundesrat einen weiteren grossen Lockerungsschritt beschlossen. Und die Frage muss gestellt werden, ob er dabei gerecht vorgegangen ist. Die Antwort ist leider nein.

Die Beschlüsse mit Blick auf die Schulen erscheinen gleich in doppelter Hinsicht ungerecht. Discos, Kinos und sogar Bordelle dürfen wieder aufmachen. Private Partys mit 300 Gästen sind ab Juni wieder erlaubt. Auch die Mittelschulen sollen zwar zum Präsenzunterricht zurückkehren dürfen. Doch die Folgen der geforderten Distanzregeln wirken nicht für alle gleich. Und sie werden nicht überall gleich eingefordert.

In den Mittelschulen wirken die Vorgaben des Bundes derart restriktiv, dass an einen normalen Unterricht in den Klassen kaum zu denken ist. Aus Sicherheitsgründen sollen die Schülerinnen und Schüler nicht nur zum Lehrpersonal, sondern auch untereinander im Klassenraum zwei Meter Distanz wahren.

Soziale Ungerechtigkeit zementiert

In Kinos ist unter diesen Bedingungen ein Filmbesuch möglich. Die Erotik-Branche darf sogar wieder ihre Dienste anbieten, obwohl hier der 2-Meter-Abstand unmöglich einzuhalten ist. Und in den Clubs darf eng getanzt werden, wenn die Betreiber die Gäste registrieren. Gleiches gilt für private Feiern mit bis zu 300 Gästen. Warum aber soll ausgerechnet an Gymnasien und Berufsschulen auf strengen Abstand bestanden werden, wo alle Schülerinnen sowie die Lehrpersonen bereits bestens bekannt sind? Und wenn sogar für Bordelle Abstriche bei den Abstandsregeln gemacht werden, warum dann nicht auch für die Mittelschulen, wo es um die Zukunftschancen der Kinder geht?

Der volle Präsenzunterricht wird erst nach den Sommerferien wieder beginnen. Das ist mit Blick auf die Gerechtigkeit noch aus einem zweiten Grund bedenklich. Denn dies droht soziale Ungleichheit zu zementieren. Nicht alle Kinder haben ein eigenes Zimmer oder einen eigenen Computer, um in Ruhe zu Hause zu arbeiten. Und gerade alleinerziehende Eltern sind in Corona-Zeiten zerrissen zwischen den Anforderungen ihres Jobs und dem Wunsch, den Kindern daheim beim Lernen zu helfen.

Lehrerinnen und Lehrer versuchen ohne Zweifel, das Beste aus der Situation zu machen und dafür zu sorgen, dass niemand im Stoff zu weit zurückfällt. Doch es sind die sozial Schwächsten, die unter den langen Monaten des Homeschooling am stärksten zu leiden drohen.

Vom Schaden für die Zukunft der Kinder haben wir nicht den Hauch einer Idee.

Ein Unternehmer kann vorrechnen, was ihn die Schliessung jeden Tag kostet. Doch welcher Schaden für die Zukunft der Kinder durch die lange Abwesenheit vom Präsenzunterricht entstanden ist, davon haben wir derzeit nicht den Hauch einer Idee. Das nährt die Gefahr, diese Schäden zu unterschätzen.

Die volle Rückkehr zum Präsenzunterricht in allen Schulen sollte politisch eine viel höhere Priorität bekommen. Die Schweiz hat bekanntlich keine Rohstoffe, auch wenn viele Firmen hierzulande damit florierenden Handel treiben. Der Wirtschaftsfaktor «Bildung» hat eine bessere Behandlung verdient.

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