Switzerland

Die Notenbanken umarmen und verteufeln Kryptowährungen

Einerseits soll der privaten Geldschöpfung über Kryptowährungen schon bald ein Riegel geschoben werden, andererseits arbeiten viele Zentralbanken an eigenem digitalem Notenbankgeld. Ist in Zukunft überhaupt noch relevant, wer das Zahlungsmittel emittiert?

Guthaben, die ein Bürger direkt auf einem Konto bei der Nationalbank hält, haben die gleichen Eigenschaften wie Bargeld.

Guthaben, die ein Bürger direkt auf einem Konto bei der Nationalbank hält, haben die gleichen Eigenschaften wie Bargeld.

Christian Beutler / Keystone

Auf den ersten Blick erscheint die Haltung der grossen europäischen Notenbanken schizophren. Einerseits soll die Geldschöpfung von nichtstaatlichen Kryptowährungen untersagt werden, andererseits planen zahlreiche nationale Institute, eigene digitale Währungen zu lancieren. Für Aussenstehende ist die Lage verwirrend: Zwar hört man vom Boom der Kryptowährungen, doch was ist damit gemeint? Der Höhenflug des Bitcoins, der Vormarsch von privaten Kryptowährungen der zweiten und dritten Generation, die Lancierung von privaten Stablecoins wie der Facebook-Währung Libra oder das Projekt eines digitalen Euro?

Zur Spekulation verbreitet

Die meisten Projekte für stabile Krypto-Abrechnungs- oder -Zahlungs-Einheiten sind erst in der Planungs- oder Testphase. Kryptowährungen werden vom breiten Publikum vorerst meist als Spekulationsobjekt betrachtet, wegen der hohen Preisvolatilität locken hohe Kursgewinne – aber ebensolche Verluste. Meist steht stellvertretend der Bitcoin für diese Kryptowährungen. Von den über 7500 Kryptowährungen mit einer Marktkapitalisierung von über 400 Mrd. $, welche die Website www.coinmarketcap.com aufführt, macht der Wert des Bitcoins 253 Mrd. $ aus.

«Kryptowährungen – ohne Anbindung an eine offizielle Währung – zeichnen sich durch eine hohe Preisvolatilität aus und werden primär als spekulative Anlagemöglichkeit genutzt», sagt ein Sprecher der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Daher würden Fragen im Bereich des Anleger- und Konsumentenschutzes im Vordergrund stehen. Derzeit erfüllten Kryptowährungen die Funktionen von Geld (Zahlungsmittel, Recheneinheit, Wertaufbewahrung) nur sehr beschränkt. Kryptowährungen hätten deshalb und aufgrund ihrer bisher sehr begrenzten Nutzung gegenwärtig keine Auswirkungen auf die Aufgaben der SNB (Geldpolitik, Bargeldversorgung, bargeldloser Zahlungsverkehr, Finanzstabilität).

EU-Staaten preschen vor

Mitte September forderten fünf wichtige EU-Staaten – Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und die Niederlande – in einer Erklärung ein präzises und stabiles Regelwerk für Kryptowährungen. Sollte dieses nicht eingehalten werden, müssten die privaten Währungen verboten werden. Die private Geldschöpfung über Krypto-Token könnte in Europa also bald illegal werden. Der deutsche Bundesfinanzminister Olaf Scholz, der als Krypto-Kritiker gilt, will den Regulierungsvorschlag aufgreifen und im Rahmen der deutschen EU-Rats-Präsidentschaft im zweiten Halbjahr darüber verhandeln.

«Ich rechne nicht damit, dass wir auf globaler Ebene solche Verbote sehen werden», sagt Fabian Schär; er hält die Professur für «Distributed Ledger Technology / Fintech» und ist Geschäftsleiter des Center for Innovative Finance an der Universität Basel. Erstens seien die rechtliche Grundlage und die Durchsetzbarkeit höchst fraglich. Zweitens sehe er keinen klaren Beweggrund für ein globales Verbot von Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether – insbesondere unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Währungsaspekt hier im Hintergrund stehe und es vielmehr um eine alternative Anlageklasse und öffentliche Infrastruktur-Plattform gehe. Nicht zuletzt deswegen sei der Begriff Krypto-Asset heute gängiger geworden.

«Schlauer» als Bitcoin

Neben Kryptowährungen wie dem Bitcoin, die kaum für den Zahlungsverkehr verwendet werden, für den sie ursprünglich konzipiert wurden, sind die neuen Kryptowährungen der zweiten und dritten Generation nicht auf reinen Zahlungsverkehr ausgelegt. Ethereum, eine Kryptowährung der zweiten Generation, ermöglicht auch die sichere Ausführung von Smart Contracts, intelligenter Verträge, die bei Eintritt vordefinierter Kriterien erfüllt werden. Währungen der dritten Generation wie Cardano und Iota sind den Vorgängern punkto Skalierbarkeit deutlich überlegen, weil kaum Rechenleistung erforderlich ist, auch weil kein aufwendiges Mining wie beim Bitcoin betrieben wird. Die Verifizierung der Transaktion erfolgt nicht durch Rechenleistung, sondern durch einen energieeffizienten Konsensmechanismus.

Als Facebook im Juni 2019 mit der Libra die Lancierung einer digitalen Weltwährung ankündigte, gewann die Idee einer umfassenden Zahlungsanwendung, die auf der Distributed Ledger Technology (DLT) basiert, globale Aufmerksamkeit. Die Libra ist als Stablecoin konzipiert. Ziel solcher Kryptowährungen ist es, die Preisvolatilität zu begrenzen, indem den Token Vermögenswerte (z. B. Fiat-Währungen, Rohstoffe, Immobilien oder Effekte) unterlegt werden. Die Libra soll den internationalen Zahlungsverkehr – insbesondere über Landesgrenzen hinweg – revolutionieren. Die Abwicklung wäre einfacher, günstiger und auch ohne Bankkonto zugänglich.

Libra fällt in Ungnade

Das Ausmass der Ablehnung, die auf diese Initiative folgte, hatte das Social-Media-Unternehmen wohl nicht vorhergesehen. Politiker und Notenbanken meldeten massive Vorbehalte an. Zahlreiche namhafte globale Unternehmen wie Mastercard, Visa, Paypal und Ebay verliessen in der Folge das Libra-Konsortium. Das Projekt der «Weltwährung» wurde kräftig zurückgestutzt. Vorerst will sich «die Facebook-Währung» auf Entwicklungsländer fokussieren und dort Anwender ansprechen, die über keine Bankverbindung verfügen.

Weil sich der Libra-Trägerverein in der Schweiz niederliess, sich auch hier eintragen liess und um eine aufsichtsrechtliche Einschätzung bat, reagierte die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) schnell. Die Behörde veröffentlichte eine Ergänzung zur ICO-Wegleitung mit Blick auf Stablecoins nach Schweizer Aufsichtsrecht. Seit 2018 beschäftigt sich die Finma mit einer steigenden Zahl von Stablecoin-Projekten.

Notenbanken arbeiten am elektronischen Geld

Das Konzept der digitalen Notenbank-Währungen ist älter als das «White Paper» des Autors Satoshi Nakamoto aus dem Jahr 2008, in dem das Konzept der Blockchain-Währung Bitcoin beschrieben wird. Das als Central Bank Digital Currency (CBDC) bezeichnete Projekt für digitales Notenbankgeld will elektronisches Geld schaffen, das direkt auf Konten bei der Zentralbank liegen und einem grösseren Nutzerkreis zur Verfügung stehen soll als die derzeitige digitale Form der monetären Basis für Geschäftsbanken.

Unterschieden wird zwischen «Wholesale CBDC», die von der entsprechenden Zentralbank nur an Geschäftsbanken und Nichtbank-Finanzinstitutionen ausgegeben werden, und «Retail CBDC», die Privathaushalten zugänglich sind. Im Bereich «Wholesale» führt die SNB zusammen mit dem BIS Innovation Hub und der SDX, der SIX-Tochter, die an der «Tokenisierung» von Vermögenswerten arbeitet, eine Machbarkeitsstudie durch. Wenn Vermögenswerte «tokenisiert» werden, könnte es effizient sein, wenn die Abwicklung nach dem Prinzip «Lieferung gegen Zahlung» mittels Wholesale-CBDC-Token erfolgt.

Zweierlei Notenbankgeld

Bei der «Retail CBDC» könnte jeder Bürger direkt bei der SNB ein Konto unterhalten und direkt mit jedem Bürger Geld austauschen. Der Vorteil dieser digitalen Notenbank-Währung für Private wäre, dass sie nicht mehr dem Gegenparteirisiko bei Geschäftsbanken ausgesetzt wären – also mit Bargeld zu vergleichen wäre. Die Nachteile wären je nach Sichtweise die totale Transparenz und der Umstand, dass die SNB die Kunden-Identifizierung übernehmen und ein sehr komplexes Transaktionssystem aufbauen müsste.

Umstritten ist jedoch die Frage, ob solche «Retail CBDC» im Falle von Krisen zu mehr oder weniger Stabilität im Finanzsystem beitragen. Eine Umschichtung von Bankeinlagen in digitales Zentralbankgeld ist einfacher als in physische Banknoten. Dies könnte im Krisenfall das Risiko eines Bankensturms erhöhen. Es ist so gesehen kein Wunder, dass bei der SNB das Wholesale-Projekt im Vordergrund steht.

China hat als erstes Land der Welt eine digitale Notenbank-Währung im Praxistest. Dabei handelt es sich um eine «Retail-Lösung». Die Kundenkonten werden aber nicht von der Zentralbank, sondern den Geschäftsbanken geführt.

Internationaler Aktivismus

Im Januar des laufenden Jahres formten die Bank of Canada, die Bank of England, die Bank of Japan, die EZB, die Schwedische Reichsbank und die SNB zusammen mit der BIS eine Arbeitsgruppe, um Erfahrungen beim Evaluieren der Einsatzmöglichkeiten von digitalem Zentralbankgeld im Hoheitsgebiet auszutauschen. Anfang Oktober stellten sieben Notenbanken und die BIS einen Bericht über die grundlegenden Prinzipien und Merkmale von digitalem Notenbankgeld vor.

Mit einer Digitalisierung von Notenbankgeld könnte auch das geldpolitische Instrumentarium der Notenbanken erweitert werden – in einer Zeit, in der die Leitzinsen gegen null (oder darunter) tendieren. Angesichts der durch die Covid-19-Pandemie beschleunigten Zunahme des bargeldlosen Zahlungsverkehrs wollen die Zentralbanken zudem klären, ob Notenbanken eigene digitale Währungen bereitstellen sollen und welche Kriterien sie erfüllen müssten.

Die Notenbanken halten fest, dass eine als allgemeines Zahlungsmittel dienende CBDC keine Gefahr für die monetäre und finanzielle Stabilität darstellen dürfte. Die an dem Bericht beteiligten Institute halten es zudem für nötig, dass digitales Notenbankgeld konvertibel, einfach nutzbar und kostengünstig wäre.

«Bargeld verschwindet früher oder später»

Mittlerweile sehen viele Regierungen die Einführung von digitalem Zentralbankgeld als alternativlos an. Nur so könnten sich nationale Währungen gegen private Währungen von Unternehmen wie Facebook oder Apple behaupten. «Es ist durchaus vorstellbar, dass stark zentralisierte, private, elektronische Geldeinheiten und CBDC sich mittel- bis langfristig konkurrenzieren – sie erfüllen einen ähnlichen Zweck», sagt Fabian Schär. Der Basler Professor fügt an: «Es ist davon auszugehen, dass Bargeld irgendwann verschwinden wird.»

Er hoffe, dass das noch lange dauere, aber der Trend sei vielerorts bereits heute klar erkennbar. Fakt sei deshalb, dass dann Alternativen bereitstehen müssten, die es der Bevölkerung ermöglichten, Zahlungsmittel ohne Gegenparteirisiko zu halten. Insofern ist Schär überzeugt, dass eine CBDC – in einer vernünftigen Form – durchaus stabilisierend wirken könne. Die Konkurrenz zu Geschäftsbanken sehe er nur bedingt. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass Zentralbanken zusätzliche Dienstleistungen auf diesen Konten anbieten würden. Insofern sollte es Geschäftsbanken nach wie vor möglich sein, ein klar differenziertes Angebot zu schaffen», sagt Schär.

Football news:

Kuman über den Sieg gegen Dynamo Kiew: haben Ihr Ziel erreicht - kamen in die Playoffs
Sulscher über 4:1 gegen Easton: Manchester United spielte intensiv, genoss die Partie. Wir haben von Anfang an intensiv agiert, die Jungs haben mit der Jagd gespielt und das Spiel genossen. Es ist Champions League, Old Trafford-natürlich ist es ein Vergnügen, hier zu spielen. Wir haben schöne Tore geschossen, ich bin zufrieden
Stürmer ferencvarosha ließ Cristiano jubeln: er feierte ein Tor in seinem Stil. Ronaldo reagierte mit einem Tor und einem sehr bösen Blick
Morata erzielte 5 Tore in 4 spielen in der Champions League für Juve. Sein bestes Ergebnis - 5 für 12 Spiele in der Saison 2014/15
Holand erzielte 15 Tore in der Champions League am schnellsten. 7 Spiele besser als der Rekord
Der absurde Pass des Champions-League-Spiels: Stürmer Brügge wollte nicht in den Bus, und er wurde rausgeschmissen
Ronaldo erzielte in der 35.Minute nach einem Pass von Juan Cuadrado den Führungstreffer für die Turiner Cristiano Ronaldo