Switzerland

Die Millionenspende der UBS sorgte für Kritik – doch sie hat die Wirtschaftsfakultät der Universität Zürich zu einer der besten der Welt gemacht

Die Wissenschafter am UBS-Center der Universität Zürich forschen auch zu Themen wie Armut oder den sozialen Folgen der Globalisierung. Von gekauften Wirtschaftsprofessuren kann nicht die Rede sein.

Das Hauptgebäude der Universität Zürich thront über der Stadt.

Das Hauptgebäude der Universität Zürich thront über der Stadt.

Christian Beutler / Keystone

Wird eine Universität besser, wenn sie viel Geld erhält? Das fragten sich manche, als die UBS der Universität Zürich (UZH) vor acht Jahren 100 Millionen Franken spendete. Seither wurden am UBS International Center of Economics in Society, wie es offiziell heisst, sieben neue Professuren eingerichtet und Nachwuchsforschern rund siebzig Forschungsjahre finanziert. Kürzlich gaben Bank und Universität bekannt, dass die UBS bis 2032 weitere 25 Millionen Franken spricht.

Zählbare Resultate

Nimmt man die gängigen Hochschulranglisten als Massstab, hat die erste Spende einiges bewirkt. Im Ökonomie-Ranking von QS, in welchem die UZH 2013 noch in der Ranggruppe 51 bis 100 steckte, hat man sich dank den neuen Professuren auf Platz 32 weltweit vorgearbeitet.

Das Tilburg-Ranking sieht die Zürcher Ökonomen unter den besten 30 der Welt, das «Handelsblatt» kürte das Department of Economics zur mit Abstand besten Fakultät im deutschsprachigen Raum, was die gesamte Forschungsleistung betrifft.

Die traditionsreiche «Times»-Rangliste sieht die UZH derzeit knapp ausserhalb der besten 50 Wirtschaftsfakultäten, nach Rang 42 im Vorjahr. Alles in allem zeigt sich seit 2012 aber eine klare Aufwärtstendenz: In Europa scheint einzig die London School of Economics noch ausser Reichweite.

Zu Beginn war die öffentliche Debatte um die UBS-Spende vom Streit um Unabhängigkeit und Transparenz geprägt, auch weil die Universität die Verträge erst herausgab, als zwei Zeitungen diese mit dem Öffentlichkeitsgesetz anforderten. Seither legt die UZH ihre Verträge indes offen; die UBS hat das Namensrecht inne und stellt an öffentlichen Anlässen des Centers gerne einmal einen Gastredner oder einen Teilnehmer an Podiumsdiskussionen.

In der Forschung lässt sich aber kein Einfluss der Grossbank ausmachen. Dank deren Geldern konnte sich das Institut für Volkswirtschaftslehre im Gegenteil vielfältiger aufstellen. Dem Institut ist so der Wandel geglückt, den die Ökonomie als Ganzes durchlaufen hat: weg von der reinen Theorie, hin zur experimentellen Überprüfung der eigenen Annahmen und zur Kooperation mit Psychologie, Soziologie oder Neurowissenschaften. Zudem wendet sich die Forschung verstärkt Themen zu, welche die Gesellschaft stark umtreiben – Klimawandel, Ungleichheit, Armut oder Automatisierung.

Der über das UBS-Center besoldete Professor David Dorn etwa untersucht, wie Globalisierung und technologischer Wandel den Arbeitsmarkt verändern. Der 41-Jährige nahm die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Verlagerung der US-Industrieproduktion nach China unter die Lupe; letztlich führten diese Probleme im Mittleren Westen der USA auch zur Wahl von Donald Trump.

Dorns Arbeiten haben das Bewusstsein geschärft, dass die Globalisierung nicht per se für alle ein Gewinn ist. Dorn ist überdies Teil der interdisziplinären Expertengruppe, die den Bund bei der Bewältigung der Covid-19-Krise berät.

Die 43-jährige Assistenzprofessorin Dina Pomeranz wiederum forscht zu den Staatsfinanzen, zum Beschaffungswesen oder zum Steuersystem in Entwicklungsländern; etwa dazu, wie sie dank Information und Technologie effizienter gegen Steuerumgehung vorgehen können. Auch Pomeranz ist mit ihrer Forschung in der Öffentlichkeit präsent: Über ihren Twitter-Account, dem 58 000 Personen folgen, oder in Medien etwa zur Frage, wie sich die extreme Armut auf der Welt verändert hat.

Es ist also nicht so, dass hier eine Grossbank Professoren kauft und sie in ihrem Interesse forschen und predigen lässt. Die Bedeutung der UBS für das Department of Economics hat relativ betrachtet abgenommen, seit ihr Beispiel weitere Unternehmen und Stiftungen zu Spenden animiert hat.

Die Swiss Re Foundation hat eine Professur für Entwicklungsökonomie finanziert, die Jacobs Foundation drei Assistenzprofessuren, welche die Ökonomik der Kinder- und Jugendentwicklung untersuchen sollen. Auch das Kinderhilfswerk Unicef oder die Credit Suisse unterstützen Professuren.

Auf mehr Schultern verteilt

Weil das Departement publikationsstarke Forscherinnen und Forscher gewonnen hat, ist es heute weniger abhängig von Einzelnen. Lange lebte Zürich vom Ruf von Ernst Fehr und bis 2012 von jenem Bruno S. Freys. Sie haben mit ihrer Pionierarbeit in der Verhaltens- und Kulturökonomie dazu beigetragen, dass sich die Ökonomie gegenüber anderen Sozialwissenschaften öffnet und mit Experimenten ihre Grundlagen hinterfragt. Fehrs Arbeit zu Fairness und Kooperation stellte etwa den stets seinen Eigennutz maximierenden «homo oeconomicus» infrage.

Fehr führte das Department of Economics über Jahre und war das Gesicht der Zürcher Ökonomie nach aussen. Der 64-Jährige stand daher vor der etwas paradoxen Aufgabe, sich selbst unwichtiger zu machen. Er hat die Institutsleitung inzwischen abgegeben und trägt, dank seinen neuen Mitstreitern am Institut, inzwischen auch einen kleineren Anteil zu dessen Publikationsleistung bei.

Beim Aufbau hat nicht alles nach Plan funktioniert. Fehr sagt, dass man nach der Gründung des UBS-Centers zunächst vergebens versucht habe, einen Superstar nach Zürich zu holen, der in der Folge weitere Top-Talente angezogen hätte. Arrivierte Professoren ab 45 Jahren zu einem Wechsel von den amerikanischen Spitzenuniversitäten nach Zürich zu bewegen, habe sich aber als praktisch unmöglich herausgestellt. «Viele Vorteile, die Zürich bietet, lassen sich aus der Ferne schwer erfahren», sagt Fehr, «etwa, dass ich meine Kinder hier nicht jeden Morgen zur Schule fahren muss.»

Dabei kämpfen die amerikanischen Universitäten derzeit selbst mit Schwierigkeiten: Die Regierung Trump hat sich die ausländischen Studierenden und Fachkräfte als Zielscheibe ausgesucht, um beim Wahlvolk zu punkten. Bleiben sie den USA fern, sinkt auf Dauer die Qualität der Universitäten, zudem geraten sie in Geldnöte. Das in den USA weiterhin grassierende Coronavirus und die hohe Verschuldung vieler Studierender helfen auch nicht.

Dennoch profitieren die besten amerikanischen Universitäten im Kampf um die Talente weiterhin von ihrem Renommee. «Es ist wie beim Fussball», sagt Fehr, «wenn ich als Topspieler weiss, dass Ronaldo zu Juventus wechselt, wird der Klub auch für mich interessanter.» Niemand will aber der Erste sein, der zum Aufsteiger wechselt, wenn nicht auch andere Spitzenleute mitziehen.

Das UBS-Geld half Zürich dabei, diesem Henne-Ei-Problem zu begegnen, indem man mehrere gut dotierte Stellen aufs Mal schaffen konnte. Erfolg hatten die Zürcher bei aufstrebenden Ökonominnen und Ökonomen, die bereits einen familiären Bezug zu Europa hatten und die hiesige Lebensqualität zu schätzen wissen.

Professoren sollen Teamplayer werden

Die Wirtschaftsfakultäten konkurrieren heute auch weltweit um die besten Doktorierenden. Auch deswegen hat das Institut für Volkswirtschaftslehre die altehrwürdigen Lehrstühle abgeschafft, die im deutschsprachigen Raum noch immer die Norm sind. Die Ökonomieprofessoren erhalten in Zürich heute kein separates Budget für eigene wissenschaftliche Assistenten und kein Sekretariat mehr.

Die Gelder fliessen in die gemeinsame Kasse der Zurich Graduate School of Economics, die jährlich etwa 15 Doktorierende aufnimmt. Sie sind für die ersten zwei Jahre keinem Betreuer fest zugeteilt, können diesen später selber wählen und im Lauf ihres Doktorats auch wieder wechseln. Das schränkt die Macht der Professoren ein und soll den Doktorierenden zugutekommen.

Das an US-Universitäten etablierte Modell schafft eine gewisse Konkurrenz zwischen den Professuren um die besten Doktoranden im Haus. Fehr sagt jedoch, dass die Graduate School im Gegenteil sogar den Teamgeist zwischen den Professoren gestärkt habe: «Ich bewerbe mich heute nicht mehr beim Lehrstuhl XY für ein Doktorat, sondern beim Department. Dessen Reputation wird dadurch zum öffentlichen Gut, von dem alle profitieren.»

Die Strategie scheint inzwischen zu fruchten. Auch dank dem einheitlichen Auftritt nach aussen hat das Department of Economics für 2020 über 500 Bewerbungen aus der ganzen Welt erhalten, auch gute Studierende von ausserhalb des deutschsprachigen Raums sind auf Zürich aufmerksam geworden.

Es bleibt ein langer Weg

Die UBS-Spende war für Zürich gewissermassen das Eintrittsticket für die oberste Liga der Wirtschaftsuniversitäten, sie garantiert dort aber keinen Erfolg. Dieser hängt weiterhin vom fragilen Zusammenspiel der Forscherinnen und Forscher ab. Falsche Entscheide könnten die UZH in den Rankings also auch rasch wieder nach unten drücken. Doch Fehr hofft, dass sich das Department of Economics in den nächsten zehn Jahren bis in die Top 15 der besten Wirtschaftsfakultäten der Welt vorarbeiten kann. «Das Ziel sind die Top 10, aber das dauert seine Zeit.»

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