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Die Menschheit hat ein Ablaufdatum – und den Göttern geht es nicht besser

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Die Menschheit hat ein Ablaufdatum – und den Göttern geht es nicht besser

Ich war in diesen Tagen auf dem Pizol und bekam auf der Wanderung eine Lektion in Erdgeschichte. Schautafeln verrieten mir, dass die Sardona-Tektonikarena wie der Grand Canyon in den USA zum UNESCO-Welterbe zählt.

Der fragile Mensch: Slackline-Profi Lukas Irmler balanciert 2019 im Bündner Teil der Sardona-Tektonikarena. Bild: KEYSTONE

Die ältesten Gesteine dieser Region sind mehr als 300 Millionen Jahre alt. Vor 200 Millionen Jahren bedeckte ein Meer die Schweiz, die Alpen existierten noch nicht. In der Eiszeit vor 500‘000 Jahren war die Gegend unter Gletschern begraben.

Weiter erfuhr ich, dass unser Planet ursprünglich so heiss war, dass alles Wasser verdampfte. Deshalb war die Erde umgeben von einer riesigen Dampfwolke. Als der Planet abkühlte, soll es Tausende Jahre lang geregnet haben. Dabei entstanden Flüsse, Seen und Meere.

Es dauerte mehr als vier Millionen Jahre, bis der Homo sapiens seinen Auftritt auf dem blauen Planeten hatte. Das war vor etwa 300‘000 Jahren.

Ein denkendes Wesen, das die Fähigkeit der Abstraktion besitzt, sind wir aber erst seit rund 30'000 Jahren. An einen momotheistischen Gott glauben wir gerade Mal ein paar tausend Jahre. Und Maschinen bauen wir erst seit kurzem. All dies ist gemessen an den vier Milliarden Jahren, die die Erde auf dem Buckel hat, ein gefühlter Bruchteil einer Sekunde.

Endlich – und extrem kurz

Wir Menschen wurden weitgehend zu alleinigen Herrschern auf dem Planeten, weil sich die Evolution beim Homo sapiens auf die Entwicklung des Hirns konzentrierte. Dies erlaubte unseren Vorfahren, ein Bewusstsein für unser Sein und für die Zeit zu entwickeln.

Seither wissen wir, dass der Tod das Ende der irdischen Existenz bedeutet. Dass also unser Gastspiel auf der Erde endlich ist. Und dass dieses erdgeschichtlich gesehen extrem kurz ist.

In diesem Dilemma kamen unsere Vorfahren auf die Vorstellung von Gott und und einem Leben nach dem Tod. Seither haben wir das Gefühl, die Krone der Schöpfung zu sein. So suggerieren es uns zumindest mehrere Religionen und viele Glaubensgemeinschaften. Auch die christlichen behaupten, Gott habe uns nach seinem Ebenbild geschaffen.

Geben wir der Erde den Rest?

Da stellen sich ein paar einfache Fragen: Warum hat Gott mehrere Milliarden Jahre gebraucht, bis er auf die Idee kam, uns zu erschaffen? Schliesslich soll er es gemacht haben, um ein Gegenüber zu bekommen. Angesichts der zeitlichen Dimensionen unseres Planeten fragt man sich auch, weshalb er uns nur einen kurzen Augenblick des irdischen Daseins gönnt und uns rasch wieder verschwinden lässt.

Es drängen sich auch Fragen zur Zukunft der Menschheit auf. Wie verändert sich unser Planet in 1000, 10‘000, 100‘000 Jahren? Wie sieht er in Millionen und Milliarden von Jahren aus? Explodiert er eines Tages? Kühlt er irgend wann ab? Kommt es zu einem interplanetaren Grossereignis, das die Erde zerstört? Wie lang bleibt sie noch bewohnbar? Geben wir Menschen ihr gar den Rest?

Soche Überlegungen zeigen, wie sehr wir Menschen aus unserer subjektiven Perspektive heraus unser Dasein interpretieren. Und wie sehr wir getrieben sind von Ängsten und Sehnsüchten. Deshalb können wir uns nur schwer vorstellen, nach einem kurzen Intervall auf der Erde endgülltig zu verschwinden.

Auch wenn es eine narzisstische Kränkung ist: Die Wahrscheinlichkeit, dass wir dereinst auf der langen Liste der bedrohten Tierarten stehen werden, ist gross. Ähnlich gross wie die Option, dass auch Gott oder alle Götter dieser Welt ein Ablaufdatum haben. Wie übrigens auch unsere schöne Erde.

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