Switzerland

Die Lenzburger «Räblüs» trotzten dem Regen

Ein Hobby wie der Weinbau verbindet Generationen, am Samstagmorgen bei ziemlich garstigem Wetter. Abbrechen oder weitermachen? Manchmal entscheidet die Fragestellung mit. So fragt Obmann Werner Volkmar beim Znüni, als die erste Charge in den Fässern ist, nicht, wer weitermachen wolle, sondern, wer dagegen sei, weiterzumachen. Das Abstimmungsergebnis ist klar. Zumal der Obmann ein feines Zmittag in Aussicht stellt, ein wärmendes: Suppe mit Spatz. «Kritisch bleiben; nicht nachlässig werden», mahnt er die Mitarbeitenden und spricht die Qualität der Trauben an, die zu Wein werden wollen.

Es war ein Traumjahr für die Räblus-Winzer

Gut 30 Personen, «Räblüs», sind da, um mitzuhelfen. Pro Jahr werden etwa 1500 Arbeitsstunden geleistet. Werner Volkmar teilt ein, denn eine solche Lese will organisiert sein. Die meisten verteilen sich als Paare um die Rebenreihen herum: Sie schneiden die Trauben und säubern sie von unbrauchbarem Material: Braune und pfludrige Beeren müssen weg. Der Transporttrupp holt die vollen Plastikkisten, die Peter Jud, der ehemalige Schlossherr, hingestellt hat: «22 Jahre habe ich auf den Rebberg hinuntergeschaut; jetzt geniesse ich es, hinaufzuschauen», lacht er. Der Inhalt der Kisten wird in grosse Fässer geleert.

Warum hat man die Lese nicht um eine Woche verschoben? Corin Balhaus, seit zwei Jahren Präsidentin der über 70-jährigen Rebbauernvereinigung der Lenzburger Ortsbürger, blickt auf ein «Traumjahr» zurück: «Kein Frost, kein Hagel, wenig Kirschessigfliegen und Wespen.» Die Fäulnis, letztes Jahr ein Problem, könnte bei einer Verschiebung der Lese aktuell werden, das die Befürchtung.

Es herrscht ein emsiges Treiben im Weinberg am Schlosshang mit einer Neigung von bis zu 70 Prozent. Die vollen Kisten werden nicht getragen, sondern geschleift, damit keine Kiste ausleert und der Inhalt damit verdorben ist. Gemeinsames Arbeiten verbindet Generationen. So ist Dieter Schäfer mit Sohn, Tochter und Enkel Noah, mit acht Jahren der Jüngste, am Lesen. Als jener moniert, er ha-be ja nichts davon, wird er vertröstet: In acht Jahren dürfe er auch Wein trinken. Die Pflegeeinsätze während des Jahres mit der Lese als Höhepunkt bie- ten neben der Arbeit geselliges Miteinander. Begeisterung und Herzblut sind spürbar, auch wenn der Himmel weint.

Ein Drittel mehr Kilos und drei Öchsle mehr als 2019

73 Reihen mit knapp 1700 Rebstöcken auf einer Fläche von 40 Aren sind zu pflegen, Blauburgunder-Trauben, aus denen ein Profi, Thomas Lindenmann in Seengen, einen Weisswein, Blanc de Noir (60 Prozent der Ernte), und einen Rotwein, Pinot noir Auslese (40 Prozent), herstellt. Der Aufwand hat sich gelohnt: Der Ertrag ist dieses Jahr genau 3283 Kilo (Vorjahr 2400 Kilo) mit 92 bis 93 Öchslegraden (Vorjahr 90). Durchschnittlich rund 3000 Flaschen pro Jahr werden vom «Lenzburger Schlossberg» produziert.

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